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Full text of "Zur Geschichte des isländischen Dramas und Theaterwesens"

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Hlntversttp of HGUöconstn 




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inrtrüge unii HlniUiqei 

herausgegeben von ber 



20. 



Zur 0e$d)id)te des isländischen 
Dramas und Cbeaterwesens, 

3. £. Poestion. • 




lüien ^03. 
3 Verlag oon SDianer & fto., äöten. 

iöudjbrutfrcei Slmbr. Opif, Wim. 



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[«orbcmerfunfl. 8on ben in biejem KuffcftC .öotfommeiiben ülönbifaen I^en Ö, fr &fä*«&net Ö bie 
ftimmbaftc, J> bie flimmlofe interbentale 6pirans (Ö beitöufifl th in enfll. father, p beiläufifl th 

in engl, to tbiuk)]. 

Die neuistönbiidje Sitcratur trieb befanntlid) bie fünften SBlüten auf bem 
©ebiereber £nril, juerft ber rettgiöfen, bann — befonberS im neunzehnten 
Safjrtmnbert — ouet) ber profanen. $ie tyrifd&e $oefie ber ^Stänber Ijat fid) 
burd) iljren bidjterifdjen ©djmung unb ir>rc nationale ©igenart fogar ju fo 
entfdjiebener ©ettung ju bringen üermoajt, bafj ir)r bereits ein unbeftritteneS 
$(ä$djcn in ber SBelttiteratur eingeräumt mürbe. 9?eben ber Snrif entftanben 
erft füät aud) bie für Ssfanb neuen $>id)tungSgattungen : bie 9?ot>etl e 
unb baS Urania. 

®enn menngteicr) fdjon in ber fpäteren attislänbiferjen Siteratur erbtd^tete 
©rjäfjlungen — im ©egenfafce ju ben eckten, auf Ijtftorifdjcn ©reigniffen 
beruljenben ©agaS — fid) oorfinben (mie j. bie Viglundar saga), bie 
übrigens öon fefjr geringem öftfjetifdjen Sßerte finb, fo bübet bie in ber 
SDJitte beS neunjeljnten 9>arjrr;unbertS entftanbene ÜRoöefliftif boct) feine %ovt= 
fefcung jener alten SrjäljlungSfunft, fonbern fie öerbanft itjre ©ntftefmng 
fremben ©inflüffen. 

9tod) meniger täfet fid) baS tSlänbtfdje 3)rama aus alten Ijeimifdjen 
Sßorbitbem ober SCRotiöen ableiten, obgleich gemiffe ©ebidjte, befonberS ber 
ßieber*@bba (mie j. 93. bie Lokasenna), bor 9Ittcm aber bie ©agaS 
mandje fmdjbramatifdje ©jenen enthalten. Sluaj bie istänbifdje $ramatif ift 
üielmefjr frembem ©amen enrfüroffen, für ben ber Söoben ber müften, rnett* 
abgefdjiebenen Snfel überbieS nichts meniger als günftig mar. SEBäljrenb 
baljer bie StotteHiftif fid) jiemlid) rafdj entmitfelte unb fjeute in ben (Srjäljlungen 
©eftur *]ßälSfonS, ©inar |>jörleifSfonS u. 21. bereits ganj gebiegene ©djöofungen 
aufeumeifen fwt, ift bie islänbifdje $)ramatif über bie Anfänge nod) immer 
nidjt rcdjt IjinauSgefommen. $>ie bramatifdje Siteratur 3slanbS gleicht nod) 
immer einer erotifdjen SreiblmuSüflanse, mennglcid) alle Reichen bafür 

l* 



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— 4 — 

farec&en, bafe auch fie auf 3$lanb ein fräftige* ©ebenen ftnben »erbe. 
<Roch mißlicher ift c8 natürlich mit ber ©chaufpielfunft beftetlr, ba fjicr bic 
fremben Sorbitber fehlen. 

3$ ^obe in meiner neuiälänbifchen Siteraturgefchichte („^dlänbifche 
dichter ber Sieujeit in e^arofteriftifen unb überfefcten groben ihrer Eichung" 
fieityig 1897) bie Stoöelliftif unb 5)ramatif noch jiemlich nebenfächlich behanbett, 
entfpredjenb ifjrer inferioren Stellung ber Sörif gegenüber. ©ine felbftänbige, 
menngleich nur ffi$enf)afte Earftetlung ^abe ich bem „$rama unb X^eoter 
SSlanbs" fpäter über Siufforberung ber «ebaftion oon „Eühne unb SBett" in 
biefer Beitfchrift (V. 3^8-, <B. 190—197) getoibmet. SSenn ich mich nun 
gleidnoohl gerabe mit bem noch fchmäcfjlichften ^robufte ber neuiSlänbifchen 
Dichtung ^ier nochmals unb 5toar ausführlicher befchäftige, fo geflieht bieS 
erftenS: um eine SReferentenpflicht ju erfüllen, bie mir oon islänbifdjen 
Richtern burdj ©infenbung ihrer neuen bramatiföen Arbeiten auferlegt mürbe, 
unb jtoeitenS: um auf ©runb ber üon mir felbft gefammelten äRaterialien 
über baS iSlänbifdje $)rama unb Xfjeatertnefen einige ergänjenbe 33emerfungen 
an Siarl Maklers oor furjem erfchienene Sonographie über bie islänbifdje 
5)ramatif*) ju fnüpfen, unb aud) einige irrige ober ungenaue Angaben über 
biefen ©egenftanb in anberen ©driften ju berichtigen. 2)abei liegt mir 
felbftoerftänblich nichts ferner, als mir auf bem ©ebietc beS iSlanbifchen 
X^eatermefenS etroa irgenb eine Autorität beijumeffen. XieS wäre für einen 
2IuSlänber, ber nicht in ber Sage ift, felbft bie iSlanbifchen SBibltothefeu 
unb Iktnbfdjriftenfammlungen ju burchforfdjen, gerabe^u eine SBermeffenfjeit. 
Slber ba icf> mich einmal mit biefem ©egenflanbe 511 befrfjäftigen ^atte, mar 
ich roenigftenS bemüht, fo oiel unb fo $uoerläffigeS Material als möglich 
jufammenjubringen, um namentlich in bie Anfänge beS iSlanbifchen XramaS 
unb XheatermefenS einen genaueren (Sinblicf ju gemimten; benn toenn bieS 
üiefleicht auch DCn ^Slänbcrn felbft, bie ir)r heimifcheS Xrama unb Xtjcatermejen 
noch fetir gering fchäfcen, nichtig unb baher überflüffig erfcheinen mag, fo 
bünft eS mich oom titerarhiftorifchen ©tanbpunfte im |)inblicfe auf eine 
feineSioegS auSgefchloffene gebeihliche Sortentmicflung biefeS ^ulturjmeigeS 
auf 3slanb boch geboten, gerabe feine erften Slnfänge 5U »erfolgen unb 
Darzulegen. 3d) teile in biefer £inficht ganj bie Anficht ÄüchlerS. 3m 
Übrigen mollen bie folgenben 3eilen nicht« anbercS fein als ein gan$ 

*) ©efd)id)te ber islänbifa>en Dichtung ber 9teujeit (L8(X)— 1900). «Bon 
3W. phil. ftarl &üd)ler. freft II. 3>ramatif. «eipjtg. frermann £aade. 1902; 
ogl. aud) ben Wuffafc beSfelben s 3lutor3 in ber 3citf$rift für Dcrgletchenbe Literatur» 
gefchtchte. 9t. fr XII, ©. 1—21: „Sur ©efdnchte ber iälänbifdjen ^ramatif", auö 
bem btefe ÜJlonographie hernorgegangen ift. 



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— 5 — 



anfpruchStofer Seitrag ju bem behanbetten X^cma unb — ein Anlafe für 
bie ^ölänber, fich enblidj bo<f> felbft eingebenber mit biefem (Degenftanbe ju 
befchäftigen, um meiner unzulänglichen ©arftettung eine grünblidjere ©ear^ 
beitung entgegen aufteilen. 

3$ Weibe meine AuSf Urningen in bie gönn einer felbftänbtgen @fiföe 
über bie (Sntmicflung beS i3länbifcf>en $)rama$ unb XheatermefenS, ohne 
jebod) mie Stichler auch auf bie ungebrucften bramatifchen Serfudje — biö 
auf wenige Aufnahmen — töucfficht ju nehmen. $ie ©ebanbtung biefed 
XfjemaS, inSbefonberS be* i«länbifd>en X^eatermefen«, ift tnegen be8 überaus 
bürftigen QueflenmateriatS mit nicht geringen ©ajmterigfeiten öerbunben. 
@ine jufammenhängenbe Starfteuung ber iälänbifchen $)ramati( unb Schau* 
fpieteret öon einem 3$länber ober einem anberen ftadjmann als JHichter 
enftiert nicht, unb ba3 fonftige gebrucfte ÖueUenmateriat befdjräntt fid^ faft 
auSfchliefelich auf gelegentliche unb recht (arge SWotijen unb Semerfungen in 
einigen, an ben betreffenben ©teilen jitierten, jumeift iätänbifdjen Söüdjern, 
3eitfa>riften unb 3eitungen.*) Auch in ben üerfajiebenen (Sammlungen 
telänbifdjer #anbfchriften foHen fich nadj meinen bei ben beften Zennern 
biefer Sammlungen eingeholten Informationen aufjer bem SBenigen, toorüber 
ich am gehörigen Orte berieten werbe, (einerlei Aufzeichnungen über 
tr)eatralif(^e Aufführungen auf 33lanb unb (eine äRanufrripte tSlänbtfcher 
Dramen toor unb nach ber 8«t ber erften be(annten ©djulfomöbien (@nbe 
be$ 18. 3at)rh) oorftnben. ©etbft ba3 fpejiell für bie ©ajutforaöbie in 
©etrad&t (ommenbe islänbifche SBifc^ofdarc^it» enthält nach ber beftimmten 



*) Vergeblich fuchte tdj u. 31. auch nach AuStiinften über theatralifche 
Aufführungen auf 3ßlanb überhaupt in: $6n (SfpöUnS »Islands Ärbaekur i 
söguformi« (1821—1855), in ÜRagnüS ©tepbenfenö »Eptirmaeli ätiandu 
aldar« (1806) unb in ber fpäteren bänifchen Bearbeitung biefeS 3Berte§: »Island i 
det attende Aarhundrede, historiskpolitisk skildret« (1808), bann über bie ©cbul* 
f omöbie im SBefonberen in: gtnnuS 3>ol)anna:uS' »Historia ecclesiastica Islandiat« 
(1772—1778), ber ipauptquelle für bie ÄennrniS ber älteren ©efchicbte beS iSlänbifdjen 
<5chulroefen§, unb in ber ftortfe&ung biefc« Söcrfe« bi« 1840 burch % $jetur8fon 
(1841), foroie in ben fpejieU bem iSlänbifcben ©djulroefen geroibmeten Abhanblungen : 
»Actmsbssig Beretning om det laerde Skolevxsens Tilstand paa Island fra 1799 
til 1811« oon 2. (Sngelftoft (in beffen »Universitet- og Skole- Annaler«, 1813, 
©. 179—247), Skfrsla um Bessastada-Sköla fyrir sköla-äriö 1840—1841 oon %6n 
3 6 n § f o n (Sftbcoar ftlauftri, 1841), »Um sköla a fslandi« oon 3f6n©tgurÖ8fon 
(in »Uf Felagsrit«, II. är, 1842, ©. 67—167) unb »Saga latfnusk61a ä Island! til 
1846« oon 3anuS 36n8fon (in »Tfmarit hins fslenzka bdkmenntafjelags«, 
14. arg., 1893, ©. 1-97). 



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— 6 — 

Sßerficherung bes 2anbe3arcf>iöarS 3)r. 3ön PorfelSfon nicht bas ©eringftc 
über biefen ©egenjtonb,*) unb auch meine mieberholten Nachfragen, ob ntd^t 
etwa hßnbfcfjriftliche ©djulchronifen ober anbere bie iSlänbifäen Sateinfdjulen 
betreffenben STufjei^nungen oorfjanben feien, ergaben ein negatioeS SRefultat **) 
S3ei fotd^er Xürftigfeit bes OuellenmateriatS war ich baranf angemiefen, 
mid} bezüglich mehrerer fünfte brieflich an foldje 3$länber $u wenben, bie 
in ben betreffenben fragen bewanbert fein tonnten. Aber auch bie WuSfünfte, 
bie mir auf biefem SBege jurornen, waren fpärftd) genug. Siele Anfragen 
biteben überhaupt unbeantwortet, einige mistige neue Xaten über baS 
Xtieatermefen SRetjfiabtfs oerbanfe ich immerhin meinem islänbifdjen greunbe, 
bem Canbesbibliothefar $a 1 1 g r i m u r 9W e t ft eb, unb bem bramatifajen dichter 
unb 2anbesred>nungsreoifor ^nbriöi ©inarsion. Überbas ©chaufpielmefen 51t 
Slfureöri berichteten mir ber Surifer unb Xramattfer ©tra 2Ratthtas 3o^«wöfon, 
ber ©olfsfdmüehrer unb dichter ^Jdtt Sönsfon unb ber oerbiente fwch&etagte 
Siterat 3ön ©orgfiröingur. liefen, fowie ben übrigen Herren, bie meine 
oielfadjen Anfragen beantwortet haben, fpreaje icf> auch noch an biefer ©teile 
meinen wärmften £anf aus. 

I. 

Über tt)eatralifche Aufführungen auf 3fölanb oor bem lejjten 
Xejennium bes achtjehnten 3at)rhunberts h flt man meines 2B i f f e n s auch 
auf 3$tanb felbft feinerlei ftunbe, unb es ift wohl mit ©icherheit anzunehmen, 
bafj folebe bis ba^in nicht ftattgefunben fwben. Xiefe Annahme wirb unter* 
ftüfct buref) eine 93emerfung, bie fiel) im Vorworte jum erften S3anbe bes 
oon bem istänbifdjen $8ifcf|ofe Cannes ftinnsfon herausgegebenen 93olfsbuches 
„Kvöldvökurnar 1794", b. f). $)ie Abenbunterhaltungen für bas 3at)r 1794, 
©. XXIII, frnbet. Xer genannte <Öifct)of, ein feljr gelehrter SRann unb 
genauer Kenner bes Söoltslebens feines £>eimatslanbes, äufeert fict) nämlich 
an bem angeführten Drte, er freue fict) mit allen guten Seuten, bafe bie 

*) 93aron Xr. !panS ftrticjfa oon ^aben, ber im ©ommer 1902 auf ^Slanb 
roeilte, roar über mein ©rfueben fo freunblicb, hierüber perfönlich bie bejüglichen 
Informationen einjubolen. 

**) Xtefe negatioen 9tefultate erfcheinen mir um fo feltfamer, als bod), roie 
ich nachträglich erfehe, bis 3ur Ausgabe ber gebruetten ©chu (berichte (oom 3«h*e 1841 
angefangen) foroobl bem ©riftSamtmanne, roie bem Söifdrof oon ^slanb jährlich ein 
fchriftlicher Bericht über AueS, roas bie ©djule betraf, übergeben rourbe. dine s Hb 
fchrift bes Berichtes rourbe überbies an bie fönigl. Xireftion ber foocbfchule unb ber 
gelehrten ©djulen in Kopenhagen gefanbt. 33gl. Ski'rsla um Bessastada-Sk61a f. 
1840- 1841, ©. «. ßeiber roar ich nicht in bev l'age, felbft an Ort unb ©teile, fei 
eS in 9teofjaoif ober in Kopenhagen, nach biefen unb anberen einfchlägigen Berichten 
ju forfchen. 



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unmoralifdjen Xänje unb Slbenbunterfjaltungen nunmehr abgefommen feien; 
er bebauert bann, bafj ben 3«Iänbern gor öiele Vergnügungen fehlen, bie im 
Slustanbe üblidj finb, wie fittlidje Xänje, Pflege ber SKuftf u. bgl., unb nimmt 
beSljalb 93eifpie( foldjer „Unterhaltungen auslänbif d)er 93 ö l f er" 
jmei au«länbifd)e ©djaufpiele in islänbifdjer fiberfefcung in fein SottSbud) 
auf*); ugl. unten. 

s Äud) oon einer bramattfdjen fcidjtung oor ber jtoeiten $ätfte 
bes ad)t$eljnten 3fat)rfjunberts ift auf 3$fonb nid)t« befannt. $)as 
erfte berartige s 4$robuft ftammt oon einem Jßaftor ÜRamen« © n o r r i 
«jörnsfon (1710—1803), ber ju feiner Qeit aß ©elefjrter t>oa> 
gefdjäfct unb aud} fein fd)led)ter 9timur*$)id)ter war. @3 ift nur Ijanb* 
fdjrifttid) überliefert. (Sine Hbfd)rift babon befinbet fid) als 9fr. 72, 
Oftab, ber HKanuffriptenfammlung %6n ©igurösfons in ber i8länbifd)en 
«ibliotljef $u SRetofiaotf. 2luf bem erften Xitelblatte biefer £anbfd)rift ftetjt 
Don ber £anb 3ön ©igurösfon« gef ^rieben: »Sperdill | Komcedia eptir sira 
Snorra Björnsson | ä Husafelli | ad sögn Brynjölfs Oddssonar | bökb[indaraj 
i Reykjavik | sem hefir ritad petta eptir afskript | af frumritinu | ok aukid 
nokkru eptir minni sinu j Rv. 19/6 71,« b. f). „Sump.**) ftomöbie Oon ©tra 
©norri ©jörnsfon auf $üfafefl, nad) 2tu«fage ©rönjötfur Dbbäfon«, 93ua> 
binber« in SReüfjabif, ber biefeS nad) einer 9lbfd)rift Dom Originale gefd)rieben 
unb um Einige« nad) feiner Erinnerung oermebjt Ijat." ®a« innere Xitel* 
Matt, oon ber £anb ©rbnjolfur Dbbsfon«, tautet: »Komoedia | sammanskrifud 
af | Hrafnaflöka | i midju Ragnarökkri ä degi enskis mänadar. (Persönurnar: 
Rukere og Enra eda Musikant og Sperdill), b. t). „Äomöbie, jufammen« 
gefd)rieben öon $rafnaftöfi***) mitten im SBeltuntergange am Sage feine« 
SHonate«. Oßerfonen : SRufere unb (Snra ober SKufifant unb Sump.)" 3dj jelbft 
habe feine 9lbfd)rift biefe« «Stüdes in §änben gehabt, fonbern oerbanfe bie 
litetfopien bem 2anbe«bibIiotf)efar Jpaflgrimur SRetfteb, ber mir aud) mitteilte, 
bafj »Speröill« eine ©atire, jebod) at« foldje „nur SBaffer" unb im ®anjen 

*) 9iad) Ölafur $aüi'Ö«fon, fslenzkir vikivakar og vikivakakvjeöi (ftopen- 
bagen 1894), ®. 30, ba id) nur bie jroeite, 1848 erfd)ienene 9lu3gabe ber Kvöld- 
vökur befi&e, in ber ba$ 93orroort ntdjt met)r abgebrueft rourbe. 

**) Speröill ift nad) 99jÖm !palborfen« Lextcon islandico-latino-danicum : 
1. intestinum rectum ; 2. ontasum, fareimen ; nad) ©rif ;$onSfon3 Oldnordisk Ordbog : 
eine Ulrt Sßurft (ber umgeroenbete unb mit $Ieifd)farce angefüllte fette ^ami eine« 
Sdjafe«) ; nad) ßlea«bl) 53igfu§fon Icelandic-english Dictionarv : a kind of sattsage. 
2>aS Söort bebeutet aber, roie mir oon ^Slänbern mitgeteilt rourbe, aud) : „Gumpen" 
unb im übertragenen ©inne, roie root)l ^icr, „üump" (oon einem s Ulen|d)en). 

***) 3>er au« ber (Sntbedung«ge|d)id)te Qslanbö befannte SJtrmger tflöft 
SJilgeröarfon. 



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— 8 — 

hödtft unbebeutenb unb mertlod fei. Sgl. auch Studier, $ramatif, ©. 6 — 7. 
$)iefe« ÜHachwerf fpiclt benn auch weiter feine fRoUe in ber ®efd)td)te ber 
iSlänbifchen $)ramatif unb fteljt in feinerlei $8ejiet)ung jur Röteren ©ntwicflung 
be$ $rama§ auf 3$tanb. 

J)aS telänbifche $)rama ift oielmehr tote in onbcren Sänbern au£ ber 
©chulfomöbie hervorgegangen, u. jro. aus rheatralifchen SBeranftattungen, 
bie juerft in ber $omfchute ju ©fälfjolt unb hierauf in ber Sateinfchule ju 
fRe&fjaoif ftattgefunben haben. @S feien baher junäajft einige Semerfungen 
über biefe beiben «Saluten oorauSgefchicft. 

3m 3&h re 1553 mürbe an ben beiben iSlänbijdjen 93ifchoT^ft^cit ju 
$ölar (für baS 9fa>rblanb) unb ju ©fälhott (für baS ©übtanb) je eine 
Sateinfdmle, ^auptfäcr)(idh $ur £)eranbübung beS einheimifchen ÄteruS, gegrünbet. 
$)ie begabteren ©tubenten fottten fobann bie Unioerfität $u Sft>penhagen 
befudjen, wo ihnen für bie 3)auer it)rer ©tubienjeit freier Unterhalt gemäht 
würbe. 91n beiben ©djufen würbe anfangs aufter Satein, baS ben ^auptgegenftanb 
bilbete, nur noch Öefen unb etwas ©efang gelehrt. ©rft oon ungefähr 1600 an 
erhielten bie beften ©chüler auch Unterricht int ©riechifchen. ©bäter würbe 
bann bie 9tnjahl ber 2et)rgegenftänbe bermehrt. $och blieb eS mit beut 
gefamten Unterricht immer noch fchlimm befteUt. 3ttS im 3at>re 1784 baS 
©dmtgebäube ju ©fdttjolt burdj baS furchtbare Srbbeben jerftört würbe, 
warb burch föniglidjeS SReffribt bom 29. 9lbril 1785 bie Verlegung ber 
©djute nach ocm S ur ®aufftabt erhobenen £>anbelsptafce SRetorjabtf angeorbnet. 
£ier begann ber Unterricht in bem eigens ju biefem 3tbecfe erbauten #aufe 
im &erbfte 1787. %m 3ahre 1801 würbe bann auch bie Stomfdmle ju 
$ölar aufgetaffen ober bietmehr mit ber Stenfjabtfer Sateinfchule oereinigt .*) 
$)aS aus $>olj erbaute ©cfmfgebäube tag oben auf bem fogenannten 
§6tauöflur, wo jefct ber Heine ©fölaker (b. h- ©th«th°f> IW- 
beftanb aus fünf Zimmern im ©rbgefchofj ; im oberen (93oben*)9taum 
befanb fidj ber ©chlaffaal mit ungefähr acht 93ettfteUen für breifeig 3öglinge. 
$aS $>auS war fehr fchteuberhaft gebaut unb fo !a(t, bafe bie fdjwächlicheren 
3ungen im SEBinter nicht fetten ben Xag über im 33ette bleiben mufjtcn ; auch 
hatte eS ju wenig unb 3U f leine Scnfter unb war oft oott Stauch- 5ür bie 
SSerföftigung fyatttn bie ©chüler felbft $u forgen. ©ie trieben fid) baher in 
ben Kütten ber armen Seute in ber Umgebung SReöfjabifS fyetum, maS jur 
Solge hatte, bafe biete oon ihnen erfranften, im Umgang mit ber oerfommenften 



*) Äüchier fdjreibt {^Slänb. 3)ramatif ©. 8) ungenau, baß bie beiben Öateuu 
fänden oon 6teIf)oIt unb §6lar, ju einer ©dmle oereint, im 3ahre 1801 nach 
JReofjaotf oerlegt mürben. 3)icfe Ungenauigfeit rourbe für ihn oerhängniöooll, ba fie 
i^n ju falfcher Datierung ber Anfänge beö i^länbifchen XramaS führte. 



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SKenföeniTaffe an. iljrer ©ittttdjfeit (Stäben nahmen unb aud) if>r ©tubium 
uernadjlaffigten. 35ie .ßögünge maren, toie in ©fätyolt, gleidmtäfjig getteibet. 
©ie trugen einen fdjmar$gefärbten 2BamS fomie furje, bis an bie $nie 
rctcfjenbe Söeinfleiber auS islänbifdjem %x\e§ unb baju rotbraune, an ©onntagen 
lichtblaue, ©trümöfe. $5ie SJopfbebecfung beftanb an SBerf» unb ©onntagen 
auS einer 9Rüfce mit grüner ober fdjroarjer Quafte unb einem SDtetaÜbra^t* 
befafc, wo bie SBeiber jefct bie filberne $>ülfe (hölkur) haben.*) 3)ie ©dmle fetbft 
hatte nur jroei klaffen ober üielmehr Abteilungen unb auch nur jroei ßchrer, 
roooon ber „©djulmeifter" ober „ßeftor" CJDireftor) in gleicher ©igenfdwft fd)on 
an ber ©djute $u ©fälholt geroirft hatte. @t fomohl toie fein „Stoflega" 
ftanben bereits in ^o^em Atter unb waren nicht eben feljr tüchtig als ßehrer. 
@rft nachbem auch bie #olenfer ©dmle mit ber SRe^fjaotter ßateinfdjulc 
oereinigt loorben mar, mürbe eine britte ßehrfraft befteflt. 5)ie AuSbtfbung 
ber jungen ßeute liefe benn auch fehr oiet $u münden übrig, unb ba es 
lange 3eit tjinbura^ fogar an ber befjörblidjen Oberauf fia^t fehlte, mar ber 
3uftanb ber ©cljule in feiner SBeife befriebigenb. — 

3)ie ältefte mir betannte 9la$ridjt über bramatifdjeAuffübrungen 
auf 3stanb enthält baS in bänifcher ©prache gefchriebene SReifeiournal beS 
trefflichen ArjteS ©oeinn ^ätsfon, meines jefet ats STCr. 1 — 3, 5olio, ber 
3Ranuffriptenfammtung ber islänbifchen ßiteratur*(Bcfeflfchaft in ber ßanbeS» 
bibtiott)cf ju 9tet)fjaüif aufberoahrt mirb. ©ort finbet fich im erften, Dom 
2. 3uli 1791 bis @nbe 1792 reia^enben ©anbe bie folgenbe 9cotij**) auS 
bem 3ahre 1791: „Am 18. Oftober mar ich AbenbS bei ber „$erTennacht , ' 
in ber 9icüfjat)tfer ©chule. ©o nennen bie ©cbüter bieje Unterhaltung, ©ie 
ift eine Art ©djaufpiel, baS bie £ na ben jebeS 3ah* einmal aufführen, 
©ie toben ben SDireftor unb bie ßehrer ein, fomie afle ^Beamten unb 
angelegeneren ßeute auS ber ÜKadjbarfdraft mit ihren grauen. $5aS ©piet 
befielt in einer firönung, unb ber Oberfte in ber ©dmle ift immer ber 
JS'önig. (Einige fpielen Söifdjof unb $riefter, Anbere melttidje $errfchaften mie 
ben Ijödjften unb &meithöd)ften SWinifter, ben ©tiftSamtmann (©ouoemeur üon 
Sslanb), Oberrichter, Stifter u. f. m. $)er ßönig mirb gefrönt unb nimmt ba$ 
©jepter entgegen. ©leidjjeitig mirb eine furje 9tebe in lateinifcher ©prache 
gehalten, bie für biefe Gelegenheit pafct. ©obann treten bie Söürbenträger 
beS S'ömgS einer nach bem anbern oor biefen f}in, unb jeber lieft feine 
<5Müdfmünfd>e in lateinifchen Herfen oor. $ie ganje $eerfdjar get>t bann einige 

*) »gl. Sborobbfen j n Andvari, XXVI (1901), ©. 5-6. 

**) 2>iefe 91otij fleht (in iSlänbifdjer Überfefcung) gebeueft in fslenzkar 
skemtanir, safnaö hefir Ölafur Davfösson, (Kopenhagen, 1888—92), ©. 24—25, 
Anmerfung. 



- 10 - 

äRate im Limmer auf unb ab, ocrläfet hierauf baS ©djulhauS unb $ieljt 
um biefeS Ijenim. ©obann mirb gefungen unb auf einem HRufiftnftrument 
gefpielt, meun ein fotc^eS oorf)anben ift ; aud) einige ©djüffe werben abgefeuert. 
Einigen mürbe bie Aufgabe juteü, ©jenen au« Suftfoielen 
bar^ufteUen." 

#bnli(he$ berietet ein ehemaliger ©d)üler ber Satcinfdmle ju 9teof jaüif, 
ber fpätere ©tiftSpropft unb Xitular*S3iidjof*) Ami &elgafon, ber 1795 in bie 
Slnftalt fam unb fie 1799 als Abiturient oerliefe, in feiner bem jmeiten, 
bie Dramen >Hr61furc, »Narfi« unb »Brandurc entfjaltenben Söanbe ber SBerfe 
beS islänbifdjen $)id)ter§ ©iguröur SßjeturSfon oorauögefdjicften biographifdjen 
(Einleitung, mo er über bie (Sntftefjung biefer Dramen 2luffd)Iufj gibt unb fd)reibt 
(©. XVII— XIX): „'Sic ©djaufpiele oerfafete er [b. i. ©iguröur s #.] mit 
ber größten £aft. $te ©agitier ber ^eofjaüüer ©djule braajten ihn baju,**) 
unb e£ mirb fein $reunb, ber 93ifd)of ®eir,***) baS ©einige mit ihnen 
baju getan hoben bei feinem f£reunbe ; felbft fdjrieb er b a 3 erfte S u ft* 
fpiel, baS in ber ©djule gefpielt morben mar unb »Brandur« 
Reifet. @§ mürbe einft bie ©itte mit ber ©djule (oon ©fdtffolt) nad) SReofjaüif 
oerpflaujt, bafj bie ©djüler, nadjbem fie im £>erbfte auf ihre ^ßtäfce eingeteilt 
maren, eine 5lrt ^reubenfeft abhielten; unb man madjte babei ben ©djerj. 
Denjenigen, ber ben bödjften Sßlafc in ber ©djule erhielt, $um ftönig ber 
©dmle ju frönen. S3on ©fälholt famen mit ber ©dmle audj förone, ©jepter 
unb ÜtetdjSapfel, bie (Embleme ber Regierung, bie ber föönig biefer ©djule 
an feinem ÄtönungStage entgegennahm ; gleichzeitig mürben Söeamte ernannt, 
©o lange fidj bie ©djule in ©fälholt befanb, maren feine anberen Seamteu 
gemäf)lt morben als ein ©tiftSamtmann, ein 53ifdjof unb ein SRidjter. Sin biefem 
Xage mar e$ audj ^flidjt „beS SJifdjof»" ju prebigen, unb baoon ift bie s #rcbigt 
entsprungen, bie im fianbe fyiev aflbefannt ift unb bie ©f raparottS - s $rebigt 
heifet. ©S ift nidjt unergöfclidj, fie ju lefen ; benn fie fleugt oon einer frifdjen 
2)enfmeife unb einem geregelten ©ebanfengange, maS in oielen s 3rebigten 

*) Ävni $>elgafon mar nie „©ifdjof oon ^elanb", rote ihn Äüdjler nennt, 
fonbern erhielt nur 1858 ben Xitel eines iöifdjofö. $tfd)of oon ^slanb roar oon 
1846 bis 1866 !pelgt ©uömunbarfon Iborberfen. 

**) ©iguröur s J$jetursfon mohnte oon 1790 bis» 1795 bei bem Stettor ber 
Öateiufcbule, ©fsiU XhorlaciuS, in töeofjaoif, oon 1795 — 1803 im $lmt$haufe bes 
SanbesipbnftfuS in ^cö bei menfjaoif. 

***) ©eir SönSfon öibalm „ber ©ute", geb. 1761, ftubiertc oon 1779—1789 
an ber Unioerfität Kopenhagen s ^r>tlofop^te unb Rheologie, rourbe 1791 ©eiftlicher 
an ber 2)omfirdje ju Otegtjaoif, roar oon 1797—1801 S3ifchof im ©telholt=©tifte 
unb oon 1801—1823 «ifdjof oon ganj ^Slanb. (Sr roar ein hochbegabter, flaffifd) 
gebilbeter iüiann unb oorjüglicher ©tilift. 



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- 11 — 



fehlt.*) liefen brauch ^ot man wof)l nicht für paffenb befunben, nachbem 
bic Schule in eine ®auffiabt öerlegt morben war; unb wenn auch bie 
Krönung beibehalten würbe, wenigftenS bis jur lefcten 3ahrfmnbertwenbe, fo 
warb boer) bie s #rebigt aufgegeben, unb an it)re Stelle (amen biefe fomöbien. 
damals würben auch fnurj bie (jddtften 3Rinifter gewählt, aber (eine l)ot>en 
Beamten, fo : ein SKinifter be£ Slußern, ein Sanjter, ein .ßeremonienmeifter 2c. 
Unb ba in biefen 3a^ren bie f ran$dfi jdje Solution gu Cfrtbe ging, fdjien 
es »affenb $u fein, baß berjenige, ber jum Äönig erwägt worben war, noch 
am Xage feiner Krönung abban(te, bamit bem S?ol(e bie ftreube bereitet 
werbe, baß eS fich felbft regieren (önne. So finb biefe ftomöbien 
entftanben unb e$ geigte fid) and) ^icr, baß ju Wllem ein Einlaß gegeben 
werben muß." 

Sin Soeinn *.ßäl$fon§ Berichte ift oon ber ©ifchofsorebigt nicht bie 
Siebe; fie fct)eint baher im 3atjre 1791 fdjon burch bie bort erwähnten 
fjenifchen Xarfteflungen auS Suftfpielen erfefct morben ju fein, 5)ie ganje 
^eranftattung mar aber zweifelsohne eine (ombinierte ftorm beS meltlichen 
unb ftre^ttc^en »festum stultorum«, eines uralten fdjerjhaften Unfuges, ber 
an ben mittelalterlichen Unioerfitöten unb ®lofterfd)ulen, befonberS um 
SSeifmadjten unb ÜReuiatjr, getrieben mürbe unb in feiner weltlichen 3orm 
unter ben Stubenten nodt) ^eute als „Surft oon Zfyoxtn" be(annt ift.**) 

Über bie bramatifdjen 2luffut)rungen an ber alten $eö(jaütter Öatein= 
fdmle fanbid) ferner Slnbeutungen in ber Sönnernummer 1848 (S. 59—61) 
ber 2JtonatSfchrtft »Reykjavfkurpösturinnc, b. h- bie ?Ret}(jax>tler ^oft, wo 
in einer längeren — weiter unten ausführlicher mitgeteilten — 9toti$ über bie 
im neuen Sdwlhaufe ju 9teu(jaot( wieber aufgenommenen SBorfteöungen 
berichtet wirb. 35ort h«ßt *S: „Söährenb bie Sdjule in SRcurjaotf war unb 
auch weiterhin, währenb fie fich in Seffaftaöir befanb, waren bie Schul* 
(naben gewohnt, $\ ihrer Unterhaltung in ben geiertagSferien ftomöbie ju 
fpielen, unb eS mußte entweber ein Schüler ein Schaufpiel oerfaffen ober 
fie gewannen ju biefem Smerfe einen außerhalb ber Schule ftet>enben SKann, 
unb fo finb auch bie Sdjaufpielc SigurÖur s £jeturSfonS unb ©eir SBtbalfnS 
oeranlaßt worben. 2Sir haben gehört, wie fieute, bie bamalS in ber Schule 
waren, mit großen Söergnügen erzählten, welche Unterhaltung bieS für bie 



*) ftucfyer teilt ($ramati( 8. 8- 10) einige ©teilen auS ber Sfraparottf. 
s JJrebtgt mit, bie hanbfchriftlid) nod) erhalten ift. Sie mar ein fmnloieS, abgefdjmarfteS 
©efdnoäti, ohne ©tfc unb söcbeutung. 

**) Sgl. ©ilßnger, Untersuchungen über bie Scitrechnung t>er alten Germanen. 
II. $a$ germanifch« 3ulfeft. Stuttgart, 1901 <S. 72—74). 



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— 12 — 

©djüler gemefen fei. 9Ran fonn fid) tetd^t benfen, bafj Siele« redjt mangelhaft 
toax, ba e« ihnen an allen fjemfehen Apparaten fehlte, unb fie mußten 
gerabefo fpielen, al« hätten fie mitten in einer ber beiben ©djulftuben 
geftanben." 3« ben oon ©beinn s $dl«fon unb Ami ^etgofon ermähnten 
haften fäme atfo nod) ba« neue ÜKoment ^inju, bafe fd)on bamat« (mie 
fpäter) aud) bie 2ateinfd)üler fetbft Dramen getrieben $aben. $>od) ift 
nid)t mit »oder 6id)erf)eit ju entnehmen, ob biefe Angabe fid) aud) auf bie 
erften ©d)ulaufführungen in SRetifiaoff ober erft auf bie fpäteren ju SöeffaftaÖir 
bejieljt (ogl. unten). 

2Ba« für Suftfpiele e§ roaren, au« benen am „^errenabenb" 1791 
oon ben Sateinfdjütern jene ©jenen bargeftetlt mürben, unb ob bteßeidjt jdjon 
biefe ober aber anbere bor 1804 aufgeführte fiomöbien bon ßateinfd)ülern 
oerfafet roaren, ift un« alfo nidjt befannt. @benfo menig miffen mir, in roefd)em 
3at>re bie kremiere bon ©eir 93ibaltn« »Brandur< ftattgefunben tjat, bon bem 
e« tieifjt, bafe biefe« ©tücf ba« erfte (i«tänbifd)e ober fetbftänbige?) 5)rama 
mar, b a « in ber Sateinfdjule g e f p i e 1 1 mürbe. @« gefdjah bie« jeben- 
fad« oor 1796 ; benn in biefem %af)xt (am 5. 3)e$ember?) fanb bereit« eine 9luf* 
füljrung (bie Sßremifcre?) be« ©rüde« »Hrölfur« oon ©iguröur üßjeturäfon 
fratt, ba« bamal« unter bem Xitel »Slaöur og trügirni« (b. h- <&efdjroä& 
unb Seichtgläubtgfeit) in ©jene ging.*) 

SBann bie erfte Sluphrung be« jmeiten ©rüde« biefe« $)id)ter«, »Narfu, 
an ber 2ateinfd)ule ftattgefunben h«t, mirb nid)t berietet, bod) fonnte bie« 



*) oerbanfe bie Kenntnis biefeS Saturn« einer Mitteilung beä 2anbe«> 
bibliotbefar« §allgrfmur ÜJlelfteb; btefer tyat oor ^a^ren in einer $anbfd)rift ber 
Sammlung ftön <&tgurÖ8fon« in ber SanbeSbibliotbef einen 3«ttel gefunben, ber bie 
9Zotij enthielt, bafe in ber ©d)ule ju JHcpfjacif auf bem Ipölaoöllur im $abre 1796 
»Slaöur og trügirni« (= §r6lfur) oon ©iguröur $jetur§fon aufgeführt roorben 
fei. Sluf bemfelben 3*ttel roar aud) bie 2ifte ber ^erfonen oerjeidmet, mela>e bamal« 
mitgefpielt b<*ben. 3d) teile biefe fiifte (al« Äuriofum) hier mit: 

9luÖun, Sauer unb ©erid)t«beifi&er . . ^6n ©tetngrimifon oon fieirä; 

© i g r ( Ö u r, beffen 28etb Ärni ^Igafon oon fraufaftaöir (ber fpätere 

litularbifajof); 

Una, beffen Xodjter Sjarni Porftein«fon oon Satn; 

SNargrjet, Wagb Pöröur §aflb6r«fon oon Sorfaftaöir; 

§ x 6 1 f u r, Sanbftreidjer a. b. 9torblanbe (Sinar PorftemSfon oon ©töruoeüir ; 
© i f f u r f Sauer oon einem anbern frofe ^ön forftein^f on oon ftjaranftaöir ; 

9Inbrje« r beffen 6obn 3on s Jlrafon oon ben SBeftmanna-^nfeln ; 

36n, Sauer oon &etÖarfot .... ©mar ©uöbranb^fon oon @il§bafti; 
3ön©n'm«fon ) @ ... ©uöni ©uömunbäfon oon Kalfatjörn; 

Sjörn 5>allgfon| • • ^ ^f on oon ^agoeröarneö ; 

^iritur auf s 2lumal;t:tur, armer Sauer Sigfü^ ©rlenböfon oon ©ufubalur. 



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— 13 — 



iDoIjt nicf)t uor 1799 gefdjehen fein, ba eS faum oor biefem 3fch re getrieben 
morben ift.*) 

3n ber Sateinfdmle ^at man mit ber SBeranftattung bramatifdt)er SSor* 
fteflungen roohl titelt früher aufgehört, als bis bic ©dmle megen ihres bau« 
fälligen SuftanbeS im 3a^re 1804 ganj gefdjloffen merben mufcte. SDton 
fpielte aber balb nicht mehr nur (ober überhaupt nicht mehr?) bei ber er» 
malmten Gelegenheit nadt) beginn beS erften ©emefterS, fonbern auch ju 
anberen Xerminen roie um SBeihnachten, ju Dftem. ©o berichtet ber aus* 
gezeichnete tSlanbifche £>iftorifer $6n ©Spöltn in feiner ©elbftbiographie, er 
^abe ju Dftem 1800 unb auch toieber im grühling 1803 ben ©ptelen in 
ber SRetjfjaötfer ©djule beigetoohnt.**) $)ie ©chute mürbe bann befannttich 
nach bei nahen 93effaftaöir üerlegt, am 8. Oftober 1805 mieber eröffnet 
unb üerblieb bafelbft bis 1846 b. h- $u ihrer neuerlichen Verlegung 
noch 9tet)fiabif, roo ber Unterricht am 1. Oftober biefeS 3ah rc§ begann. 

Mach berSluSfage beS trefflichen #tftortferS $dH SKetfteb (geb. 1812, 
oon ber Sateinfcfjule abgegangen 1834), bem noch immer nachgerühmt wirb, 
bafc er baS befte ©ebädjtnis unter ben S^länbern befifce, unb ber oon 
3nbriöi ©marlon über fpäterc ©chulauffübrungen befragt mürbe, foflen 
in 93effaftaöir feine bramatifchen SBorfiellungen burefj bie 
Sateinf djüler ftattgef unben haben, fonbern eS foll oon biefen nur ju= 
toeilen eine 9Irt oon „^tellana" aufgeführt morben fein. 9luch ©enebtft ©rönbal 
fchrieb mir, bafe in ber ßateinfchule ju SeffaftaÖir „niemals" gefpielt roorben fei. 
liefen Angaben fteht jeboch ber oben mitgeteilte SBortlaut ber %f)tatexnoti$ 
in »Reykjavikurpösturinnc entgegen, beffen 9WitherauSgeber berfelbe $dll 



*) $a§ gefälfehte 3eugniS für ben fcanbelSbebienfteten «Rarfi ift nämlich t)om 
Januar 1799 batiert. 

**) SBgL Saga J 6ns Espöh'ns hins frööa, s^slumanns f Hegranespingi. 
Rituft af sjalfum honum i donsku mäli, en Gisli KonräÖsson faeröi hana ä fslenzkt 
mal, jök hana og h61t henni fram, herausgegeben oon ^6n PorfelSfon b. 3v 
Stopenbagen, 1895, ©. 61, 70, unb Ölafur SaolöSfon, fslenzkar skemtanir, 
©. 368, Nachtrag 3U ©. 24 4 (nach bem bänifchen Original in $6n ©tguröSfonS 
$Kmbfcbriftenfammlung, 127 Ouarto). 3$ habe biefe ©teilen erft fpäter aufgefunben. 
©ie roiberfpreeben ber mir oon fonft gut unterrichteter iSlänbifcher ©ette roegen 
meiner Sroetfel roieberbolt auf ba§ 93eftimmtefte gegebenen SSerftdjerung, bajj oon 
1800 an in ber Steofjaoiter üatemfcbule nicht mehr gefpielt roorben fei. (3)ieS roäre 
fomit in „Söübne unb 3Belt'\ foroie im „9lllgem. ötteraturblatt" XII, ©. 16 ju 
berichtigen.) 9luf ©. 70 ber Saga J6ns Espölins helfet eS übrigens, (SSpölm fei 
„ä leikarahüs" b. i. nach bem „©cbaufpielerhaufe" (inS %tyatet) gegangen, ©ab es 
benn ein eigenes folcheS „§>auS" ober ©ebäube im 3fabre 1803 ju Steotjaolf, ober 
bezeichnet baS 2Bort r)icr auch: „Xhcater" im übertragenen ©inne = £b«"eroorfteuung? 



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I I*» \ 



— u — 

SOiclfteb, bamatS Cand. phil., War, ber jefct bie eine ber eben angeführten 
Behauptungen aufgehellt fyat. %\i jener 9totij ift nämlich babon bie 
föebc, bafe fotoot)! mätjrenb bie ©djule in SReqfjabif war, als auch 
währenb f i e fich in «effaftaöir befanb, bie Sateinfa)üler gewohnt 
waren, Komöbie ju fielen. (Sine SeitungSnotij ift nun freilich feine 
authentifche ©efduchtSquette ; boch fcheint biefc Angabe immerhin nicht ganj 
haltlos gu fein; benn auch D « r Oberlehrer ©teingrtmur SfwrfainSfon in 
SRetofiaütf erinnert fich, oon feiner SDhitter Pörunn, einer Xod)ter beS ©ifdjofS 
#anneS SinnSfon, bie im £aufe ihres ©tiefüaterS, beS fpäteren 93ifd)ofS 
©teingrtmur SönSfon, lebte, als biefer oon 1805 bis 1810 „öeftor" 
(SReftor) ber ßateinfdwte mar, gehört ju t)aben, bafe toährenb biefer 3eit 
einmal ein fteineS ©tüd öon ihrem Söruber %6n ^anneSfon, fpäterem 
©tabt* unb £arbeSoogt oon Kolbing in $>änemarf, aufgeführt worben fei. 
$er genaue ©achoerhatt ift noch nic^t aufgeflärt. 2Baf)rfc^cittli^ ift nur 
ganj auSnaljmSmeife einmal — tote in bem ermähnten SaÜe — eine 
bramatifche Kleinigfeit jur Aufführung gelangt unb finb im Übrigen in jener 
üRotij bie oben ermähnten „Ateüanen" gemeint. $afe bie ermähnten ©chul* 
bramen auch * n Beffaftaöir meiter gefpielt worben feien, toie bieS £üd)ler 
(Xramatit, ©. 22) als „felbftüerftänblich" annimmt, bürfte baljer immerhin 
etwas zweifelhaft fein. (Sbenfo erfcheint eS feineSfaHS als „gewife", bafe 
man bort „fdwn fefjr balb begonnen fyat, auch °i c unD i enc m % Sälänbifdje 
übertragenen auSlänbifd)en, namentlich bänifche «Stüde jur Aufführung $u 
bringen", ^ebenfalls aber ift eS ein Irrtum, ben %6n Borgfiröingur in 
feinem iSlänbifchen „©chriftfteHerueräeichniS" (Rithöfundatal), ©. 120, begeht, 
wenn er behauptet, bafe bie brei ©tücfe »Hrölfur«, »Narfi« unb »Brandur« 
im 3löh rc 1814 i n ocr früheren flienf jaotf er ©dntle gefpielt worben 
feien. (5n ÜtaffS »Synishorn«, worin fich »Hrölfur« abgebrudt finbet unb 
auf baS fich 3ön Sorgfiröingur beruft, fteljt nur ber Germer!, bafe biefeS 
©tücf im Sahre 1814 in Stetofjaüif aufgeführt würbe ; ogl. unten). AuS bem 
SSerfehen beS %6n 93orgftröingur refultiert wohl auch K'üchlcrS [ n 2Biber= 
fpruch mit feinen eigenen Angaben auf ©. 22*) ftehenbe Söemerfung 
(^ramatif, ©. 18): „%mt brei ©chulbramen SiguröS unb beS SöifajofS 
(Seir Sßfbalin finb feit 1814 {ebenfalls beS öfteren an ber ßateinfchule 
aufgeführt worben". Xatfäajlich folgert Küchler auch (©• 7), °aB bie Dramen 
beS ©iguröur ^jetursfon unb ©eir SSibaltn „in ben Anfang beS 19. 3ai}t= 
hunbertS fallen." $erfelben Anficht ift übrigens auch ^rofeffor £r. Sßaltrjr 

*) .frier heifet es : ,,^aß bie 6chulbramen, als bie ßateinfchule im ^afjrc 1805 
nad) Söeffaftaöir uerlegt ttmrbe, auch bort meiter gefpielt morben finb, ift fclbft« 
oerftänblich." 



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— 15 — 

©uömunbsfon, ber in feinem intereffonten unb banfenSmerten 99udje „Islands 
Kultur ved Aarhundredskiftet 1900" (Kopenhagen, 1902; treibt: „(Sine 
bramatifdje Didjtung ift auf 3&lanb erft im neunzehnten 3ahrt>unbert 
entftanben" (©. 67), unb: „Die erften ©puren ber Ausübung biefer ®unft 
(b. i. ber ©dwufpielfunft) finben ftd) im 93eginn beS neunzehnten ^ahrlmnberts, 
als bie ßögHnge ber 8ateinfd)ule in ihren SBeihnad&tSferien Dilettanten* 
fomöbien aufzuführen begannen" (©. 83).*) 35Me ftdj jebod) aus ben obigen 
Ausführungen ergibt, fallen bie in ben tfyeatralifdjen Aufführungen ber 
9let)f jabtfer Sateinfdjule gelegenen Anfänge ber iSlänbifdjen 
Dramatif unb ©djaufpielfunft feineSmegS erft in ben^öegtnn 
beS neunzehnten SahrljunbertS, fonbern fdjon in baS ganze 
Ie|te Dezennium beS achtzehnten 3<*hrhunbertS. 

93on 1804 bis einfdjliefelia) 1847 gab eS alfo in 8tenfjatrif feine 
©djulfomöbie. hingegen mar nun — toof)l burdj biefe ©piele — audj 
außerhalb beS ©djuIfreifeS bie £uft an bramatifdjen 93orfteHungen ermetft 
loorben. %6n ßSpölin berid)tet, bajj er am SfteujahrStage 1799 „ben ©pielen" 
beim Amtmanne ©tefän ©tephenfen zu £>Dftärt>etIir in ber 93orgarfjaröar*©yfla 
beigemofmt habe ; bod) finb hierunter zweifellos anbere ©piele, tote bie beliebten 
SRingfämpfe (gHmur) u. bgl.zu oerftehen.**) (£S mürben aber nunmehr in SRehfjaotf 
felbft oon ben bürgern unb ^Beamten oon 3ett zu $tit Aufführungen ber oor= 
hanbenen iSlänbifdjen, fotoie bänifdjer ©tücfe oeranftaltet. DiefeS Sntereffe ber 
SRetof jabtfer an bramatifdjen Darbietungen ift immerhin bemerfenStoert; bennSRenf* 
jaotf mar bamalS nidjtS meniger als ein 9J?ufenftfc. (Srrft 1 786 mit anberen §anbelS* 
pläfcen zur „$aufftabt" erhoben, beftanb biefer Ort im Safere 1801 auS ungefähr 
öicrjig Käufern, mooon nur bie Sirdje unb baS 3udjthauS aus ©tein, bie übrigen 
aber auS &olz erbaut maren. 3m erften SSiertel beS 3af)rhunbertS jä^lte 9tebf* 
jabif 300 — 400 ©inmohner, oon benen aufjer ber menig zabjreid&en iSlänbifdjen 
SBeamtenfdjaft unb ©eiftlidjfeit bie übertoiegenbe SRehrzahl auS bäntfttjen föauf* 
leuten unb ^anbelSbebienfteten beftanb. Der gefellfdjaftlidje Don mar benn audj 
bamalS in SRetjfjabtf nid)t fehr fein. Die Dänen gingen alle mit langen Dabafpfeifen 
herum unb fpueften fehr oiet. 3ür geiftige Sntereffen hatten fie wenig ©inn. 
©elbft bie getoöfjnlichften gefeÜfdwftlicfjen Unterhaltungen maren oon primitiofter 
Art. Der engtifd)e Coronet ©eorg ©teuart 9Kadenzic, ber %$lanb im 

*) Sögl. aud) bie hiemit übereinftimmenben 33emerfungen SBaltyr ©uÖmunbSfonS 
in feinem Artifel »Framfarir Islands ä 19. öldini« (EimreiÖin, VI.), ©. 210 u. 213, 
in ber beutfd)en Überfefcung oon SRicharb ^ßaUeSfe („Die gottfehrttte ^lanbs im 
19. ^ahrhunbert", Äattoroifc, 1902, ©. 7 u. 9.) 

**) Sgl. Ölafur Datubäfon, »fslenzkar skemtanir«, ©. 368, 9kd)trag ju 
©. 24, unb bie Saga Jons EspöHns, S. 53. 



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- 16 — 

©ommer 1810 bereifte, erjagt, bafj bei einem oon ihm für bie dornen 
SRebtjaoif« oeranftalteten Säße bie Sanjmufil mit einer einigen fdjledjt* 
geftridjenen ©eige beforgt mürbe, bie oon bem ©erumpel ber halboermoberten 
©eridjt«trommel unb bem ©eflingel eine« oerrofteten Sriangel« begleitet mar. 
Sn ben Raufen gingen audj hier bie ÜRänner mit ihrer Xabafpfetfe im 
Stabe herum unb fpucften babei häufig auf ben S3oben.*) @in anberer 
©ngtänber, (Sbenejer $enberfon, Slgent ber SBibelgefeUfdjaft, äußerte fidj 
über bie ©itten $u föeöfiaütf in feinem Serie »I c e 1 a n d ; or the Journal of 
a residence in that island, during the years 1814 and 1815 (Edinburgh, 
1818), I. Sanb, Seite 376—377 (in ber beutfdjen Überfefeung bon £. fr 
Srancefon, ©erlin 1820/21 I. ZI ©. 393): „$er Zon ber ©efettfdjaften 
ift (in 9te^fjaoif) ber niebrigfte, ben man fidj beuten fann. $a e« ein 
©ammelplafe einer Stojaf)! grember ift, rooöon nur roenige einige (Jrjiebung 
genoffen hatten, unb bie audj bie $$nfel blojj be« ©eminne« megen befugen, 
fo bietet e« nidjt atiein einen traurigen Wnblia* bem Sluge be« retigiöfcn 
Beobachter« bar, fonbern ift überhaupt oon iebem «Wittel geiftiger ®rb,olung 
entblößt. $ie fremben fjtefibenten oerbringen geroöhnlicb ben furjen Sag 
mit Sabafraudjen unb ber Slbenb öerftreidjt unter ftartenfpielen unb 
^unfcbrrinfen. ©« loerben ^mei ober brei ©alle im Saufe be« SBinter« 
gegeben unb aufteilen fübren bie bor jügl idjften ©inmohner ein 
©djaufpiel auf. Sie bebienen fidj ju biefem ©ebuf be« ©eridjt«gebäube« 
(the Court-house) unb nehmen obne Umftänbe bie 93änfe au« ber $omrirdje, 
um ben Langel ber ©ifcpläfce ju erfefcen. ÜBan bat fogar ba« SBeifpiel 
gebabt, ba& ein ^nbioibuum, metdje« am ©onnabenb bi« fpät in bie SRacbt 
in einem ©djaufpiel eine 9Me Durchgeführt, am folgenben HHorgen auf ber 
$an$el in ber (£igenfchaft eine« öffentlichen fiehrer« ber Sieligion erfdjienen ift." 

SBie au« bem Berichte $enberfon« ju erfehen ift, mürben bie Xbeater* 
oorftellungen bamal« im ©ericbt«gebäube, b. i. im £>bergeridjt«hauje oer* 
anftaltet. $>afe in ben erften Bennien be« Sobrbunbert« aud) ab unb 5U 
in ^ribatbäufern tbeatralifdje Aufführungen ftattgefunben haben, ift mir 
nicht befannt, aber mohl anzunehmen, ©päter bat man bann mieberbolt im 
„Sitten Älub" gefpielt. tiefer „SÜte ®tub" mar eine Bereinigung ber 
Honoratioren oon fJceötiabtf, bie fich im 2Birt«haufe ber ©tabt oerfammelten ; 
auch bie berühmten i«länbifdjen Siebter Bjarni Shörarenfen unb ^öna« 
£aflgrim«fon oerfebrten in biefem $tub. 3" biefem 358irt«haufe befanb fidj 



*) 33gl. Mackenzie, Travels in the island of Iceland, during the summer 
of the year MDCCCX. Second edition. Edinburgh, 1812, ©. 92—93, (in ber 
beutfeben Uberfefcung : Steife bureb bie ^nfel $«Ianb im ©ommer 1810. äBeimar 1815, 
©. 118—119.) 



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— 17 — 



ein jiemlid) grofeer Saal, ber für Xanäunterhaltungen unb anberc gefellige 
#ufammentünfte beftimmt mar.*) 3n bemfelben Saale hatte auch fdjon bcr 
famofe bänifdhe Slbenteurer Jörgen Sörgenfcn getankt, ber fich im 3aljre 1809 
für furje 3eit junt ©efjerrfcher 3$Ianb8 aufgeworfen.**) 

$)ie ©orfteüungen in biefer Qtitptxioht roaren bistoeilen befonberä 
intereffant burdj bie HKittoirfung ^ertoorragenber $erjönltd)!etten. So fpielte 
ber berühmte bämjd^e ©praajforfdfier 9laäntu§ S^riftian 91 äff, ber tum 1813 
bis 1815 auf 3 § lanb seilte, furj bor SBeiljnadjten 1813 in ^otbergS 
„Qlaf ob oon %fyt)bo" ben SWagifter SttjgotiuS in ben Kleibern be§ S)id)terS unb 
„S^flumaöur" (b. i. „©ejirfSmann", SBejtrfSöorfte^er) Siguröur ^jeturgfon, 
unb er fanb nach feiner eigenen Sluäfage ben ©eifaÜ beS $ublifmn3.***) <5r trat 
ferner in bem iStänbifdjen (Stüde »Narfi« auf, toie e$ fyeifct in ber Atolle be§ 
bieberen bänifdjen Kaufmannes Talftaeb. Db er auch in bem anberen Stüde 
Siguröur $jetur3fon3, >Hr61furc, ba£ 1814 aufgeführt mürbe, mitgeroirft hat, 
ift nicht fidler befannt.f) 5118 im Sommer 1815 Qfyxtn be§ SyflumanneS ber 
Ärnefö-S^fla, Pöröur Sfulafon XfmrfociuS, unb feiner 2ftrau bie SReQfjaoifer 
gamilien aufeer QJefeUfchaften unb ©allen auch eine 2^eateroorfteflung oeranftal* 
teten, loirftc 9taff „in einer fiiebhaberroüV' mit.tt) 93on ©jarni Xfybta* 
renfen, bem au^gejeiajnetcn islänbifchen Sttrifer, ber oon 1814 bis 1815 
unb bann roieber oon 1817 bis 1819 als proüiforifcher StiftSamtmann in 
9tet>fjaotf lebte, meijj 3fabriöi @inar§fon ju berieten, ba§ er im %afyte 1814 
ben |>rölfur im gleichnamigen Stüde Siguröur $ietur8fon3 gefpielt 
^abe u. 5m. nach Slnfidjt beä 9leofjaot(er SßublifumS gan$ öortrefflidj, ba er 
megen feiner flotten äRanieren für bie Xitelrofle befonberä geeignet erfdnen. 
5Iuch ©enebift ©rönbal hörte, bafc ber dichter in SRetof jaütf ftomöbie gefpielt 

*) ftüd)ler§ ©et)auptung ($ram., S. 67), bafe in ber erften frälfte be$ neun» 
Sehnten 3<*hrbunbert§ au d) „Öffentlich (?) in einem gewöhnlichen 3immer irgenb eines 
$rioatgebäube§" gefpielt roorben fei, ift baher im Sinne be§ bi« Sorgebrachten 
einjufchränten. 

*») ©gl. über ben „Sllteti ftlub" ©enebift ©rönbal in Eimreiöin VI, 
»Reykjavik um aldamötin igoo«) ©. 94—95. (Sine oon $örgenfen felbft herrührenbe 
3etchnung, bie einen ©all in biefem Saale barftellt, finbet fich in 3* 5>ogan§ »The 
convict king«, Sonbon 1891, unb in $6n I>oriel$fon3 »Saga Jörundar hundadaga- 
k6ngs«, Kopenhagen 1892. $er gebier unb ber Xrommler fehlen auch auf biefem 
©übe nicht. 

***) ©gl. ben ©rief SRaffS an ©jarni XhorfteinSfon oom 4. 1814 (in 
Tfmarit hins fslenzka bökmentafelags, IX. ^abrg. 1888, ©. 62. 

f) ©gl. Rasmus Kristjän Rask 1787—1887, fyrirlestur eptir Dr. Björn 
Magnusson Ölsen (in Timarit h. isl. b., IX., S. 17.) 

tt) Fru Th's. Erindringer fra Island. Ved J. Viktor Bloch. RingkjÖbing. 
1845, ©. 130. 



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— 18 — 

habe unb aroar ungefähr in ber 3cit jroifchen 1818 unb 1820. $a$ ©tütf, 
in bem ber SMdjter aufgetreten, ift ihm jeboch unbefannt. 

$üd)ler erjählt, bafj im 3afjre 1815, „mohl um SRaff eine 5««be 
ju bereiten", ein Xeil beS ©toffeä ber alten Örvar-Odds-Saga fjenifd) oermertet 
mürbe, inbem mon ben ®ampf auf ber Snfet ©ämSeti jmifdjen bem SBlutä* 
brüberpaare Öroar*Dbbr unb palmar auf ber einen ©eite unb Angantrjr 
mit feinen elf ©rübern auf ber anberen ©eite nad) ber alten ©aga*) am 
©tranbe oon SReöfjaotf aufführte. $a mir bon einem fold>en ©piele 
im Qafyxe 1815 nid)t§ befannt mar, manbte idj mid) um Mufflärung 
an 3nbriöi @inar£fon unb erfuhr t)on ihm ^otgenbeä: bie längft oerftorbene 
5rau be3 @inar ©aemunb£fon, ber felbft ben Öroar*Dbbr gefpielt, rmbe ihm 
in ben fahren 1867 ober 1868 erjäljtt, bafe eine fotdje Aufführung in bem 
genannten Safjre oeranftaltet morben fei. 9ln bem ©piele ifjre§ 5)?anne3 fei 
auägefefot morben, bafe er, als er ben „toten" £>jälmar auf bie ©djultern tub, 
im ®niegelenf einfnirftc. 9Gun foH aber (Sinar ©«munbäfon um 1805 geboren 
fein; er märe fomit bamate erft c. 10 ^afyxe alt unb mohl faum im ©tanbe 
gemefen, einen crmadjfenen SJcann auf feine ©djultern ju laben, felbft menn er 
babei eingefnidt märe, föücfjler berietet aber auch, bafj baSfelbe ©piel nad) bem 
1827 erfolgten £obe be§ $>ichter$ ©iguröur s ^jetur§fon „um ba3 3ahr 1830" (?) 
mieberholt morben fei. 9ln biefe Aufführung erinnert fief) auch 93enebift ©rönbal 
(geb. 1826), ber barüber in »EimreiÖin«, VI. ^abrg., S. 195, fajreibt: 
„HfteineS (5rinnern§ mürbe einmal am ©tranbe (oon SReofjaoif) ber föampf 
Öroar-Obbö unb £>jälmar£ mit ben ©öfjnen ArngrimS aufgeführt. 2>ie 
©pielcr maren bie größten unb ftärfften ©eeleute oon SRetyf jaotf ; fie Ratten 
feine SßorfteOung oon ©djaufpielen unb man fann fidt) baljer leidjt benfen, 
bafj bie$ eine „primitioe" unb „barbarifd^e" Unterhaltung mar, bie an 
ähnliche s $robuftionen bei ben ©riechen erinnert, alsf biefe fid) nodt) auf ber 
erften ©tufe ber Söilbung befanben." Um 1830 mar (£inar ©a-munb*fon 
ein $Rann im beften Alter, ber jene ftraftleiftung leicht ooflbringen fonnte. 
©3 fdjeint fomit bie Behauptung bejuglid) ber erften Aufführung im Ssafjre 1815 
niajt auf feften ftüfeen ju ftefjen. (£iue bramatijdje SBorftettung fann man 
übrigen^ biefe rohe ißeranftaltuug, bei ber bie „Xoten" begraben, b. h- ©anb* 
hügel über bie „Öeidjen" aufgcfdjüttet mürben, bodj faum nennen. 

Über fpäterc bramatifdje SBorftellungen bis um bie SRittc bes 3ahr* 
hunbert» gibt e3 nur fpärtidje Nachrichten. 3nbriöi (SinarSfon berichtet, bafj 
^mifchen 1837 unb 1840 auch Dc » m ©tiftöamtmanne (Gtouoerneur) oon 

*) Örvar-Odds- saga, cap. 14 (aud) in ber Hcrvarar saga ; Dfll. meine 
Überie&ung biefer Saga : „<Da§ $prftna)dm)ert (Sine altnorbifdjc 3Baffenfage. Jpagen 
unb i'eipjig 1883, ©. 13-1(5). 



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I 



— 19 — 

3Slanb, ®arl ©mit Varbenfteth, bänifche ©tücfe in bänifcfjer ©prache auf* 
geführt mürben unb bct ©tiftSamtmann felbft babei mittDirftc. 2)ie Satein* 
fdjüter fpietten nach ber SRücföerlegung bcr Schute *) nach SRetifjaüif mieber häufig 
in ben SBeihnacfjtSferien, roo bie ©diäter nicht ju u)ren Angehörigen nach 
$aufe reifen fonnten, u. $m. im grofcen, für 40 ©dt)üler beftimmten ©chtaf» 
faate, bem fogenannten »Langaloft«, aus bem bie Veiten entfernt waren. 
$)iefe ©djulaufführungen fanben fogteich ben größten Veifatl ber eingetabenen 
©äfte unb mürben baher oon ben 9tet)fiaütfem mit greuben begrüfct. Über 
bie erfte Vorfteflung, bie im neuen ©dmlgebäube ju SRetjfjaotf ftattgefunben 
^at, berietet jene fdjon öfter ermähnte S^ottj ber 3änner*9cummer 1848 
ber „SRetifjaotfer $oft", bie in mehrfacher ^inficht intereffant unb belefjrcnb 
erfajeint, fo bafj ich ft e anfchliefcenb an bie fdt)on oben ©. 11 — 12 mitgeteilten 
einfeitenben ©äfce ^ier — mit einigen JHirjungen — mitteilen miß. 55er 
mir unbefannte Verf affer (»xyz«) fchreibt: „Auch biefe ©itte (ber früheren 
©chulaufführungen) hat aufgehört. @S ift bteS mohl eher aus bem ©runbe 
gefchehen, meit ben Seuten feine paffenben ©tücfe geboten mürben, — benn 
eS ging nicht an, immer mieber baSfetbe ju fpielen, — als toeil man etma 
ber ©piele felbft überbrüffig geroorben märe. 2)ieS jeigte fich biefen SBinter. 
S'urj oor Weihnachten mürbe ben 2ateinfcf)ülern eine Überfefcung öon Dolbergs 
föomöbie „(SraSmuS 9RontamtS ober SRaSmuS Verg" angeboten. $>ie Über* 
fefcung mar ausgezeichnet gelungen. $ie ©chüler ftubierten baS ©tuet mährenb 
ber SSeifjnachtSferien auf baS ©orgfältigfte ein unb maren für bie Aufführung 
aufs Vcfte toorbereitet. ©ie halten auch biefeSmal, mie fchon früher, mit ber 
©chmierigfeit ju fämpfen gehabt, ba§ ihnen feine SRequifiten jur Verfügung 
ftanben, märe ihnen nicht ber 3ufaU günftig gemefen, bafe ber ©tiftSamt- 
mann**) oerfchiebene ber für biefeS ©tücf benötigten ©erätfdwften befafi unb 
l"ie ihnen aus SBohtmollen für bie ©cfiute vorläufig teihmeife anbot. 3)ie 
Vorftetlung fanb am Abeub beS $reifönigStageS ftatt unb bie ©chüler hatten 
baju io öiele SJtänner, grauen unb l^unggefeflen eingelaben, als im grö|ten 
©chlaffaale Sßlafc finben fonnten. 3u ben ßmifttjenaften ^örte man ben 
©efangSchor ber ©chüler öerfchiebene Sieber auf ber Vühne hinter bem Vor- 
hänge fingen, unb eS mar bieS ein befonbereS Vergnügen" . . . 55ie ©chüler 
fpietten ganj oorjüglich. „Viele oon benen, bie ber Aufführung beimohnten, 
hatten fchon früher bergleichen in anberen Sänbern gefehen, manche auch 
baSfelbe ©tücf, unb bie meiften oon ihnen bürften einig barin gemefen fein, 
bafe bie £arftetlung über alle (Srtuartuug gut ausgefallen ift, bcfonberS menn 

*) Öteftor ber Satcinfcbule mar bamalS (feit 27. April 1S4K) ber ausgezeichnete 
9torbgermantft unb $omerüberfefcer £r. © o e i n b j ö r n ($ g i IS i o n. 
**) ©tiftSamtmann mar bamald Miels OJtotbiaS Wofenörn. 

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— 20 — 



man in üöetracht jiefyt, baft bte ©öteler gan$ ungeübt toaren unb Dergleichen 
früher nie gefehen Ratten. Sßir fjörten oiele SRetjfjaDifcr fagen, baft biefer 
Slbenb ju ihren beften ©tunben ber Unterhaltung jaulte. Auch beroieS fa ber 
©tiftSamtmann burd) bie Xat, bafj biefer S3erfuch ihm banfenämert crfc^tett ; 
benn er fchenfte ber ©d)ule nad) 93eenbigung be§ ©oiele3 afle SRequifiten, 
bie er ihr für ben Slbenb geborgt hatte. Am nächften Abenb föielten bie 
Sateinfehüler abermals unb (üben biejenigen 9Ret)ffaoifer ein, bie am erften 
Abenb nicht Ratten fommen fönnen. @S maren bei 300 9Jcenfchen bort, bie 
fiä) abermals ausgezeichnet unterhielten . . . Söenn e§ aud) ben 2euten 
braufjen auf bem Sanbe bünfen mag, bafj eS für fie roenig mistig fei ju erfahren, 
roomit fid) bie fiateinfdjüler in ihrer freien 3^it unterhalten, fo fcbeint e£ 
bteSmal bod) ber (Srmähnung toert; benn man mar bisher ber Meinung, 
bafj bie Sslänber für bie ©chaufoielfunft nicht oeranlagt feien. 2>te Schute 
hat baoon ben ©egenbetoeiä erbracht, ©ie t)at gezeigt, bafj e3 uns nicht an 
Seuten fehlt, bie gan$ gute ©ct)auföieler merben fönnten, menn e§ barauf 
anfäme. 2>a3 Vergnügen aber, baä auch bie 3$länber an bem ©piele fanben, 
möge ein Öingerjeig für fie fein, berartige Unterhaltung §u pflegen, luenn bie 
©tobt antoächft. ©nblich banfen mir ber ©dwle für biefe ihre S3eftrebungen, 
unb mir hoffen, bafj bieS für bie ©d)üler eine Aufmunterung fein merbe, bei 
bem fo mofjl gelungenen erften Sßerfuche nicht ftehen ju bleiben." 25er Sßerfaffer 
forbert fobann bie dichter beä SanbeS auf, oolfStümlichc ©chaufoiele ju 
fchreiben ; bem einen ober anberen üon ihnen mürbe fcfc)liefjlich bodj ein gute£ 
©tücf gelingen unb „bie§ märe für baS Sott ein grofjer unb bauernber 
©eminn, ba ^teburc^ eine neue $!ichtungäart inS Seben gerufen mürbe, 
roeld)e mir bisher faum rennen gelernt haben unb bie mit ben alten ©agaä aufs 
9cad)fte oertoanbt ift". — ©ine Iobenbe 9coti$ über bramatifche Aufführungen 
ber Sateinfchüler fur$ oor SScihnachten be£ ^affreS 1849 fanb ich in Sfa- 29 
be£ jmetten 3toh r 9 an 9e3 Dcr politischen SRenfjaotfer .Seitung »Pjööfilfur« (üom 
15. Sänner 1850), roo u. a. auch berichtet mirb, bafj ju ben brei SBorftctlungen, 
bie auf einer erhöhten 33üfme (»pallhüs«) ftattfanben, ein fehr ftarfer Zulauf mar, 
unb bafj bie ©djüler oor beginn be£ SdjaufpielS ßieber fangen, bie fie felbft 
jum (fmpfange ihrer ©äfte gebichtet hatten, bann bie ,3mifchenafte mieber burch 
ihren hübfchen ©efong auffüllten unb enblich auch nach ©djlujj ber Söorftcllung 
fich oon ben 3"hörern in fiiebem oerabfdnebeten. — Tiafj in ber 1. $>älfte 
beS 19. 3ahrf)unbert3 (ober fpäter, mie ftüchler ©. 67 meint) in Stegrjatotf 
theatralifche SSorftellungen auch irgenb einem 2Baren= ober ^atflmufe 
oeranftaltet morben feien, ift mir nicht befannt unb auch menig mahrfcheinlich. 

SBon einem eigentlichen Xheatertoefen fann alfo auf 3^1anb auch in Dcr 
erften £mlfte be$ neunzehnten 3ahrl)unbert£ nicht gebrochen merben. @3 mürbe 



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— 21 — 

immer nur bon Dilettanten unb t>or einem eingelabencn 3«^örerfrei« bei 
freiem (Eintritt gefpielt. ©er feenifche Apparat War üon ber primitioften 9trt. 

SRodj fdjlimmer ftanb eS jjeboef) mit ber bramatifchen *jßrobuf tion; 
biefe War fdjon nach ben öfter ermähnten ©dmlfomöbien wieber inS ©toefen 
geroten.*) (5in äfthetifcher 28ert wohnte freiließ auch ben bramatifdjen SBerfuchen 
©eir SBtbaltnS unb ©iguröur s .ßjeturSfonS nicht inne. ©och ift it)nen eine 
nterarfyiftorifcfje Söebeutung nicht abjufprechen, unb bo fie fpäter auch 
ejebrueft erfchienen, fo möge ihrer f^ier noch befonberS gebaut werben. 

©eir SSibaltnS ©tücf »Brandur« ober „©er SRettungSlohn" beftet)t 
nur aus einem einzigen Slfte. ©ein ^n^alt ift folgenber : ©uörun, bie Xoajter 
beS bemittelten dauern SBranbur, liebt ben armen ßnedjt ©uömimbur, fofl 
iebodf) nad) bem Söitten ber @ltern ben reiben Pöröur heiraten. ©a ereignet 
ficf>S, bafe ihr ©ruber 36n, bann Pördur unb ©uÖmunbur, bie mit je 
einem ©djiffe unb ben baju gehörigen ßeuten inS SWeer hinausgefahren finb, 
um ju fifd)en, oon einem furchtbaren ©turmwetter überrafetjt werben, woburdj 
36n in bie größte Lebensgefahr gerät. SBätjrenb ftch aber Pöröur um 3ön 
nicht weiter fümmert, birgt ihn ©uÖmunbur cor bem fixeren Xobc unb 
erhält nun als SRettungSlofm ©uörün jum SBeibe. Söranbur jelbft fpridjt bie 
äRorat beS ©tücfeS auS: „(SS ift beffer, feine Xochter mit einem guten unb 
tüchtigen Spanne ju verheiraten, wenn er auch fl rm ö ^ m ^ einem reichen, 
Wenn er nichts taugt unb feinen guten ©tjarafter befifct." — 9Wan erfieht 
bie ganje Slrmfeligfeit beS ©toffeS unb ber ^anbtung fchon aus biefer 
Inhaltsangabe. Übrigens gibt fidj bie fleine, in fef>r gutem ^Slänbifdj 
gefchriebene Arbeit fo anfpruchSloS unb ift für ben 3wecf, ben ber 2lutor 
mit ihr oerfolgte, fo gut gemeint, bafe eS unbillig wäre, an fie überhaupt 
einen fritifchen äJcajjftab anzulegen. 

SlnberS oerhält eS fich mit ben ©tücfen ©iguröur ^jeturSfonS. 
©iefer wollte als ©ichter**) gelten unb war als foldjer fchon währenb 
feiner jehnjährigen — übrigens mit ©eir üßtbaltn jufammen oerbrachten 
— UnioerfitätSftubienjeit in Kopenhagen aufgetreten, Wo er in ber 
„9?orWegijcr)en ©efeöfchaft", beren heroorragenbfteS SRitglieb ber fatirifdje 
©ramatifer 3- £■ SBeffet war, eine Stolle fpielte. Unb eben als ©ichter hätte 
er auch üon oen bamals in Kopenhagen aufgeführten ©lüden Dolbergs unb 
% 21. #eibergS immerhin recht oiel lernen tonnen. SBie wenig SRufcen er 

*) Sölo&e ©ialoge unb furje Iprifcfcbramatifcbe ©jenen roie 5. 53. ©tfli 
Xh^rarenfenS „ÜWarfüS, ein ©piel in Siebern" (in beffen »Ljöömali«, meofjaoff, 
1885, ©. 16—26) fommen natürlich nicht in Betracht 

**) ÜHan ogl. über ©. ^jcrurSfon meine „3*länbifchen dichter ber 9teujeit", 
©. 275—283. 



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— 22 - 



in 2Birflict)fett au3 Urnen gebogen f»at, erfeben mir au3 feinen beiben, 
aöerbingS, wie berietet toirb, mit gröfcter #aft getriebenen flomöbien, gang 
befonberS au3 »Hr61fur.« 

£er 3nr)att beä breiartigen 2uftf»iele3 »Hrölfur« ift folgenber: $er 
SBauer unb ©erict)tabeifi&er StuÖnn ift ein überaus leichtgläubiger aRenfct) 
unb fott nun ju feinem eigenen ©ctjaben erfahren, metch' fchlimme folgen 
eine foldje (5r)arafterfa9tt)ä(t)e t)aben fann. @r wirb nämlich junächft öon 
einem Sanbftreict}er tarnen« £rolfur befdrtoinbelt, ber, nadjbem er burdt) 
feine ©rofjfpredjerei fct)on 9luöun$ Xoditer Una betört hatte, it)m felber nict)t 
nur roerttofe SBaren ju einem r)ot)en greife oerfaufte, fonbern it)n auct) um 
fein befteS s $ferb betrog, auf bem ber ©auner fobann baS SBeite fachte. 
#rölfur t)at SluÖun aber aufeerbem in bem 2Bat)ne beftärft, bafe ein ihm abfjanben 
gefommeneS @ct)af oon einem benachbarten et)renfeften Kleinbauern geftot)Ien 
unb ftbenbä oortjer gegeffen roorben fei. 2luöun jeitjt nun ot)ne SBeitereS 
feinen Nachbarn biefeS 2)iebftar)t8 unb oerlangt bafür oierfact)en ©rfofc- 
^aburd) gerät er in einen St)rent)anbe(, ber für it)n ben fchtimmften 2tu3* 
gang ju neunten brot)t. !Rur ber freunbfchaftlidjen Vermittlung eines anberen ■ 
9tocr)barn, be£ flugen dauern ©iffur, ber ftuöun auch über ben an it)m 
oerübten 93etrug aufflärt, t)at eS biefer 51t oerbanfen, bafj er leisten Kaufes 
burct) @(t)enfung feiner beften Kalbin an einen armen, eben in größter 9cot 
befinblid)en $äu£ter baoon fommt. Stuöun ift aber burct) biefe @rfat)rungen 
noch immer nid)t geioi&igt. ©eine eigene SKagb ättargrjet ftat)I bie bem 
$rölfur abgefauften SBaren, fingierte, um jeben Verbaut oon fict) abjulenfen, 
einen (Sinbrudt) unb bezeichnete MnbrjeS, ben 8ot)n ©iffurS, als ben Xäter. 
Unb obgleich ©iffur, nact)bem er noct) juoor für feinen 6ot)n um bie #anb 
ber Xodjter SluöunS angehalten, unterrocgS ift, um #rölfur einzuholen unb 
it)m baS erfdntrinbelte ©etb unb $ferb toieber abzunehmen, fchenft er boct) 
ber 2Kagb (Stauben unb läfjt 9lnbqeS fogleich roie einen Verbrecher feffeln. 
X)ie Unfchutb beS Vurfdjen fommt jebocr) atSbalb ju läge, u. 5m. burd) bie 
eigene Unact)tfamfeit ber üftargrjet, bie baS Sftiftct)en mit ben geflogenen 
®act)en auf bem Xifdie ftet)cn tiefe. Snjtoifchen lehrte ©iffur mit bem $ferbe 
9luöunS unb einem Xeile beS ©etbeS jurürf, unb 9luöun fteht nun nicht 
roeiter an, beffen Sohn bie £>anb feinet Xodjter ju geben. — 

»Hrolfur* als — foäterer — Xitel beS «Stüdes ift fehlest gewählt, 
.fjrölfur terfchminbet fchon mit bem erften s 2lfte, unb anbere $erfonen treten 
in ben Sßorbergrunb ber breifach geteilten ^anbtung. »Slaöur og trtigirni« 
b. h- „OJefchmät^ [richtiger 6d)roinbelei] unb 2eid)tgläubigfeit" roar entfd)ieben 
beffer. X)aS Stiitf bürfte übrigens ben Xitel >Hr61fur« erft erhalten hö&en, 
at§ auch f^ on »Narfi« gefpielt morben mar, unb bie Öeute nun meinten, eS 



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— 23 — 

inüffe jebeS ©djaufpiel nach feiner §auptperfon benannt fein. 3n NaffS 
»S^nishom« (ögl. unten) ift baS Stü(f — recht bejeidmenb für feine 
bramatifdje Qualität — nach bem ©erichtSbeififcer Sluöun benannt. 2luS 
bem ermähnten ©runbe jdjeint mohl auch „ber NettungSlohn" ©eir SBibatinS 
erft fpäter ben minber paffenben Xitel >Brandur« ermatten 511 haben. 

Sn gar mancher #infidjt höh« als »Hrolfur« fteljt beS Richters 
^metteS $5rama, baS ebenfalls breiaftige Suftfpiel »Narfi«. Sludj ber $elb 
biefeS ©tüdeS ift ein ©djminbler unb Schürfe, jebodj in ber eleganteren 
©eftalt eine« £anblungSbebienfteten bei einem bänifetjen ftaufmanne. Dbmohl 
ein S^Iänber, fpielt er einen bänifdjen ©tufoer, ber bie SDcanieren ber $änen 
nachäfft, fid> feiner Nationalität fdjämt unb lieber ein fchauberljafteS 2)änifch 
als feine äRutterfpradje fpricht. ®r §at feit längerer 3eit ein begehrliches 
91uge auf Nagnhilbur, bie faum noch ertoachfene Xodjter beS ©crtcbtSbeififcerS 
©uttormur, tneldje fdmn einem ßnedjte ihres SBaterS, bem braoen NifolauS, ber 
fie im ßefen, ©abreiben unb Nedmen unterrichtet, ein falbes (Sljeüerfprechen 
gegeben. @S gelingt Narfi auch burdj ftufcerljafteS benehmen unb lügenhafte 
SBorfpiegelungen uon einem großen ßinfommen ber feinem ^rinjipale Salftieb 
unb beträchtlichen (Srfparniffen bie 3«neigung beS nur für Neidjtum unb 
Slnfeljen eingenommenen 3Räbct)enS ju gewinnen unb er tritt nun ju beginn 
beS ©tüdeS füf>n als freier auf. $er biebere, aber etmaS einfältige ©uttormur 
ift auet) gar nicht abgeneigt, ihm feine Xodjter ju geben, falls er feine 
bänifd>en Sanieren ablegt unb feine Angaben fid) als richtig erroeifen. Unb 
©uttormur fyättt fid) fogar burd) einen ©chminbel mit einem gefälfajten 
3eugniffe unb mit SÖanfnotenbünbeln, bie nur juoberft eine Note, baruntcr 
aber leeres Rapier enthielten, übertölpeln laffen, loenn eS nidt)t Stalftiub, 
bem guten Sreunbe beS ©uttormur unb v #rm$ipat beS Narfi, bem er foeben 
beffen ©teUung bei if)m gefünbigt, noct) im legten Momente gelungen 
märe, ben plumpen betrug aufjubeden. 3n$ttüfcf)en hat NifolauS fünf beuten 
beS $>alffceb, bie auf bem SNeere oon einem ©türme überrafetjt mürben, 
baS ßeben gerettet, unb $alftaeb felber tritt nun mit Erfolg als S3rauttoerber 
für NifolauS auf, bem er eine felbftänbige ©teßung in feinem auSgebcfmten 
©efdjäfte gibt unb ein reichliches StuSfommen jufichert. 

2ßie aus biefen Inhaltsangaben 51t erfefjen, bilben bie beiben Stüde 
©iguröur SßjeturSfonS eigentlich nur SSarianten beSfelben XljemaS : tote 
einfältige SRenfdjen burdj ©chroinblcr übertölpelt merben. Stber nicht nur bie 
^pauptperfonen ber beiben ©rüde, ^prölfur unb Narfi als 33öfemia)te, Sluöun 
unb ©uttormur als leichtgläubige ©ehmnehföpfe, gleichen einanber; auch bie 
nächft biefen im SSorbergrunbe ber ^anblung ftehenben s $erfonen finb biefelben 
Xnpen: fo Una unb Nagnljilbur, bie ihrer Sßäter mürbigen 2öajtcr, loelche 



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— 24 — 

ifjr fdjon an einen braoen, ober fdjlidjten Siebljaber oerftf>enfte$ ^erj gteia> 
roof)l einem anföeinenb tooljlljabenberen unb intereffanteren ©rofefpredjer 
entgegenbringen; ©iffur unb ©alfheb, bie tfreunbe be£ £>aufe§, toetdje bie 
Sdjtoinbeleien aufbeefen unb ba3 broljenbe Unzeit abtoenben; SlnbrjeS unb 
9cifolau3, bie braoen Surfte, nietete nad) 33efteljung fdjlimmer Säf)rlid)feiten 
bod> nodj bie Siebfte Ijeimfüljren. 9lud) bie ©runb$üge ber §anblung finb 
natürlich in beiben Stüden biefelbcn. $iefe Ijaben aufcerbem mannen 3»9 
mit SBtbalinS »Brandur« gemein. So fetjrt j. 95. baä bort üertoenbete 
aRotiü ber Rettung oon äRenfdjenteben au3 fjödjfter Seenot unb mit eigener 
fiebenSgefaljr, tooburd) ber jurüdgefejjte freier einen öeioei« feiner befonberen 
$üdjtigfeit erbringt unb nun erft Gmabe in ben Slugen be3 2?ater3 ber SBraut 
finbet, audff in »Narfi« mieber. 

(Sine befonbere bramatifd)e (£rfinbung$gabe loirb man ba^r Siguröur 
s #jetur§fon {ebenfalls ntd^t nadjjurütjmen Ijaben. 3m Übrigen ift »Narfi« 
bei all feinen — namentlid) aud) tedmifdjen — SJiängeln unjtoeifelljaft baS 
beffere Stüd biefeS $>id}terS. $ie (Sljaraftere finb ganj gut gejeidjnet, fo 
oor allen 9iarfi felbft. ©in bem ©uttormur jur ©rjiefiung übergebencr 
SBaifenfnabe ift cbenfa0S eine trefflid) gelungene braftifdje %icpit. (Sin tjübfdjeS 
iSlänbifa^eS Interieur roirb in einer Sjcne bei jtoeiten SlfteS geboten, too 
©uttormur mit feinen SHnbern bei ber f)äu£lid)en Arbeit oerfammelt ift unb 
9?agnf)ilbur SSerfe remitiert, an meldte bie Übrigen ebenfalls üerfifoierte 
^mproüifatiouen fnüofen.*) 

2BaS uns aber an allen brei Dramen ganj befonberS gefällt, ift ber 
lobenswerte Umftanb, bafj ifjr Stoff bem Ijeimifdjen SBolfSleben ber 
bamaligen &eit entnommen ift unb bafj fie uns bafjer oolfstümliäje 
%\)pm unb ba£ Seben unb Xreiben ber ^Slänber am (Snbe be$ adjtjetjnten 
3»af)rf)unbert3 oor 2lugen führen. Sic fyaben in biefer Jpinfiäjt einen 
bebeutenben *8orjug gegenüber fpäteren istänbifdjen Dramen, bie fagenfjafte 
ober gefctnajtlicfye Stoffe auS ber alten Qtit plante beljanbeln. »Hr61fur« 
unb »Narfi« gefielen benn audj, loie e$ fdjeint, ben iölänbifdjen $uf)örern 
fefyr gut, ba fie, toic mir gefe^en fjaben, fpäter aud) aufeer^alb ber Satein* 

*) Jpolger s lHtel)e (in bet (Einleitung jur bänifdjen Überfefeung beS iSlänbifdjen 
Dramas „Sd)roert unb firummftab" oon ^fabriöt ©inarSfon, @. 4) unb nad) ilmt 
ftüdjler (1>ramatif, ©. 14) bemerfen, baft „Narfi einen äfmlidjen Stoff bebanble, 
roie Dolbergs Jean de France." 2)ie3 ift ntd)t ganj jutreffenb. (*§ bellest roo^l 
eine geroifie 5Ifmlid)feit im ©baratter ber ^Iben, tnbem ftd) ber 3^länber auf einen 
feinen deinen, ber 2)äne auf einen Vollblut - granjofen InnauSfpielt. Übrigen 
ift 9iarfi ein geriebener Sdmnnbler «nb Schürte, fcanS ^ranbfen bingegen ein 
einfältiger unb Iäd)erlid)er, fonft aber gutmütiger $or f ber bie 33raut nur roegen 
feiner blöben 3Ufan)ereien üerliert. 



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- 25 — 

fc^utc jur 9luffüf)rung gelangten unb fogar nodEj im 3at>re 1893 gefpiett 
würben*) 

(£§ ift behauptet roorben,**) ba& ©iguröur $jetur$fon3 „Somöbien" 
gegen ben bänifdjen SaufmannSftanb gerietet feien, ber bamalS auf 3$lanb 
eine bominierenbe (Stellung einnahm unb bie eingebornen dauern wie eine 
niebrigere Safte betjanbelte. $a in ben beiben ©tütfen beä $id}ter£ nur in 
»Narfi« ein bänifdjer Kaufmann eine Stolle fpielt, fann and) nur auf btefeS 
$)rama angespielt fein. |>ier erfd^eint jeboefj ber bänifdfje Saufmann ($)alftaeb) 
als burdjauS nobler ©Ijarafter, ber ben 3$tänber in ber leutfeligften unb 
freunbfdjaftlid)ften SEBeife beljanbelt unb nur eine gemiffe ©orte oon iSlänbifdjen 
JpanbelSbebienfteten tabelt, über bie er fid^ mit f olgenben SBorten auäfpridjt : 
„3u unferer groben ^ßarfljauSarbeit ermatten mir junädjft im 2(flgemeinen 
nidjtS StnbereS als ben 2lu$fd)ufj oom Söauernftanbe, ba£ Reifet : e3 gibt bismeilen 
fotdje Söurfdje, bie ein 93auer nicf|t in feinem $>ienft behalten fann, fei e$ 
loegen Sautljeit, SBiberfe^tta^feit ober irgenb einer anberen fcfytecfjten ©igen* 
fdjaft. (Solche fieute fommen atfo ju un£, unb fie bleiben eine Britfang 
braudjbar, fo lange fie glauben, e3 fdjroebe irrten ber Xamp (Xauenbe, atä 
©trafmerfyeug gebraust) über bem Stopf, toie ein Somet. ^nbeffen gibt es 
für fie bodj ©etegenfjeit genug ju Shiäfdjmeifungen. So, einige aoancieren 
fogar unb üermeljren ifyre ©outiqne mit neuen ßaftern. 2Bir finb bann 
genötigt, tfjnen ben Slbfdfjieb auf grauem Rapier ju geben. 9htn finb fie 
gejtoungen fjerumäutoanbern, menn e3 ifjnen nidjt gelingt, fiaj auf bie eine 
ober bie anbere Slrt bei anberen Sonetten ßeuten im Sanbe einjubrängen, 
unb fiieju finb ein alter ^raef, ein $aar abgetragene ©tiefet, ein bunter 
#ut, eine jerjaufte Sßerrütfe, ein fredjeä ^ßrafjten mit nod) mefjr anberm 
Sram bie gtütflidjften Sttittel. treffen fie einen einfältigen Stfiann, fo f)ängt 
fid^ biefeS Ungeziefer fo feft an iljn mie Kletten. Seine efjrlidje Sirbett fönnen 
fie" u. f. h). (Leikrit, ©. 149 150.) — 

„Hrölfur" erfdjien jum erften äRale gebrueft im 3at)re 1819 u. jro. 
in SR. (£ljr. SRaffS istänbifdjer (£f)reftomatf)ie : Synishom af fornum og 
nyjum norraenum ritum i sundrlausri og samfastri raeÖu. Id est Specimina 
Literaturae Islandicae veteris & hodiernae prosaicae & poSticae, magnam 
partem aneedota (Holmiae. MDCCCXIX), S. 209—255, mit bem Xitel 
»Auöun lögrettumaÖrc. GleÖispil af SigurÖi P6turssyni syslumannij 
leikiö i Reykjavik 1814.C (31., ber ©erid)t8betfifcer. öuftfpiel oon ©yftu* 
mann @. %, gefpielt ju 9tenfjat>tf im 3aljre 1814.) ÜKit »Narfi« unb bem 

. 

*) ßüdjter meint, bafj bie brei Sdmlbramen „fpäter — jebod) faum metjt nad) 
1865 — aud) <$arftellungen oor größeren 3ufd)auerfreifen erfabren baben". 
**) SJgl. $r. Stoltpr ©uÖmunbSfon, Islands Kultur, ©. 51. 



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— 26 — 



„Brandur" <§>eir SÖibalinS*) jufammen erfduen bann „Hrölfur" 1846 im 
^weiten Seite bcr Söerfe ©iguröur ^jeturSfonS, bcr ben ©eparattitel : 
»Leikrit og Nokkur Ijödmseli« (jRebfjaötf 1846) führt unb eine SÖorbemerfung 
beS Herausgebers, fomie eine — leiber nur afläu magere — 93iograpf)ie beS 
EidjterS auS ber fteber beS ©HftSpropfteS Ärni $etgafon enthält. 

Sie erften gebruiften Sramen in islänbifdjer ©pradje finb 
übrigens bie (m>n ftüchter unbeachtet gebliebenen) Äinberfomöbien, roeld&e 
in bem fd)on ermähnten, oon Söifdmf $r. jpauneS ^innSfon in jroei Söänben heraus* 
gegebenen iBoifSbudje „Qvoldvokurnar 1794" (b. h- $te Slbenbunterhal hingen 
für baS Sah* 1794) enthalten finb. 3m erften 1796 ju Seirärgaröar 
erfdjiencnen $anbe biefcS 28erfeS befinbet fid) als Kummer XXIV, auf 
S. 160—193 (Nummer XXI, ©. 96-122 ber ärociten SluSgabe 1848j 
baS einattige ©tücf »Sumargjaf irnar. Gledi handa börnum« (b. h- $ie 
©ommergaben. Unterhaltung für föinber), in roelchem an bie audj auf Sslanb 
übliche Sitte, ben erften ©ommertag burd) 93efd)enfungen ju feiern, eine red)t 
hübfdje unb (ehrreiche $anblung gefnüpft ift. 3)cr jmeite, 1797 ebenfalls 
in SeirargarÖar erfchienene 93anb enthält als Kummer LVII auf ©. 75 — 132 
(Nummer IX, ©. 58—103 ber jmeiten Ausgabe) ein jroeiaftigeS 3>rama 
mit bem Xttef »Göd börn eru foreldranna bezta audlegdc (gute fönbet 
finb ber befte 9?eid)tum ber (Sftern); cS ift, wie jcbenfatlS audj baS anbete 
©tücf, eine Überfefcung. $aS ©tücf felbft befunbet eine geübte bramarifdje 
$>anb, ift überaus fpannenb unb nnrfungSüoü* unb roeitauS beffer als bie 
unbeholfenen bramatifdjen Serfudje ©eir 58ibalinS unb ©iguröur s #jeturSfonS. 

* 

5iuf ©runb bcr bis fejjt bekannten $>aten ergibt fid) alfo bezüglich ber 
Anfänge beS iSlänbifdjen Dramas unb Xt)eatertt)efenS folgenbe 
(£1) ronoloqie: 

Xie ältefte bisher befannt geworbene bramatifd)e Arbeit 
ift »Speröill« oon ©norri ©jörnSfon auS ben Sünfjiger^ahren beS 18. 3aht* 
tjunbertS. 

3m £)f tober 1791 mürben in ber Öateinfdjute ju SRenfjauif bereits 
©jenen auS ßuftfpielcn bargefteflt. 

*) $er Herausgeber ber ©Triften Siguröur ^jetursfon« mar ber auf 3Slanb 
felbft bleute noch allgemein Derbretteten ÜJteinung, bap aud) »Brandur« oon biefem 
dichter oerfajjt fei, unb erfuhr ben matten ©admerbaft erft, als bas ©tücf fdjon 
gebrudt mar, auS ber iöiograpbic ©. ^jetursfonS oon Ami ipelgafon. (*r entfdmlbigt 
fein SBerfeben mit ber (*rn>ägung, „bafe ber dichter felbft biefem ©dmufpiel feines 
ftreunbeS genujj mit ftreuben einen ^Mafc in feinen Sdjriften gegönnt haben mürbe". 
SBgt. aud) Ny F&agsrit, gefin üt af nokkrum Islendingum VII. är (1847) 
©. 191—195. 



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3tmfd)en bcn 3at)ren 1791 unb 1796 ift baS einaftige ©tütf 

»Brandu r« öon ®eir SÖtbalin in ber 2ateinfd)ule jum erftenmale auf» 
geführt roorben. 

3m 3a^rc 1796 fonb in hex Sateinfdmte fd)on eine 2tuffür)rung be* 
2uftföieleS »Hrölfur« öon ©iguröur ^jeturSfon ftatt. 

3m 3al)re 1796 erfdjien baS erfte in iSlänbifct)er Spraye 
gebrucfte $rama (eine überfefcte ®inberfomöbie). 

II. 

2ßie baS X^eotermefen unb bie bramatifche $tcr)tung 3$lanbS it)ren 
Urfprung in ber Ütetjfiaüifer ©d)ulfomöbie Ratten, fo roaren eS — roie 
mir auS ber „SReutjaOtfer $oft" erfehen tonnten — aud) mieber bie erften 
Aufführungen im neuen ©ebäube ber Sateinfdjule ju Stetifjaölf, roeldje aufs 
9ieue, unb biejeS Wlal mit bauernbem ©rfolge, baS 3ntereffe ber 3slänber 
für baS $rama unb baS ßomöbienfpiet ermeeften. ©d)on mit bem Beginne 
ber jroeiten #älfte beS 3«htfanbertS nar)m benn aud) BeibeS einen jmar 
langfamen, aber ftetigen&uffdjmung auf 33lanb, u.jro. junädjft bie bramatifd)c 
^robuftion. 3m 3ah« 1852 erfdjien in SRetjfjaülf ein breiartige« Srama 
»Bönorösförint b. fj. Stuf ftreierSf üfjen, öon bem äRärdjenfammler unb 
fpäteren Pfarrer öon9JioSfeH 9KagnüS©rlmSfon (geb. 1825, geft. 1860), 
baS jeboct) ganj mertfoS ift*) unb bat)er auet) nid)t ausführlicher befprodjen 
ju merben oerbient.**) liefern folgte 1854 eine ebenfalls in SRebfjaötf 
erfdjienene, fct)r gelungene Bearbeitung öon Dolbergs „^olitifdjem ®annegiefeer" 
unter bem Xitel: »Leikrit: Vefarinn meö tölf könga viti. Ütgefendur: 
Svb. Hallgnmsson. H.Johnson«, b. h- „$er2BebermitbemBerftanbe 
öon jroölf Königen. Herausgeber: ©ob. jp. unb£>. £iefe „Herausgeber" 
ober öielmer)r Bearbeiter roaren ber ©eiftlidje, bamalS 9tebafteür ber ßeitfehrif 1 
»Ingölfur«, ©öeinbjöm HallgrtmSfon (geb. 1815, geft. l./l. 1863; 
julefct Pfarrer oon ©Isefibjer), unb ber megen feines SBifceS beftbetannte 



*) Bgl. j. 99. bie Befpred)ung btefeS ©tücfeS in »l»jööölfur« f IV. 3<*h*g- 
(1852), ©. 314, unb ßüd)Ier, Sramatif ©. 18—21. 3>aS ©tuet rourbe gleidjroohl 
fpäter aufgeführt. 2JtagnüS (Shn'mSfon roar fonft übrigens ein recht guter, je&t auf 
3Slanb oiel ju roenig anertannter £>idjter. 

**) ©in im 3at>re 1848 mit bem Sitel »Kvöldvaka i sveit« b. h- Slbenb- 
unterhaltung auf bem äanbe (in einem Bauernhofe), in 9tet)f jaoif gebrudt erfdjieneneS, 
ben Beamten* unb ©eiftlidjenftanb ^SlanbS berabfefcenbeS „©efpräd)" jrotfehen jroet 
Bauern oon bemfelben 2lutor, ber bamalä nod) ßateinfd)üler roar, fann ntd)t als 
2)rama angefehen roerben, roie eS oon ©eiten 36n BorgfirÖtngS (Rithöfundatal, 
©. 120) geflieht. Sgl. »Reykjavikurpösturinn«, 2. $ahrg., ©. 124—126, 139—140 
unb 188—190, unb ßücüjer, Siramatif, ©. 18. 



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— 28 — 



#etgi SönSfon, Kaufmann in Wfureuri, bann Sanbmann oon 

©farfäftaöir in bcr $ala*@?fta (geftorben batb nach 1869). $)er eigentliche 
$lutor ober Bearbeiter foU #elgi 3 ö n3fon gemefen fein, ©oeinbjörn #afl* 
grtmSfon bürfte hauptfäct)lich bie ftitiftifäe Politur beforgt ^aben *) $a$ 
©tücf mürbe auch aufgeführt. 

$ie mit \o grofeem ©rfolge mieber aufgenommenen ©chulfoinöbien liefjen 
aber auch außerhalb ber Öateinfct)ule, in ben gebitbeten Greifen SRettfjaotte, 
bie Suft jur SBeranftaltnng bramatifajer Aufführungen neuerbingS aufleben**), 
unb eS mürbe nun $ugleidj bem Xheatermefen eine höheren Slnforberungen 
entfpreajenbe 9lu3geftaltung unb eine planmäßige Drganifierung juteit. SSon 
grunblegenber Bebeutung mar in biefer $inficht ba3 SBirfen be$ b<* 5 
oorragenben $olitiferä unb (oon 1852—1874) 8iebafteur$ be$ potitifchen 
Blattes „Pjööolfur", 3ön©uömunb«fon (geb. 1807, geft. 1875). tiefer 
oietfeitige 9Jcann fteüte eine Schaufpielgefettfchaft jufammen unb liefe oom 14. 
bis 23. Januar 1854 ein bämföeS ßitftfpiel („Pak!" b. b- ©efinbel) oon 
Xh- Döerffou in iSlänbifcher Überfefcung („Sknll") auf feine Soften junt 
erftenmalc öffentlich, gegen Entrichtung eine« (£intritt§gelbe§, aufführen***), 
mobei auf erhöhtem s 3obium unb mit ftuliffen gefpielt murbe.f) $n ähnlicher 

*) Oberlehrer ©tetngrhuur It)orfteinsfon, ber !pelgi ^önöfon ju feinen 
beften -freunben $äb,lte unb foroobl in tftepfjaui'f als auch fpäter in Kopenhagen 
häu|ig mit ihm oerfebrte, fctjrieb mir, bafe biefer ilmi gefagt habe, er allein fei 
ber Bearbeiter be* Stüdes geroefen. Borgfiröingur hingegen nennt in feinem 
Rithöfundatal, <3. 120, nur «Deinbjöm ftallgrimsfon als %\xtot ber „freien Überfe(jung" 
unb auch Benebift ©rönbal behauptet (brieflich), ba& fein Setter ©oeinbjörn fcallgtt'msfon 
ber alleinige Bearbeiter geroefen fei. Ä ü d) 1 e r ($ram. ©. 21) bejeichnet bas ©tüct 
als „gemeinfchaftltcheä Xrama" ber beiben „Sramaiiter". 2>afe „$)er 3ßeber" auf 
ben ^urijten, s ^olitifer unb SHebafteur $ön (9uÖmunbSfon gemünjt geroefen fei, roie 
Äüdjler a. a. C. 6. 21 unb 23 berichtet, roirb oon Benebift ©rönbal ftart be^roeifelt. 

**) frier füge ich noch bie Bemerfung an, bafj jroifcben ben fahren 1850 unb 1860 
auch bei bem (trafen Eitlen Jörgen Irampe, ber roährenb biefer Seit ©tiftSaint* 
mann oon ^slanb mar, etne Xljeateroorftellung ftattfanb, roobei froftrupS „Abenteuer 
auf ber ftujjioanbcrung", foroie 3. 8. freibergS „$er SRejenfent unb baS £ier" auf^ 
geführt rourben. ftn bem letztgenannten Stüde fpielte ber ©raf felbft ben Cebermann. 

***) Xiefe für bie ®cfd)id)te beS uflänbifcben ZfytateTtvtfmZ roichtigen Daten 
oerbante ich brieflichen Mitteilungen Qnbriöi (SinarSfons unb ^6n Borgfiröings. 

t) 3n „Bühne unb äöelt", ©. 194, febrieb ich auf ($runb einer mir aus 
^ölanb jugefommenen, anfeheinenb authentifchen Mitteilung, ba| man fieb bei biefer 
©elegenheit auch 3 um erftenmale eines erhöhten $obtum* bebient habe. 9tuS ber 
oben <B. 283 angeführten, oon mir erft fpäter aufgefunbenen 9lotij be« »Pj6öölfur« 
oom 15. Jänner 1850 geht jebod) h^roor, ba& auch fchon in ber neuen äateinfdrale 
©nbe 1849 auf einer Bühne mit erhöhtem Bretterboben gefpielt rourbe. 3)er bort 
gebrauchte Slusbrucf »pallhüs« beutet übrigens, roie mir $r. Baltj'r ©uömunböfon 



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— 29 — 

SBeife mar 3$n ömömunbäfon auch noch weiterhin eine Sfteüje tion 3 Q h ren 
hinburd) tätig, unb ba er jroanjig 3af)re lang burd) eingehenbe, in toofyU 
moßenbem Xone gehaltene ©efpredmngen ber einzelnen Sorfteflungen in feinem 
SÖIatt beleljrenb unb aneifemb auf bie Spieler einroirfte unb überhaupt ba8 ©cfjau 
fpielmefen in ben S3orbergrunb beä öffentlichen QfttereffeS riiefte, ift er jum 
©egränberbeS öffentlichen X^eaternjefenS in SRetjfjaotf geroorben *) 
(Jinen begeifterten ©enoffen unb äWitfjelfer bei biefem SBerfe fanb $6n 
©uömunbSfon int Sahre 1859 in bem eben aus Kopenhagen jurücfgefet)tten 
2Kaler unb t$olfloriften ©iguröur ©uÖmunbäfon (geb. 1833), ber 
batb bie ©eele unb ba3 Seben aller bramatifdjen Seranftaltungen in 
Htenfjatiff nmrbe. tiefer befafe — aufeer feiner ©egeifterung für afleä 3$länbtfch= 
Nationale, ber u. a. bie ©rünbung eine* SRufeumS für i31änbifd)e Alter* 
tümer unb bie Einführung einer neuen, gefchmacfoolleren weiblichen National* 
tracht ju banfen ift — eine befonbere SBorliebe für ba3 Xhwterroejen unb 
bie bramatifche Didjtfunft. $atte er boch in Kopenhagen fet)r fleifeig im 
Samilienf reife be§ renommierten ©djaufpielerä SRofenfilbe oerfehrt! ©ein 
3beal auf biefem Äunftgebiete mar ©fjafefpeare; aber auch fu* 27foli6re£ 
Sßfnchologie unb Dolberg* ©atire hötte er grofje 93erounberung, mie mir 
Snbriöi (SinarSfon ichrieb, ber mit bem trefflichen SKanne ^öuftg t>erfcr)rtc. 
@r oeranftaltete bie $>arftettung „lebenber Silbe r* au* ben alten 
©agaS auf ber Sühne, malte bie baju gehörigen Morationen unb bejorgte 
auch bie übrige Auäftattung ber ©jene fotoie bie föoftüme. 3)iefe Xablcau* 
fanben großen Söeifall unb toaren bie erften fjenifchen 3)arfteflungen au* ben 
©aga* (abgefehen tion ben oben ermähnten barbarifdjen Sampffpielen nach 
ber Örvar-Odds saga). ©ie mürben oor unb nach 1860, jeboch nicht mehr 
nach 1865 bargefteöt. 3n gleicher SBeife fchuf ©iguröur auch für bie 
bramatifdjen Aufführungen ben fjenifc^cn Apparat, liefe bie ®oftüme nach 
feinen SBeifungen anfertigen, fajminfte bie ©pieler unb geftaltete über- 
haupt ba* gange ©djaufpielmefen theatermäfeiger. @r eiferte aber auch 
bichterifch begabte junge ßeute jur bramatifchen s #robuftion an unb gab 

t 

fd)reibt, jugleid) batauf hin. bafe man entroeber auch ttulifien ober boch jebenfallS 
innere, bie Sjene umfchliefecnbe Söretterroänbe angebracht hatte, roäbrenb ber 3n>ifd)en* 
räum jroifchen biefen SBretterroänben unb ben natürlichen s IBänben be§ ©aaleä jum 
Antleiben foroie jum Aufenthalte ber ©cbaufpieler, roährenb fic ftd) nicht auf ber 
93ühne befanben, benü&t rourbe. 

*) H ü dj l e r, bem ba§ Saturn unb bie näheren Umftänbe jener Aufführung 
oon Doerffouö »Pak!«, rote e§ fcheint, unbefannt geblieben fmb (ogl. $ramatif 
©. 29), irrt baher, tnbem er (©. 23) meint, baß 36n ©uömunböfon „erft fpäterhin", 
b. h- nach bem Eingreifen ©iguröur ©uömunb«fon§ unb $6n Ämafons in bie 
Xheateroerhältniffe für btefe „oon 93ebeutung rourbe". 



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tynen SBinfe unb föatfdpge bei ifjren Arbeiten. @r idjrieb aud) felbft an 
einem ©djaufpiel „Smalastülkan" (b. I). girren möbdjen), ba« jmar in 
üieler $infid)t unboHfommen mar, aber bodj manche gute Anläufe entgolten 
Ijaben fofl; eg blieb jebodj unöoüenbet unb ungebrutft.*) ©iguröur 
©uömunbgfon büfete julefct fogor fein Seben im $ienfte beS 33}eatettDefend 
ein. (£r malte 1873 bie Shiliffen ju ^nbriöi (SinarSfonS „#öf)fenmänner" 
in einem großen eifig*falten ©aale unb fmlte fic^ babei bie Äranffjeit, an 
ber er 1874 ftarb.**) 

Sin ber (Seite ©iguröur ©uömunbäfonS, mit bem er bie Siebe junt 
einljeimifd)en 2$oIf3tum teilte, fpornte auf feine SBeife aud) ber 93ibliotf)eiar 
ber bamalS „©tiftsbibliotfjef" genannten SanbeSbibliotfjcf in 9teijfjaüif, 
Sön Arnafon (geb. 1819, geft. 1888), ber in weiten Steifen beftbefannte 
©ammler islänbifdjer SßolfSfagen, «Ücärdjen, föätiel unb ©piete, jur Pflege 
be§ ©d)aufpielroefenS unb ber bramatifdjen £id)tung an. ©r mar tum 
1867—1879 audj Snfpeftor unb nod> länger SBibfiot^efar ber Sateinfdmte 
unb betrieb atö foldjer bie häufigere SSeranftaltung bramatifd)er SBor= 
fteüungen; ben 35idjtern ber ©djule aber empfahl er, ooltetümlidje ©toffe 
$u mahlen unb au$ bem reiben 93orn $u fdjöpfen, ber ibnen fdwn 1852 
burdj bie Heine, oon ibm unb bem oben ermähnten SDtagnüS ©rtmSfon 
herausgegebene 2üt§maf)l bon „fslensk atfintyri" (b. b. 3*Iänbifa>rordjen), bann 
aber burtf» feine grofee, 1862 unb 1864 ju ficipjig in 2 Söänben gebrutft 
erfduenene Sammlung t>on SBoltefagcn unb Üftärdjen (Islenzkar [)jöÖsögur 
og a*fintyri. SafnaÖ hefir Jon Ärnason) erfdjloffen mürbe.***) 

@anj im Sinne ber SBeftrebungen biefer beibeu Limmer, menn aud) 
oon iljnen nidjt bireft augeregt, mar benn aud) ein fünfaftigeS ©djaufpiel, 
„Ütilegumennirnir" b. f). mörtlid) : £te draußen lieg er, baS einen bereits 
ermahnen unb bidjtcrifd) hochbegabten fiateinfchülcr, namens SDcatthtaS 
SodjumSfon (geboren 1835), ©of)n eine* dauern unb ©emeinbcüorfteherS 
au§ bem 9iorbmeften 3*lanb£, ftitm SBerfaffer t>attc. $ie)er aJcatthiaS, ber 
babeim ©d)afe gehütet unb audj fonft in ber fianbmirtfdwft mitgeholfen, 
bann fid) einen SBinter in ftopenbagen jur (Erlernung be# £anbel£ auf* 
gehalten fyatte, mar im Jperbft 1859 nach Sienfjaüif gefommen unb 

*) 3$gl. Minningarrit eptir Sisurö GuÖmundsson, niälara (£Kcofjat)if 1875), 
8. 6 unb 10; Andvari, XV. ORenfjaoif 188»), 6. 10; Frjettir frä Islandi 1873 
Wemvit 1874:, ©. 32, unb Fr. frä Islandi 1874 ffltcnljam't 1875) ©. 51. 

**) ^rioate Mitteilung wem ^nbriöi Ginarafon: »gl. ba*u Minningarrit ©. 9 
unb Andvari ct. a. C. 

***) 3untet|t nad) prinater Mitteilung oon ^nbrifti (*inarsion: über $6n 
Ärnafon ngl. im Übrigen ^älmi ^älsfon in Andvari XVII. S. 1—26 unb $r. 3lön 
fortelöjon im Arkiv för nordisk filologi, V. (Ny följd 1), ©. 297—302. 



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- 31 - 

*' 

hier megen feiner fdwn anberloärtd ertoorbelten Sßorfenntniffe gleich in 
bie britte klaffe ber 2ateinfcr)ute aufgenommen loorben. ffir mar befonberä 
an $6n Ärnafon empfohlen unb fam in baäfelbe £>au3 in Quartier 
unb ®oft, mo biefer unb ©iguröur ©uömunbsfon fpeiften. $)a3 Xtfch* 
gefpräch breite fidj fyiex natürlich jumeift um bie SiebUngSibeen unb 
S3eftrebungen ber beiben SRänner, unb bie iSlänbifdjen SSoltefagen mit ad 
ihrer poetifch s mr)ftifchen 9tomantif unb itjren bramatifd)en Sßotioen lagen 
bafjer in biefem häßlichen §eim fojufagen in ber 2uft unb nahmen ben 
©inn beS phantafiereichen, poetifch=fchn)ärmerifchen SRatthfad gefangen, 
©iguröur ©uömunbsfon fprad) auch oft feljr oertraultcr) über feine ^been 
mit bem für biefe ^eimattit^e SRomantif überaus empfänglichen Xtfd^* unb 
£au8genoffen. 3m näcr)ften ©ommer begleitete bann ber junge ÜKann als 
^olmetfdj jmei engtifchc £luäfer unb burdjroanberte mit it)nen freuj unb 
quer bie ©ebirge. Unter ber mächtigen 9lachföirfüng ber 9catureinbrücfe 
biefer 9tejfe, oon benen fein ftopf unb fein $>crj erfüllt maren, fafjte er 
of)ne frembe Anregung — toeber oon feinen genannten ©önnern, noct) 
burd) ein titerarifcheS Sßorbttb*) — bie ^bee ju feinem $)rama unb fdjrieb 
biefeS auch in einem SWonat (jumetft in ben $Beifmad)t3ferien 1861) nieber. 
(£r bat feine beiben Xifdjgenoffcn toof)t um Stufflärungen in ncbcnfäc^lic^en 
fingen toie j. 93. über bie 2eben£gctoof)nl)eiten u. bgl. ber „25raufeentieger" unb 
teilte ihnen aud) bie einzelnen ©jenen mit; ba$ ganje ©tücf jebocr) tjörten 
auc^ biefe crft, als e$ auf ber für biefen SBinter (b. h- für ein paar 
2Bocr)en) im alten £ötet improoifierten S8üt)ne einftubiert unb im Februar 
beö baranffotgenben ^a^red aufgeführt mürbe, ©iguröur ©uömunbafotrö 
Anteil an bem ©tücfe befielt rjauptfäd^Iic^ barin, baft er bie glän$enben 
Äuliffen matte unb ba§ ©tücf auch fonft auf ba3 SÖefte auSftattete, inbem 
er ßoftüme, SBaffen u. bgt. fclbft anfertigte ober nach feinen eingaben \)ix* 
ftetlen tiefe.**) 



*» Äüchler oermutet ($ramatif S. 24 u. 27), baß bas SHicf „ftofflid) iüo^I 
einer auälunbifchen Ouetle, roabrfcheinlich einer oon "DtarroatS 9iooel(en, entnommen" 
fei. 2>er Xicbter fetfaft fdjrieb mir hingegen einmal, er tonne fidj abfolut nicht baran 
erinnern, baß ihm bei ber Aufarbeitung biefeS Dramas ein frembeö 3$orbilb oor 
2tugen aefdnoebt habe; unb follte er frembe üRotioe babei benüfet haben, fo fei bieö 
ganj unberoufct gefchehen; baffelbe bürie er auch oon feinen übrigen bramatiiehen 
ftompofitionen behaupten. 

*•) «rieilidje Mitteilung be§ dichter«; ogl. auch »Ütilegumennirnir« 6. VI. 
@§ entfpricht baher roohl niebt gam bem ©achoerhalte, roenn St ü cht er (Dramatit 
©. 24—25) bemerft, bafe bem dichter „bei ber ©eftaltung namentlich ber ftaupt» 
perfon bes 'Stüde«, beS WäuberlmuprmanneS ofugga ©oeinn", bie Söinfe ©iguröur 



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— 32 — 

$em erwähnten £>rama liegen bie fpejififaViSlänbifchen SBotfSfagcn oon 
„$raufeenliegern" ©runbe. @o nannte man in ber älteren Seit 
SBerbredjer, bie nach bem ©efefce in bie 2lcht getan, b. h- oerbannt unb für 
öogelfrei erflärt morben maren unb bafjer in bie 2Bilbni« entminen, ©päter 
gab man biefen tarnen auch Seilten, bie, um einer ©träfe ju entgegen, in 
baä toüfte innere Sälanb« flüchteten unb fjier roie jene teil« oon gifdjfang 
unb 3ogb lebten, teil« burch Staub ihr 2)afein ju friften fugten unb ba* 
burd) ju einer $lage ber ihrem Aufenthaltsorte benachbarten öejirfe mürben, 
ftrüh^itig ^at man aber ba« SBort auch föon allgemeiner jur 93ejeia)nung öon. 
9läubern ober SBegelagerern überhaupt angemenbet. Dbtoohl e& nun auf 
3«tanb längft feine „Eraufeenlicger" mehr gibt, leben fie in ber $olf«fage 
boef) noch immer fort unb biefe hat fie im ßaufe ber 3eit mit allerlei roman* 
tifchen 3ü0en au«geftattet. 51(8 ©runb be« „$raufcenliegenS" toirb gewöhnlich' 
eine ©efchmifterehe angegeben. $)ie 3>raufeenlieger felbft fann man in jmei 
Kategorien Reiben, nämlich in folche, bie au« Surcht üor föntbeefung ein 
möglichft ftiüe«, heimliche« 2eben führen unb baher ungefährlich finb, unb 
folaje, bie fiaj ju einer 93anbe oereinigen, einfame föeifenbe überfallen unb 
berauben, ©ct)afe, SRinboieh unb s ^ferbe ftehlen, Einbrüche begehen, grauen* 
jimmer entführen unb felbft ju äRenfchenfreffern merben. $er h«mKche 
Draufjenlieger hat gewöhnlich eine Xocbter, bie oon einem gremben, ber 
beffen Unterfchlupf entbeefte, geheiratet mirb, u. bgl. m. 3Jcef)rere ©agen laffen 
biefe ßeute fogar oft ihre eigenen Pfarrer unb ©yflumänner hoben, £au«anbacbt 
unb ©otteSbienft halten, u. f. to.*) $Bon folgen „$)raufjenliegern" nun u. jtt>. 
oon einer räuberifchen SBanbe hanbelt ba« $rama 9Katthta« ^ochum«jon«, 
beffen Säbel jeboef) auf freier (Srfinbung be« dichter« im ©eifte ber iöolte* 
pbantafie beruht. 

®er Schalt be« in ben Slnfang be« fünfzehnten ^ahrhwobert« oerlcgten r 
urfprünglid) oieraftigen, erft ipäter (boch fetjon in ber erften gebrueften Slu«* 
gäbe) um ben jefeigen erften 2lft oermehrten ©tücfe« ift, nach Der Slfteinteitung, 
ber erften gebrueften 2lu«gabe (1864), fotgenber: 1. 21 ft. Qmi ©tubenten 
ber fiateinfchule ju £><5lar entbeefen auf einer SEßanberung oon einer Seifen» 

©u8munb§fon§ „getotf* oon grojjem klugen geroefen" feien. 9?ad) ^nbrtöi (£inar3fon 
foll übrigens bie ad)tjeilige Strophe »Sjööum og sjööum surnar i glyrnum» u. f. to. 
(Ütilegum. ©. 58), bie in ber -»Neubearbeitung be« ©tücfeS entfiel, oon ©iguröur 
©uömunbäfon gebid)tet fein. 

*) S3gl. ftonrab 9Jtaurer, Qelänbifche SJolfsfagen ber ©egemoart oorroiegenb 
nach münblicher Überlieferung gefammelt unb oerbeutfdjt, (&tp$ig l** 60 - ©• 5240 bi« 
275) unb üflarg. ßet)mann*5ilhe3, ^ölänbifdje SJolföfagen. 3lu§ ber Sammlung oon. 
3fön Ärnafon auSgeroählt unb au$ bem 3§länbif<hen überfefet. 91eue $olge (33erlin- 
1891) ®. 115—230. 



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— 33 — 



höhe auS bcn Unterfd)tuüf oon „$>rauf}enliegern" in einet $öhte. ©ie toerben, 
ba fic nicfjt unbemerft blieben, öon jioei SHitgliebern ber aus oier ^erfonen 
befte^enben ©anbe toerfolgt, entfommen ober noch rechtjeitig. 9luS bem 
3nriegefprädje biefer beiben ®rau|enlieger erfeljen mir, bafj ber eine, ftetiÜ, 
ein toenn auch feiger, boa? blutbürftiger Übeltäter ift, toährenb ber anbere, 
Ögmunbur, an bem $>iebs= unb SRäuberhanbtoerfe fid^ nur gelungen 
beteiligt. 9tocf) bem SBeggange ®etilS fommt baS jüngfte üttitglieb biefer 
99anbe, flcamenS £>aralbur, ber unter feinen ®enoffen aufgemachten ift unb 
ben ber #äuoling ber Xraufjenlieger, ©fugga=©beinn (b. fj- ber ©Ratten» 
ober fefttnarje ©oeinn), feinen ©ot)n nennt. Ögmunbur, ber #aralbur fd)on 
öon beffen ftinbheit an bie meifte gärforge angebeihen liefe unb ifjn nach 
feinem ©inne ju einem braoen unb frommen Surften er$og, ift auch jefct 
noch fein Vertrauter unb beibe ^egen nur mehr ben einen SBunfdj, frieblich 
unter ben anberen äRenfchen $u leben. 2)ie ©djönheit ber Sanbfdwft unten 
im $ale, toenn bie ©onne untergeht, bie ©efdjäftigung ber öeute im freien, 
bie er fo oft oon ber $öhe aus beobachtet, ber $lang ber fördfjengtotfen, 
ber au§ ber ^erne ju ihm brang, bie anbädjtigen SDtenfchen, bie er jum 
©otteSbienfte loaflen fat>, bieS SllleS §at £aralbur mit unbezähmbarer ©efjn* 
fudjt erfüllt, ein gleiches fieben unten im Xate ju führen. Unb bann noch 
(SineS: er f)at — toie er Ögmunbur toeiterS mitteilt — ein aftäbchen oon 
ba unten fennen gelernt, baS fidj auf ber ©ud)e nach islänbifdfjem SOtooS 
oerirrt ^atte; eS ift Äfta, bie Xochter beS ©erid>tSbeififcerS ©iguröur oon 
bem SBejirfe, in beffen Bereich ber Aufenthaltsort biefer ftraufienlieger 
gelegen ift; unb fic Ratten fich feiger öfter gefeljen unb auch heimlich 
oerlobt. — 2. 31 !t. $)ie beiben ©tubenten fudjen ben ©^flumann beS 
33ejirfeS, SaurentiuS, auf, um ihn oon ihrer Sntbetfung in Kenntnis ju 
fefcen. 93eoor fid} biefer baf>eim einfinbet, treiben fie lange ßeit hinburdj 
ihren ©djer^ mit beffen ^ienftmäbajen unb entlaroen hierauf einen tauberer, 
ber fich für einen ©dn'tler ber „fchloarjen ©djule" ausgibt unb jtoei ein* 
fältige dauern befduoinbeln tooflte. ©obann berichten fie bem mittlertoeile 
erfdnenenen ©^flumanne oon ihrem Abenteuer unb erbieten fid), an ber 
Verfolgung ber $raufjentieger teilzunehmen. — 3. 91 tt. 2)er dichter führt 
uns nun üor bie &öfjte ber $raufeenlieger, n>o mir enbtid) ben gefürebteten 
Häuptling ©fugga=©oeinn fennen lernen. @r fdjärft eben feinen ©peer, 
mährenb er Verfe oor fich lu'nmurmelt, in benen er fid) feiner ÜHorbtaten 
rü^mt. 3n einem längeren ©elbftgefpräche brüdt er bann Unjufriebenheit 
mit feinen ©enoffen aus, oon benen Setiü if)m mohl treu ergeben, aber feig 
unb ttntft fei, Ögmunbur unb £aratbur jebod> längft ein oerbächtigeS 
benehmen gegen it)n an ben Xag legen. 2)iefe beiben fotlen barum auch 

3 



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bei Gelegenheit au$ bem SBege gefchafft merben ober gleichzeitig mit ihm auf 
bem ©algen Rängen. @r befpridjt fich fobann über biefe $inge mit ßettü, 
bem er auch fein ©eheimnte über #aralbur mitteilt: er fei nämlich 
in eine ©djmefter be§ jefcigen ©yflumanneS fiaurentiuä oerliebt gemefen unb 
habe, als biefe bann mit einem ©tubenten au« bem ©Iternfjaufe entfloh unb ba£ 
$aar nicht afl$utt>eit oon feiner £>öhle Aufenthalt genommen, ben ÜJtonn 
erfchlagen unb ba3 bon ihm geliebte SEÖeib in feine #öhle gefchlepöt, mo fie 
alSbalb biefen $aralbur gebar unb ftarb. ©fugga-©oeinn unb ftetiU 
entfernen fich fobann üon ber #öf>le, morauf fich an berfelben ©teile 
Ögmunbur unb £>aralbur einfinben. £aralbur erzählt, ma£ er fürjlich 
©eltfameS geträumt f|abe, unb Ögmunbur beutet ben $raum baf>in, bafe fie 
nun bafb alle gefangen merben mürben; ©fugga=©oeinn unb &etiH mürben 
ihre oerbiente ©träfe erleiben, $aralbur aber unb üiefleicht auch er felbcr bie 
t5rreit)ett erlangen; £>aralbur mürbe überbteä auch feine Siebfte $um SBetbe 
erhalten. 2>er junge 2)raufjenlieger begibt fich hierauf ju einem ©tellbichein 
mit Äfta, bie mit ihren Angehörigen auf 9J?oo£fuche ausgesogen ift unb nicht 
meit oon ^ier übernachtet. ©fugga=©üeinn, mieber jurüefgefchrt, legt ftd) 
fd^tafen unb es erfcheinen ihm Xraumgeftalten, bie ihm fein nahes (5nbe 
anfünbigen. darüber ermaßt er Ijöd^ft beunruhigt unb eS bauert auch n ^ 
lange, fo merben bie brei 5)rauBenlieger üon SaurentiuS unb feinen Seuten 
fomie ben beiben ©tubenten überfallen unb nach furjem Kampfe gefangen 
genommen. — 3m 4. Slfte führt uns ber dichter auf ben „9JcooSberg" (in 
milb*romantifchcr islänbifcher £ochgebirgSgegenb), too ©iguröur unb Äfta 
mit einem Knechte, einem alten gichtbrüchigen SBeibe unb beffen jungem Snfel 
ben $ag über 9JiooS gefucht haben unb nun — cS ift bereits Mbenb — in 
einem Seite übernachten motlen. $n ben langen ©cfprädjen, bie fü er ü& er 
allerlei ISinge geführt merben unb jum Seile lebhaft an bie Sieben ber beiben 
ftinber in 3önaS JpallgrimSfonS üftooeflenfragment „Auf ber ÜKooSfuche"*) er» 
innevn, mirb auch Dc ^ SBorfommenS oon ^raujjenliegern gebad)t. Afta 
erfuubigt fich bei ihrem 93ater beforgt um baS ©djicffal, baS biefen ßeuten 
beöorftehe, menn fie gefangen mürben, unb jeigt fich f c $ r betroffen über bie 
ihr erteilte AuSfunft, bafj fie alle gehangt merben foflen. ÜJiachbem ©iguröur 
bem &nechte aufgetragen, oon 3eit ju 3cit oor bem 3cltc Umfchau ju Raiten, 
ba bie Suft hier gerabe megen in ber 9iät)e haufenber $raufjenlicgcr nicht 
rein fei, jiehen fich aüe jurücf, um ju fcf)lafen. $a erfcheint ^aralbur unb 
balb barauf fommt Afta aus bem ßeltc unb eilt in feine Arme. Jparalbur 

*) 2Jal. meine „^ölänbifchen dichter ber 9teujeit", ©. 367—379; fogar bie 
©age oon bem gefpenftigen „©her beö £t)orgeir" f ber feine gefchunbene §>aut nach' 
fchleppt, fchrt hier im 3>rama tuieber. 



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erffärt, nicht mehr ju feinen ©enoffen zur ücf auf ehren, er Will in'S %a\ htnab 
unb ÄftaS 2ftaun Werben. 2)aS Stöäbdhen Warnt if)n bor ihrem SSater. <£r aber 
glaubt an feinen Xraum, will fidj freiwillig gefangen nehmen laffen unb 
roirft bat)er aud) fein ©djwert oon fid). $urch baS ©efpräch ber ©eiben 
aufgewedt, ftürmen ©iguröur unb fein Unecht aus bem Belte unb ergreifen 
#aralbur. — 3m testen 2tfte wirb über bie ©efangenen ©eridfjt gehalten. 
©fugga*©oeinn benimmt fict) beim Verhöre frech unb ungeberbig; Beritt 
ift fleintaut unb fürchtet fich bor bem Xobe; beibe aber wollen, bafj 
auch $aratbur unb Ögmunbur gleich ihnen auf bem (Slatgen enben, unb 
belaften biefe burch lügenhafte Angaben. ©d)on fdjeint auch alle, trofc 
AftaS Beteuerung, bafj $aratbur menigftenS unfchutbig fei, baS gleite £oS 
treffen ju fotten, als in einem alten $rotofolte ein 93rtef gefunben wirb, 
ben £aralbS SKutter furj oor ihrem £obe gefdjrieben unb Dgmunbur fdjon 
früher einmal bei einem SSefannten eingeschmuggelt r)atte. 5)iefer Söricf 
enthält bie fdjon oben mitgeteilte 2lufftärung über bie £>erfunft beS föaratbur 
unb ^at jiir Sotge, bafj foroor)! biefer wie auch ögmunbur freigefprod^en werben 
unb £>aralbur aud) Afta jum SBeibe erhält. ©fuggas©beinn unb S'etiH jebodj 
werben ber oerbienten ©träfe zugeführt unb enben auf bem ©algen. — 
@S ift beinahe fetbftoerftänblich, D °fc bem bramatifchen (SrftlingS* 
Werfe eineS ©tjmnafiaften auf ^Stanb bon einem r)öt)eren Sfunftwert nicht 
bie Siebe fein fann. 2>aS ©chaufptel, baS am beften als ein SßolfSfiüd mit 
©efang ju bezeichnen wäre, täfjt benn auch i n S9cjug auf Sompofition ber 
£>anbtung unb Öfonomie beS Dialoges fo ziemlich 9WeS ju wünfchen übrig. 
$>er $etb beS ©tüdeS, wenn bieS ©fugga=©beinn fein foü, was alterbingS 
burch ben |>aupttitet ber fpäteren Neubearbeitung unzweifelhaft gemacht wirb, 
greift in bie §anbtung gar nicht ein. 9Son feinen früheren Untaten, feiner 
tragifchen ©chulb, falls gemeiner Staub unb äftorb als foldje bezeichnet werben 
fann, erhatten wir nur nebenbei einige Kenntnis. SSeber ihm noch feinem 
ähnlich gearteten ©enoffen ^etitt fönnen wir baher irgenb ein höheres ^ntereffe 
entgegenbringen, $aralbur unb Ögmunbur aber finb woht fnmpathifcr)e 
Naturen, bagegen feine ttwifchen $5rauf$enlieger. £en eigentlichen Hauptinhalt 
beS ©tücfeS bübet benn auch viel mehr bie ßiebeSgejchichte jwifchen .fjaratbur 
unb Afta als baS öeben unb treiben ber 5)raufjenlieger. $>cr bünne Saben 
ber £>aupthanb(ung wirb bon aUcrtei nebenfächlichen, nur jur Söeluftigung 
bienenben ©pifoben überwuchert. (Sin fchwerer fytytT ber föompofition ift eS 
auch, öfl 6 bie Ööfung beS bramatifchen ®onftifreS fdjon früher oerraten unb 
bie fommenben ©reigniffe burch Sräume angefünbigt werben. StnbererfeitS 
Wirft baS ©rüd burch feine echt botfSmäftigcn Xtipen unb mancherlei braftifdje 
©jenen recht unterhaltend $a eS aufeerbem einen beliebten einheimifchen 

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— 36 — 

©agenftoff auf bie SBütjnc bringt, Diel ßorif enthält unb überhaupt üon einem 
ftarfen bidfjterifd)en $aud) burd)roef)t ift, fo bürfen mir unS nidfjt nmnbern, 
bafe eS bem auf bem ©ebiete ber bramatifdjen ^ßoefte wenig üermöfjnten 
©efdjmade beS iSlänbifdf)en ^ublifumS öoüauf entfpradff unb bei feiner 
Stuffüljrung grofeen ©eifau* erntete, tiefer äufeere ©rfotg ift bem ©rüde aud/ 
meiterf>in treu geblieben. „Tie Traufeenlieger" finb $um SieblingSbrama ber 
^Slänber gemorben, baS uon oflen islänbifd&en ©tüden nidfjt nur auf !3Stanb, 
fonbern audj in ben islänbifdjen Kolonien in (Janaba (9torbamerifa) toeitauS 
am öfteften — mofjl einige Rimbert 9Kafe — aufgeführt mürbe unb beffen 
©prad)e, Tiftion unb ©tü fidj ben Seuten fo fefjr eingeprägt tjat, bafj eine 
grofee 9tnjaljl öon ©äfcen unb SReplifen barauS jum Eigentum beS ganjen 
SBolfeS gemorben ift. 

TaS Trama ift in ber angegebenen Saffnng 1864 ju föetyfiaöff als 
S3uc^ erf<$ienen („Ütilegumennirnir", VIII + 112 ©.); fpäter f)at eS ber 
Tidfoter einer jiemlid) bura^greifenben Umarbeitung unterzogen unb in biefer 
ftorm 1898 neu herausgegeben unter bem Xitel „Skugga-Sveinn eöa 
Ütilegumennirnir" (VIII -f- 145 ©.).*) Tie neue Bearbeitung ift ber erften 
5(u§gabe gegenüber in monier £inftd)t entfdneben Derbeffert. ©fugga*©öeinn f)at 
hier menfdjlidjere ßüge erhalten unb ift meljr in ben SBorbergrunb ber ^anblung 
gerüdt, aflerbingS nur infomeit, als er nun bei bem ©^flumanne felbft einbricht 
unb biefen bann nod) jum heften ^ält. Gr unb ®etifl enben aud) nidjt auf 
bem ©atgen, fonbern geben fidf) felbft ben Tob in ben Sßeflen eines na^en 
StuffeS. ©fugga*©oeinn ift audj fonft etmaS beffer dwrafteriftert. (Sbenfo 
entfprict)t jefct baS 6r)araTterbitb beS Ögmunbur mefjr bem XtjpuS eines 
TraufeenliegerS. TaS ganjc ©tüd erhielt überbieS einen neuen, unb jroar 
fnapperen unb tfjeatralifdjeren ßufdfmitt. Tie Monologe mürben gefürjt, 
manche ©jenen luftiger ober fonft roirffamer geftaltet, bie früheren SRauljljeiten 
gemilbert ober ganj befeitigt, furj: baS ©tüd mürbe funftgered>ter gemalt 
unb oerfeinert. (Sin gutes Trama ift eS beSfjatb nodj immer nidjt, unb 
überbieS l)at cS feine urfprüngtiaje ftrifdjc unb Urmüdjfigfeit jum großen 
Teile eingebüßt unb ift matter gemorben.**) — Xrofo afler SJiängel bitben aber 
3D?attf)i'aS ^odmmsfonS „Traufjenlieger" bodj ben SWarfftein für bie 

*) GS ift ber 3nl)alt bieier Neubearbeitung unb nidjt ber ber erften 2lu3gabe 
be$ Tramal, ben 5t ii et) I e r in feiner „Tramatif" ©. 25—27 mitteilt. 

**) ffite füfelid) unb tinbifö ift 3. 38. bie ©jene jrotfdjen ©iguröur unb feiner 
boeb fdjon ^eiratsfäbiflcn Todfrter Äfta (im 3. Auftritt beS 1. WfteS, ©. 8—9), tuo 
biefe bitten roill, bafc fte aud) mit auf bie ajlooSfudje geben bürfe, ber SSater aber 
ibre s -öttte erraten foll. ©iguröur fragt fte u. 91. : ,,!Hta« rotUft Tu, liebet ftinb ! . . . 
Sßiaft Tu etroaS babcnV . . . SiMUft Tu Suder. . . ober einen ©^iUrngV 



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— 37 — 



neuere islänbifche $ramatif. ®iefeS ©tüd ift nicr)t nur baS erfte 
oon fremben SBorbilbern ganj unabhängige islänbifche ©rarna gemefen, 
ionbern ^ot aud) ganj aufcerorbentlidj auf bie ^Slänber gewirft unb baburd) 
Anbere $u bramatifchen ©djöpfungen angeregt.*) 

SBtr ^aben bent CrrftlingSbrama ÜKattljtaS 3toct)umSfonS auS ben oben 
ermahnten Itterart^iftorifc^en ©rünben eine ausführlichere 93efprea}ung gewibmet, 
als feinem fünftlerifchen SBert fonft jufommen mürbe, unb wollen uns 
junächft wieber etwas fürjer f äffen. 

Aufcer Matthias ^odmmSfon üerfuchten burch bie beiben oben 
genannten ÜJcänner aufgemuntert, nodt) anbere Poeten ber öateinfdmle auf 
bem ©ebiete ber bramatifchen ftiajtfunft. Stiftjän 3^nSfon, ber tion 1864 
bis 1868 bie £atcinfd>ule befugte,**) SBalbimar iBriem, ber oon ber ©cf)ulc 
1869 abging, unb Rön ÖlafSfon, ber bie ©djule 1868 oerliefe — äße fpäter 
als ßnrifer ^odt)i3efc^ä^t — fdjrieben Stüde, bie roor)l in ber ©dmle öfters 
aufgeführt würben, jebocr) ohne jegliche literarifche SÖebeutung waren. 9cur 
^nbriöi ©inarSfon braute eS ju einem (Srfolge mit einem breiartigen 
©djaufpiel, „Nyärsnöttin" b. h- $i c SReujahrSnacht, baS in ben 
Dfterferien 1870 gebidjtet, am 27. 2)ejember 1871 junt erften 2Kale 
aufgeführt unb 1872 $u Afurenri gebrucft würbe. 5)er junge, 1851 geborene 
$)id)ter War 1866 in bie Satein jchule gefommen unb h aiie noch in biefem 
3ahre einer Stufführung ber „$)raufjentieger" beigewohnt, bie auf ihn — wie er 
mir felbft geftanb — einen mächtigen, unauSlöfcr)tichen ©inbrurf machte unb wollt 
aua) erft feine Suft an bem Xljeaterwefen unb $u eigenem bramatifchen ©Raffen 
erwedte. (5r wirfte bann bei allen Aufführungen ber ©d)ute mit, wo 
bamalS ©rüde oon Dolberg unb ben oben genannten älteren Sateinfdjütern 
gefpielt würben, unb gab wegen feiner (leinen ©eftalt immer äRäbdjenrotlen. 
@r lenfte auch balb bie Aufmerffamfeit ©iguröur ©uömunbSfonS auf fich, 
ber ihn ju bramatifchen Arbeiten aufmunterte unb in bie Siegeln ber bramatifchen 
Slompofition u. f. w. einweihte.***) — Sind) ber „9ieujahrSnacht" liegen 

*) fcolger SBiebe fchreibt in ber (Anleitung jur bänifchen Überfefeung oon 
3fnbriÖi ©inarSfonS ©cbaufpiel „©djroert unb Ärummftab" ©. 4, ganj unrichtig, 
„baS erfte islänbifche ©cbaufpiel oon einiger 93ebeurung" fei ^ftbriöi (ftnarSfonS 
„SReujahrSnacbt" (ogl. unten) geroefen. 2)iefer Irrtum entftammt roohl nur ber 
falfdtjen Angabe (ebenbort ©. 5), bafe bie erfte Ausgabe ber „2)rauj5enlieger" im 
3tat)re 1886 erfcbienen fei. 

**) ©in btalogifierteS ©cberjgebicht »Biölarnir« (b. b. bie freier), baS jebocb 
nicht als $rama gelten fann, foroie ©efänge aus oier ungebrudten ©rüden oon 
ffr. 3. finb in bem Verbuche (»LjdömaH« 1872, 2. Aufl. 1890) biefeS Richters 
abgebrudt 

***) ^9rieflic^e Mitteilung Stobrtöt (SinarSfonS. 



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ljeimifdje SßottSfagen &u ©runbe, u. jw. Sagen üon bem unfidjtbaren Dreiben 
ber ©Iben in ber SBeibnadjtS* unb 9JeuiabrSnad)t im freien wie in ben 
menfd|tid>en ©efmufungen. 3<5n, ein Stubent unb Sof)n beS Säuern 
©uömunbur liebt ©uörün unb null |ie heiraten. @S entfielt iljm jebod) ein 
Webenbufjler in bem SBÖfemicbte Porlähtr, bem eS gelingt, bie ©erfto&ung 
3ön8 aus bem #aufe fetner ^ie^ettern burdjjufefcen. Da greift bie ©Ibenfönigin 
ein unb burdj biefe übernatürliche Vermittlung, mobei Porläfur in bie £>änbe 
ber ©Iben fällt unb oon biefen mit 2Sat)nfinn gefdjlagen roirb, fommen bie 
Siebenben mieber jufammen unb iljrer SSerbinbung ftct)t nichts metjr im SBege. 
(Sgl. bie ausführliche 3nf>altSangabe bei £üc$ler, Dramatif, S. 31—33.) 
Das Öeben ber ©Iben ift jumeift red>t gut gefd)ilbert; aber eS fe^lt aud) 
nic^t an ©ntfteOungen beS *8otfSglaubenS. DaS Drama befunbet bereite baS 
biefem Diopter eigene ©efüt)I für ©üljnenroirffamfeit, toeift febod) au|er 
geringer Sorgfalt in ber Ausführung ber Arbeit überhaupt auch mancherlei 
bramatifaje ©ebreeben auf (tauge äRonologe, atfju häufiger SBechfel beS Schau* 
plafceS u. bgl. ; ein 93rief fpielt auch ij\er bie entfajeibenbe 9tofle). DaS unter* 
haltenbe Stütf mit feinem neuen (Stoffe unb trod)äifdjen 93erjen fanb lebhaften 
33eifatl unb mürbe 70 — 80 SM auf ^Slanb unb in (Sanaba gefpielt. 

Wort) in ber ßateinfdjule frx)rieb 3nbriöi ein anbereS fünfaftigeS Schau* 
fpiel, „Hellismenn" b. f). Kohlenmänner, baS ebenfalls eine „Draußen* 
lieger* *Sage behanbett unbftarf an ÜRattfjtaö 5o<h um 3fonS „Ütilegumennimir" 
erinnert. Diefe £öhlenmänner finb a^tjeJjn (Stüter ber Domfchule ju |>olar,*) 
bie megen eines aus Übermut begangenen Verbrechens in bie SSilbniS 
entflogen, tt>o fie bann in ber befannten „SurtShöhle" ihren Unterfdjlupf 
Ratten.**) $lud» in ben „Hellismenn" ^anbelt eS fidj um bie Vefämpfung 
ber räuberifchen Unholbe unb um baS SiebeSoerhältniS jmifdien einem 
SBauernmäbchen unb einem £öhlenmann. ® a 9 c Wtft enthält ieboeb 

feine bramatifd>en ÜEßotiöe. Die eigentliche grabet beS Stüdes ift öom Dichter 
frei erfunben unb bot folgenben ^ntjalt. (Sin SBauerSfoljn ju ®almanStunga, 
namens ©uömunbur, ber ftdj in bie Vanbe ber £>öf)lenmänner ^atte auf* 
nehmen taffen, um beren Dun unb treiben rennen ju lernen, öon ihnen 
jeboeb febr fajtimm befjanbelt mürbe, entfliegt aus ber $>öble, unb fein ganjeS 

*) Da bie §>anblung nad) Eingabe beS Did)terS „fpät im 14. 3abrl)unbert 
oor fid) gebt," bie Domfcbule ju Jpölar jebod) erft nad) ber 9Jtittc beS 16. %a't)x* 
bunberts (1553) gegrünbet mürbe, liegt ^icr ein arger SlnacbroniSmuS oor. 

**) 3*gl. biefe auf ^Slanb populärfte unter allen Draufcenliegerfagen — bie 
fogenannte Hellismanna saga — in ÜWauterS „^fölänbif^e SolfSfagen ber ©egenroart", 
6. 269—275, unb $6n ÄrnafonS »fslenzkar (jjöösögur og aL-fint^ri«, II. 58anb, 
6. 300-304. 



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- 39 — 

Streben ift nunmehr borauf geridjtet, bicfe Banbe ju oernia)ten, teils aus 
!Rad)e, Ijauptfädjlta) aber auS ©Ijrgeiä, um eine bominierenbe Stellung in 
feinem KeimatSbejirfe ju erringen. $ljm jur «Seite ftef)t ein treuer frreunb 
unb ©enoffe, ein junger Surfet namens ©unnar. SBegen ber Unentfc^Ioffcntjctt 
unb Seigljeit ber $ur SBefämpfung ber #öljlenmänner aufgebotenen dauern 
gelingt eS biefen tro$ jtoeimaliger guter ©elegenljeit nidjt, tljrer #err ju 
roerben ; toof|l aber fonnte ©unnar eine folaje Sßrobe feiner Xapferfett geben, 
bafe ©uömunbur in bent öiel jüngeren greunbe einen gefäfyrtiajen SRioalen 
erblitft unb befajliefjt, if>n aus bem SBege ju räumen. Um bie Sauern ju 
einem energifdjeren 93orgef>en anzutreiben, enttoirft nun ©uömunbur einen 
teuflifdjen $lan, ben er aua) ausführt. @r ioeife, bafj feine s #flegefcf)töefter 
©uörün, bie er felbft heiraten tooflte, einen $öl)Ienmann namenS (SKrtfur 
liebt, unb erfährt audj Oon einem ©tettbicf)ein, ba$ beibe oerabrebet. ^ribtm 
er nun ©uörün Oorfpiegelt, bafj er ifjr jur 3Iud)t mit (Sürifur oerfjelfen 
toofle, überrebet er fie, ju biefer 3ufammenfunft in SDfännerfleibung unb 
mit vermummtem ©eficfjte ju erfdjeinen. $ie$ gefduefjt. Slber mit ©uörün 
finbet jidj aud) ©uömunbur in Begleitung jtoeier gebungener ©efeden ein, 
gleich biefen oermummt, unb madjt ©irifur glauben, bafj er oon feinen 
$öf)lengenoffen überrafd)t unb angegriffen toerbc. ©irtfur erfriert nun ©uörün, 
bie er für einen £öf)lcnmann fjält, toirft baS ©djioert oon fid) unb entfliegt. 
$a nun baS ©djtoert als ©rtfur gehörig erfannt toirb, jiefyen bie f)öd)ft 
erbitterten Bauern fogleid) unter 5tnfüf)rung ©uömunbS unb ©unnarS jur 
Befämpfung ber £>öf)lenmänner auS, bie ifjnen nunmehr gelingt, nad)bem fie 
jene im ©dfolafe überrumpelt unb ber oon iljnen abgelegten Staffen beraubt 
fjaben. SJhtr ©unnar null nicr)t einen toaffenlofen 9Wann befämpfen unb fyänbigt 
baljer bem ©egner beffen — feljr gefürd)teteS — ©düoert ein. ©leidjtooljl 
befiegt er ifm; aber aud) er felbft mirb ferner oerrounbet, jebod) üon rücf» 
roärtS unb oon feinem ber £öf)lenmänner . . . £iefe finben aDe ben Xob bis 
auf (Sirtfur, ber entfommt unb balb barauf als SKöndj oerfleibet mit ©uömunbur 
jufammentrifft, if)m feine Berbreajen oor Stugen Ijält, fonft aber fein Öeib jufügt. 
3n tiefer 33efd)ämung unb gemartert oon ©etoiffenSbiffen ob feiner ©djanbtaten, 
bleibt ©uömunbur allein auf ber ©jene jurütf, unb hiermit idjliejjt aud) baS ©tütf. 

@S bebarf feiner weiteren Söorte, um baS Unnatürlid)e in ber 
oerbredjerifdjen £>anblungSroeife ©uömunbS unb in ben Umftänben, unter 
benen bie (Srmorbung ©uörünS erfolgt, bejonberS auSeinanberjufe^en. 2)iefe 
Unnatürlidjfeit in ber $abel bilbet aua) bie ^auptfcfjioäc^e beS XramaS. 
3m Übrigen ift bie t^eatralifd^e üftactye nia^t fajle^t unb eine Slnja^l oon 
©jenen ganj roirfungSood. 31utf) treten bie Kohlenmänner jelbft toieberfiolt 
in ben Borbergrunb ber ^anblung unb bie ^eroorragenberen (fc^on aus 



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— 40 - 

ber ©age toof>lbefannten unb öo(tetümlidjen) Xnpen unter ihnen finb roman* 
tifdEj unb intereffant, fo if>r Anführer „SSalnaftaffur" (b. b- £nod>en= 
rod, meit er ein ©etoanb aus ftnödjeln trägt, fo baß tyn fein (£ifen an* 
greift), bönn „ftjögramafi" (b. h- ber S3icrmännerftarfe), Sirtfur u. f. ro. 
s tluä) baä Seben unb Xreiben biefer uerroegenen Draußentieger, bie fid^ 5. 33. 
ntcf>t freuen, im s }lngefiä)te ihrer geinbe ber Stoffe in ®alman8tunga 
beijutoohnen, toirb un§ lebenbig oor Slugen geführt. SSon ben ^Släitbern 
fetbft mirb am meiften bie faloppe Spraye be$ ©tüdeS getabett; fehlest 
ift aber auch ba§ Metrum ber oieten, für ein ooltetümlicheS ©tüd, baS bie 
>Hellismenn« boa) finb, roenig paffcnben gefpreijten ißerje beä Dialoges 
(fünffüßige Jamben, oft u. jro. fehlerhaft mit fünffüßigen Srodjäen gemifcht.) 
$)od) aua) tccbnifche Langel finben fia) barin genug, namentlich eine aflju 
große, ermübenbe breite, 5U (ange Monologe u. bgl. mehr. Die »Hellismenn« 
mürben juni erften ÜJcate im 3ahve 1873 unb noch 15 3ftal ($ulefct im 
Sahre 1894) in SReufjaDif, jomie 4—5 9)cal in (Sanaba aufgeführt unb 
haben auf ba$ Sßublifum einen ftarfen ©inbrud gemacht. 

@ine tnirftiaje literarifdje SBebeutung fann bieten ©tüden aJcatthiaS 
3odmm3fon£ unb ^nbriöi (SinarSfonS trofc il)rer äußerlichen Erfolge nicht 
juerfannt werben, ftnbriöi (SinarSfon befennt felbft, baß feine beiben erften 
©tüde roobl „in ^öegeifterung, aber niefrt mit Söefonnenheit" gefdjriebcn roorben 
feien. (S$ maren eben Ötomnafiaften Dramen, unb man muß fich nur 
rounbern, baß e3 ben ©chülern geftattet mar, öffentlich aß ©chriftftetler aufzu- 
treten. Über biejen auch i e fc* ™fy beseitigten Unfug hat fid) Senebift ©rönbal 
im Saljre 1870 mit folgenben Sorten auSgefprodjcn : „63 ift un$ oon anber» 
roärtS als föeüfjaotf fein «eifpiel befannt, baß ©ebüler afd Scbriftfteller unb 
bamit als ßebrer be3 SolfeS auftreten, bcöor fie bie ©djute oerlaffen Imben."*) 

Sir loerben un3 mit ber fiterarifefc * bramatifchen Xätigfeit 9Jcattf)tas> 
SodmmSfonS unb ^nbriöi (SinarSjonS fpäter noch ausführlicher $u befchäf* 
tigen haben, motten jeboch öorerft ganj furj ber gebruetten Stüde einiger 
anberer Dramatifer gebenfen, bie nun ba unb bort auftaud)ten.**) ©ic finb 

*) Oefn, I. giahrg. ©. 7; über bie gleiche Ungcbörigfeit in ber ©egenroart 
ogl. benfelben s 2lutor in Eimrdftin, VI. Jahrgang, ©. 79. 

**) ^öenebift ©rönbal« ariftoprjanifc^e jftomöbie Gandreiöin, b. b« 
Der Iperenritt (186ij), 00m dichter nur ironifd) alö „Xrauerfpiel in oieten s 2ltten" 
bejetchnet, roie auch bie in bramatifcher ^orm ben lob unb bie Üöiebergeburt ber 
norbifchen ©öfter behanbelnbe Dichtung Ragnarökkur, b. i. 2)ic ©ötter 
bämmerung (1868) besfelben Joelen tonnen troß ihrer bramatifchen fyorm füglich 
nicht als 2>ramen angefehen roerben. ©te roaren oon !öau§ au^ nicht für eine 
fjenifche 2)arfteltung beftimint unb baber auch nicht nach bramatifchen üRegeln abgefaßt. 
SKan »gl. über biete, beiben Dichtungen meine ^slänbifchen Dichter ber^Jeujeit, ®. 431. 



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41 — 



fämtftd) titerarifd) bebeutung§lo§, ober bod) immerhin beadjtenäroert als 
#eugniffe für ba§ nunmehr aud) außerhalb SReöfjaoite erroact)te 3ft s 
tereffe an ber bramatifdjen $id)tfunft unb an tfjeatratifdjen Aufführungen 
auf 3&fanb. 

$a ift gunä$ft ein toeitereS $)raufjenliegerftücf $u oer$cichnen, „Sig- 
riöur Fyjafjaröarsol '■• b. h- ©tgriöur, bie ©onne be£ (Snjafjöröur 
tion bem Sauern 91 ri ^önSfon (geb. 23. attärj 1833). $aS fünfaftige 
©dhaufpiet (gebrueft ju Afureori 1879) behanbett bie SolfSfage oon ber burd) 
$raujjenlieger entführten reiben Sauerntod)ter ©igriöur in ber Sanbfdwft 
©bjafjöröur (im Sforbüiertet S^tanbä), toetc^c jugleich bie fajönfte öon allen 
2Beibern mar unb beSfjalb bie „©onne oon (Süjafiöröur" genannt tourbe .*) 
$)er $id)ter läfet aber gleichzeitig aud) ©Iben in bie £anblung eingreifen 
unb operiert nod) mit fonftigem SotfSabergtauben ttrie Serjauberungen 
unb ©agegeift (äKaurer, ^Slänb. Sotfcfagen, ©. 94). $en ftorboierttern 
3«Ianb« gefiel biefe aud) reic^tict) mit Serien auSgeftattete $ramatifierung 
it)rer heimifa)en Sotfäfage fet|r gut, unb ba$ an fid) mertlofe ©tücf lourbe 
tmeberhott, foroor)! auf 38lanb nrie aud) in Sanaba, aufgeführt.**) — 
tßdll ^önSfon, jefet Sol§fa)ullehrer unb Siterat in Slfurcöri (aua) fein 
fd)techter Sijrifer), oerfafete eine Hngafyl bramatifdjer Arbeiten, oon Denen 
jebod) nur eine gan$ nnbebeutenbe SHeinigfeit, ein in einem ftauffaben 
fptelenbeS einaftigeS ©ingfpiel in Serfen „Strykiö", b. b. $cr ©trid) (ben 
itämlid) ber Sauf mann in feinem S'ontobudje über bie ©djulb eines ftunben 



* Sgl. bie betreffenbe Sage in &hmann?tfilh6§' Überfefeung: ^dlänbtfdje 
SolfSfagen, «Reue ftolge, ©. 146—158, ober 33. Stalle, ©in ©ommer auf 3§lanb 
(Berlin, 1900) ©. 195-201. 

**) Son 2lri Qönsfon, einem fcljr tüchtigen Säuern, ber nur 3U feinem 
s lkioatoergnügen ©rüde fd)rieb unb felber roeber al3 ©d)rtftfteller nod) als 
dichter gelten und, ftnb aufeer biefem ©tüde fotoie ben jroei oon $üd)ler 
ermähnten nicht gebrudten nod) anbere, Don &üd)ler nid)t beamtete, aufgeführt 
roorben, fo: »Oddur«, »HermaÖur og Helga c (2)cr Strieger unb &.), »ViÖ M^vatn« 
(Seim ÜJtyoatn[*©ee]). ftüd)ler befprid)t aud) jroei ungebrud te ©tücfe (»Yfirdömarinnc 
unb »Hallur«) eine§ anberen bäuerlichen 3)ramattferS, 9Ramen§ £6ma§ ^önSfon, 
unb behauptet, fte feien bisher nicht aufgeführt roorben. 2öie mir jebod) 
Sorgfiröingur gelegentlich mitteilte, rourben Tie oft »fram i Eyjafiröi«, alfo ju 
©runb, ©aurbaer u. f. ro. unb bteroeilen aud) in 9lfureuri gefpielt; ogl. aud). bie 
3ettung »Stefnir« ( s 2ttureuri), III. 3ahrg. 1895/96, ©. 23, roo, roie auf ©. 11, ber 
bamalS fd)on oerftorbene Serf affer oon »Yfirdömarinn« Xömaä ^önasifon, Sauer 
auf §r6aröftaÖir, genannt rotrb. OJcattbfaS 5|od)um§fon behauptet jebod), bafe ber 
3Rann %. ^önöfon geheißen habe; er fei fpäter roeit fort gejogen unb bürfte um 
1870 geftorben fein. 





I 



— 42 — 

madjt) gebrucft erfdjienen ift (föeafjaoit 1892).*) — £allbör ©riem, 
Sefjrer an ber föeatfdmte ju 2JcoÖruoeair, münzte in „Herra Sölskjöld" 
(Wfurenri, 1892) eine politifd)e ©attre in braraatifdjer gorm auf einen ©qflu* 
mann mit 23e$ief)ung auf eine in $anne£ ginn^fonö SSolfäbud) „Kvöldvökur" 
befinblidje ©r^tung oon einem Ijerumjieljenben ©ettelfungen, bet in einem 
©tafle eingefdjlafen mar unb träumte, baft er plöfclid) ein großer unb reidjer 
#err nnb (Mieter geworben fei, bann aber mieber im ©tafle erluadjte. 2)ie 
Slrbeit ift literarifdj mertloä.**) 93iet beffer ift bemfefben Slutor ba* 1901 in 
9tet)fjaüif erfdjienene bramatifdje (£f)arafterbilb be§ „Ingimundur gamli" 
(b. f). ^ngimunbur ber 9llte), gelungen, tiefer ^ngimunbur n>ar 
einer ber erften SBefieblcr 3$lanb§ im ftorbtanbe unb tiefe fidj mit feinen 
ßeuteu im SktnStale (in ber £ünaüatn§=©yfta) nieber. *8on if>m ^anbett am 
au3füf)tlid)ften biefdjöne »Vatnsdiela sagat***). $er Eidjter Ijielt fidj fet>r genau 
an ben 93eridjt biefer ©aga unb Ijat fteflentoeife fogar einzelne ©ä&e au3 ben 
bort enthaltenen ©efprädjen unoeränbert übernommen. Sngimunbur mar ein 
aflju gütiger unb nadjfidjtiger 97tonn unb büfete bafür fein Seben ein. $er 
blutige $ob be$ gelben unb bie blutige föadje an bem Übeltäter bitben bie 
ipauptmomente ber fonft roenig bewegten unb loenig bramatifdjen $anblung. 
$a$ fernige, aber im ©an^en bod) alljufnaüp geratene ©tücf ift im Übrigen eine 
red)t tyübfdje fleine Slrbeit, menn aud) al§ Saga=3)rama oon (einem Selang. 

©etjr beadjtenäroert finb jioei ißolteftücfe be3 Kaufmanns Porfteinn 
©giUfon, beren ©toff bem länblid)en (Memeinbelcben auf 3i3faub entnommen 
ift (®üdjler ging mit Unredjt oljnc SnbaltSangabe über fie fjimoeg). $a3 eine ©tütf, 
^Prestskosningin", b. lj- 35 ic ^farrerStoa^l, ©djaufpiet in brei Sitten 
(SReofjaoi'f, 1894) ift eine ©atire auf bie Unjufömmlidjfeiten, bie baä neue 
$farrertoal)lgefe$ mit fid) bradjte. früher ernannte ber 33ifdjof getoöfjnlid) 



*.) 9lud) oon $ad 3°n$fon fmb außer »Strykiö« unb allen brei oon 
Äüdjler aufgejagten unb ungebrudten ©lüden (»Saklaus og sUegur«, »Skjaldvör 
tröllkona« unb «Happiö«)> rote mir ber Slutor fdjreibt, nod) anbere (fünf) auf* 
geführt roovben, nämlid): »Ekki eru allar ferftir til fjar,« b. b- Glicht aüe 
franbelSretfen finb einträglich (3 s ilfte) ; > Jeg vil ekki giptast,« b. f). ^d) rotfl nid)t 
betraten (1 Ulf t) ; »Fööurlands elskan,« b. f). $ie SaterlanbSliebe (2 Sitte); »TäriÖ«, 
b. b- $ie Iräne (2 Sifte), »Slüftriö.« b b- $as ©eicbroäfe (1 3lft). 

**) Sgl. aud) bie 3eitung »Noröurlj6siö t (Slfureori), 3abrg. 1*92, ©. 4. — 
5ln berfelben ©teile toirb über jroet anbere 2>ramcn §allb6r SriemS, »Villan og 
brekkirnirc unb »Bönoröiö«, berichtet, oon benen baei lefetgenannte in ben 9leujabrS= 
ferien in ÜJiöÖruoellir jur Aufführung gelangte, ftüdjler enuäljnt feine« oon beiben. 

***) Sgl. bie treiflidje beutfdje Überfe&nng biefer ©aga oon 2)r. ^>etnridj oon 
i*enf: „SatnSbala faga", b. i. bie ©efdndjte ber iöcioobner be^ Sßatn^bal (auf 
3«lanb) um 890-1010 n Gbr." OleclamS Unioerfalbibliotbef 3035, 3036.) 



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— 43 — 



bcn mürbigften ©emerber ; je$t mirb uon ben ftimmbereßtigten SRitgliebern 
ber ju einem ^farrfprengel gehörigen ©emeinbe jumeift Derjenige Sunbibat 
gewählt, ber mit ber Doßter beS mafjgebenbften ©emeinbemitgliebeS oerlobt 
ift ober biejem anbere perfönliße Vorteile ju bieten oerfprißt. %n bem 
Stürfe ^anbe(t es fiß um einen folgen mit allerlei unlauteren SJittteln 
geführten SBahlfampf jmeter ©emeinbemataboren, aus bem ber jufänfttge 
Sßroiegerform beS einen nur mit einer Stimme SRajorität als Sieger fyeroor* 
geht. Unb biefe eine Stimme f>at er mittelbar einer frepierten fßedigen üuf) ju 
uerbanfen. — Das jmeiteStürf, „Ütsvariö", b. 1). Die kommunal [teuer 
(in ben iSlänbifßen 3et t ungen <*uß „Sveitaütsvariö'% „Utsvarskseran" unb 
„S^slunefndin" genannt), in brei Slften (Sleqfiaotf, 1895), ljat folgenben 
Inhalt. (Sinem rooljlhobenben ©auern, $6n, ift oom ©emeinbeauSfßufj bie 
Slrmenfteuer um 10 fronen erhöht morben, u. 5m. jufolge eines in reblißfter 
$lbfißt gefreuten Antrages eines anberen begüterten 93auern, Samens ©eir, 
beffen Sof)n bie Xoßter 3önS heiraten foOtte. SBegen biefer Steuererf)öt>ung 
ift nun %6n gerabeju läßerliß aufgebraßt unb gegen ©eir fo feinbfetig 
gefinnt, bafj er auß oon ber |>eirat ber jungen Öeute nißtS mehr toiffen 
min. DaS gejpannte SßerhältniS jnnfßen ben früheren Sreunben fußt nun 
ein anberer, Heiner Sauer, ber für feinen tölpelhaften Sohn um bie Xoßter 
3önS freien unb aufjerbem ein unlauteres ©elbgefßäft maßen mößte, ju 
feinem Vorteile auSjunüjjen unb reijt beSljatb burß lügenhaften Dratfß %6n 
noß nußr gegen ©eir auf. Da jeboß auf %6n$ (Sinfßreiten ber 93ejirfS= 
auSfßufj bie Steuererhöhung annulliert, fommt 3ön mieber $ur Söefinnung 
unb föhnt fiß mit ©eir aus. Die falfße ftreunbfßaft beS Dritten mirb 
entlarot unb bie urfprüngliß geplante $eirat fommt nun rafß juftanbe. 
Der Sßmerpunft beS (mieberholt aufgeführten) Stüdes liegt im jmeiten 
Slfte, in bem bie Sifcung beS 93e$irfSauSfßuffeS oorgeführt mirb. ©inige 
Dtypen unter ben $luSfßufemitgliebem finb gan$ föftliß. Der Dißter h Qt 
überbieS ben guten fönfall gehabt, 51t biefem 2lfte eine Variante 511 oerfaffen, ■ 
bie abmeßfelnb mit ber anberen Raffung 5U fpielen ift. Seine Slbfißt, bie 
Dätigfeit ber istänbifßen 53ejirfSauSfßüffe unb ähnlißer ©emeinbeforpora* 
tionen $u parobieren, ift ihm reßt gut gelungen. 3m Übrigen finb beibe 
Stüde öiel $u arm an £>anblung unb aH$u reiß an Sieben. — 

2ßir tehren nun mieber ju SJiatthtaS SoßumSfon $urüd, ber 
bis auf bie neuefte Seit ber SieblingS-Dramatifcr ber ^Slänber geblieben 
ift. 2Jtatthia§ ^oßw^Sfon, jefct 68 ^ahre alt unb refignierter $aftor, h at 
fiß, feitbem er bie Öateinfßule uerlaffen, einen bebeutenben SRuf als einer 
ber beften Surifer ^SlanbS ermorben (man ogl. meine „^Slänbijßen Dißter 
ber SReujeit", S. 440—444 unb 460—466, roo auß bie biograpbjjßen 



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— 44 — 

Säten über biefen trefflichen Poeten mitgeteilt finb). $od) befunbete ber 
erfolgreiche SBerfaffer ber „$>rau6enlieger w auch Weiterhin eine ftarfe Vorliebe 
für bie bramatifcfie Sichtung. @r ging feitfjer befonberS fleifeig bei <Bt)aU\ptaxe 
in bie ©cfjule, beffen äWacbetrj, Ramtel, Othello unb SRomeo unb Sulie er 
in§ Sslänbifdje überfefcte.*) Sodj fdjrieb er jelbft nur gelegentlich bramatifche 
®leinigfeiten, bie auf eine höhere literarifche öebeutung feinen Slnfpruch 
erheben. 2Sir wollen biefe Stüde, ba fie auch gebrudt oorliegen, t)ier furj 
erwähnen. 9luS bem Satyc 1875 ftammt ein einaftigeS ©piel „Hinn sanni 
hjöövilji", b. h- $er wahre $olfS Wille, baS ju SBeicmachten beSfelben 
Lahres oon ben fiateinfdnilern jum erftenmale aufgeführt Worben unb 1898 ju 
föeofjaüif gebrucft erfcf)ienen ift. Ser furje Schalt °irt c $ ©tütfeS, baS man 
Weber mit bem dichter ein ©djaufpiel, noch 9 ar mit $üd)ler eine Wfe nennen 
famt, befteht barin, bafc ber SRebafteur eines neugegrünbeten Startes, 
„2)er iBolfSwifle", nach einanber ben SBefuch oon oier 9Kännern erhält, oon 
benen ihm jeber feine Anficht über ben wahren JBolfSwillen befannt gibt unb attertei 
9confenS oorfchwäfot, bis er oor (Srmübung cinfehläft, worauf bie s JJerfonififation 
3>SlanbS in ber ©eftalt ber „Fjallkona" (Sergfrau) erscheint, um ihre Üfteinung 
über baS Wahre SBotjl beS ÖanbeS aussprechen, was in fehr jehonen — 
bereits auch aug ocm Sieberbuche beS Richters befannten — Serien geflieht. 
%m 3arjre 1875 fajrieb SWatthiaS ^. auch e » n breiartiges oaubeoille-artigeS ©tütf 
..Vesturfararnir", b. f). ® i e 21 racr i f af a h r e r, baS ebenfalls 1898 $u 9iet)f jaötf 
als Stier) erschien, £ier wirb nicht ohne Junior einerseits ber Jpnmbug ber 
9IuSwanberungSagenten, anberfeits bie tSuSwanberungSiucht ber ,3slänber 
gegeißelt. Xnrch baS £>aupttheina jiefjt fich ber Boben eines SicbcSoerhältniffeS 
äWifdjen bem ©ohne einer SGßitwe, ber im Sanbc bleiben, unb ber — 
oermeintlichen — Xochter eines febon jur ^luSwanberung bereiten SJianneä, 
bie bem 3Sater nach 3lmerifa folgen foü. öS fommt ieboch nicht ju ber oon 
beiben Seilen fo feljr gefürchteten Trennung, ba fich ber Sater beS ÜJcabcrjenS 
f urj oor ber Abfahrt beS ©duffeS — ein Sein bricht ! SaS ©tüd ift beffer 
aufgebaut, jeboch weniger poetifch unb oolfstümlich als bie „Sraufjenlieger", 
würbe aber boch Ö^öen 60 SJtal aufgeführt. — ÜKefjr literarisches ©epräge trägt 
„Helgi hinn magri", b. h- ^clgi berüftagere, „bramattf che Svenen ober 
©agafpiel in oier Elften" (erfebienen 1890 51t Sfteufjaotf), gebichtet $ur $eier ber 
taufenbjährigen Sefiebelung beS 00m inneren ßnbe beS Gnjafjöröur fübwärts 
fich erftreefenben langen unb breiten, babei oielfach oerjwetgten XaleS, in 
bem fich urfprünglich Jpelgi ber SÖiagere mit feiner ganzen jaf)lreichen Sowilie 
unb Serwanbtfchaft niebergelaffen t\atte. $aS ©tüd führt benn auch — mit 

*) ©türfe oon ©hafefpearc überlebten ins 3*länbifche aud) ©teingrtmur 
XhörfleinSfon (König Sear) unb ©irifur ÜJlagnüSfon (Set Sturm). 



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— 45 - 

freier btdjterifdjer StuSfchmütfung — eine 8teihe tofer, bod> recht farbiger 
unb lebhafter Silber aus ber ©efdndjte ber erften SBefiebetung beS erwähnten 
SanbftricheS burcf) §etgi ben Mageren unb feine ©type oor. (Sine Siebe«' 
geidndjte jmifchen SluÖun, bem Sßflegefofjn, unb |>etga, einer Eodjter JpetgiS, 
bilbet einen roohltuenben romantijchen (Sinfchtag in ben f)iftorifdjen ©toff. 
$aS ©tütf mürbe oom $id)ter, wie er felbft bemerft, aus bem ©runbe als 
„bramotii^e ©jenen" bezeichnet, „meit eS fein ooflenbeteS ©aga*$rama ober 
Shinftmerf ift"; eS ermeift fid) jeboch in beiberlei ^pinftc^t nidjt nur nicht 
als ooflenbet, fonbem int ©anjen, mie in otelen ©in^elheiten atS oerferjtt 
unb mißlungen, gür bie iSlänbifdje 2iteraturgefd)ichte ift „£elgi ber ättagere" 
nur infofeme nicht ofme Qntereffe, als t)ier ber erfte SSerfuaj eine« ©aga* 
Dramas vorliegt unb überhaupt bie erften Anfänge beS gefchtd)tlichen $ramaS 
auf ^Stanb ju erbtitfen finb. $)aS ©tütf mürbe au« bem ermähnten 9tntaffe 
im Satire 1890 in Stfureurt $um erftenmale aufgeführt unb auch föäter 
nocr) öfter gefpiett. 

(Sin hiftorifcheS 'Srama in größerem ©tile bot bann 3Jlattf)taS SfodjumSfon 
in feinem 1900 ju Ifafjöröur erfct)ienenen $)rama „Jön Arason", meiere« baS 
tragifche (Snbe beS (e^ten fatholifchen ©ijchofS auf 3$Ianb behanbett. $er 
©toff tonnte nicf)t gtürflicher gemählt merben unb f)at aud) fcfjon anbere 
dichter begeiftert, fo j. 93. ben normegif(t)en $aftor ®riftofer Sanfon, ber 
ebenfalls einen „Jön Arason" (Syrgespil i 5 Akter, S3ergen, 1867; in toeft* 
(änbifct)em SanbSmaal) gcfdtjrteben hat. 

5)er gei'a^iajtlia^e Vorgang mar in ®ür$e folgenber: ®önig 6r)riftian III. 
oon $änemarf, ju bem ^Slanb fetjon bamatS gehörte, tjatte befdjtoffen, SutherS 
„StetigionSoerbefferung" auch ocm fernen „SiSlanbe" aufeujmingen, unb fanbte 
beSrjatb 1538 ben beiben iStänbifd)en 93tfdt)öfen ju ©fätholt (für baS ©üb« 
lanb) unb $u f>ö(ar (für baS Üftorblanb) bie 99ugent)agen'fd)e $ircf>enorbmtng, 
burd) bie nicht nur ber neue ©taube eingeführt, fonbem auch bi? <*lten 
ßirchenrechte beS ßanbeS aufgehoben merben foflten. $)en bifdjöflichen ©tut)! 
ju ©fätholt fyattt feit 1521 Ögmunbur ^ätsion (geb. um 1462) inne. 
tiefer mar ein glaubenSfefter unb gemiffenhafter ©eelenfjirt, jeboct) bamatS 
bereits ^odfbetagt, blinb unb alterSfchmad). 93ifd)of für baS 9corblanb mar 
feit 1524 %6n 9trajon (geb. 1484), ein ebenfo eifriger ®atf)otif mie feuriger 
Patriot, zugleich ber befte islänbijche dichter feiner &tit, aber auch rachfüchrig, 
oon meltticher 9Jcacf)tbegier unb friegerifcher Unternehmungstuft erfüllt unb in 
fittlicher $?infict)t nicht unbemafett, benn er nahm, fomie er jum s ^riefter geroeif)t 
mar, eine $onfubine ju fid), mit ber er bis ju feinem Xobe lebte unb fed)S 
fönber (uier ©ohne unb jmei Töchter) ^atte. £>ie beiben ftirchenfürften hatten 
einanber anfangs befehbet, ba Ögmunbur gern einen ^riefter feiner ^iöjefe 



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— 46 — 

auf bem ©turjl öon #ölar fmben moflte. ©ie erfäienen fogar 1526 mit 
ftarten ©treitrräften auf bem 2lltf)ing, um l)ier lote meltlidje Häuptlinge 
gegen einanber fämpfen, unb e3 märe audj ju einem Kampfe gefommen, 
Ratten fidj nid)t bie öornerjmften £eilnefjmer am 2f)inge in« 2Rittel gelegt 
unb bie ©ifajöfe ju Überreben öermoajt, ben 3mift burd) je einen äRann 
au« ir)rer ©treitmad|t in einem 3meifampf austragen ju laffen. 3n biefem 
3meifampfe — bem lefcten, ber am Slltfjinge ftattgefunben rjat — unterlag 
ber 2Rann $6n Sirafon*. £ie bifdjöfüdjen ©eguer oerjöf>nten fidj bann balb 
angefufjts ber ©efaf)r, bie bem Jlatrjoli$i3mu3 burd) bie rafdje SluSbrettung 
ber Seljre Cutter« in ben norbifcfjen Sänbern audj auf 3&lanb brofjte, unb 
fic fefeten bafjer ber ifmen aufgebrungenen föniglia^en „Drbinanj" energifa^en 
SSiberftanb entgegen, ©egen feiner ©ebredjlidjfeit liefe jebod) Ögmunbur 
fcfjon 1539 einen jüngeren ©eiftlidjen namens ©ijur ©inarSfon, bem er ein 
grofeeS «ertrauen fäenfte, ju feinem Dadtf'olger als Söifct»of mäljlen. Siefer 
mar aber fdmn bamalS im QJefyeimen Sutfjeraner unb mad)te nun als ißifdmf 
fein £>ef)l me^r aus feiner ©efinnung. S^mifdjen batte ber ©tetU 
Vertreter be£ bäntfcr)en ©tattlmtterS, Sietrid) t>on 9tfinben, baS Softer ju 
«iöeü (im ©üblanbe) mit ©eioalt genommen unb plünbern laffen, unb er 
moüte in gleicher SBcife audj mit jmei anberen it'löftern üerfafjren, mürbe 
aber, ba er auf bem SBege baljin Ögmunbnr ferner fränfte, öon ßeuten bess 
«ifdjofS getötet (1539). Dun fefudte ßtjriftian III. 1541 ^mei ftriegSfdjiffe mit 
einem «ertraueuSmann naa) 3$(anb, ber Ögmunbur lucgen ber Cfrmorbung 
$ietrid)S öon 9ttinben jur Dedjenfdwft jief)en, ©teuern öon ber ®eiftlidjfeit 
eingeben unb bie $urd)füf)rung ber Deformation betreiben füllte, unb $mar 
äunädjft im ©üblanbe, mo ja aus bem ermähnten ©runb meniger SGBibcr= 
ftanb ju erwarten mar. SBifdmf Ögmunbur mürbe — burd) fdjmäf)lid)en 
Verrat ©ijurS — gefangen genommen, nad) Sänemarf überführt unb in ein 
Stlofter gefperrt, in bem er 1542 ftarb. 2>aS ©üblanb mufjte fidj nun ber 
®cmalt beugen unb trat formell jum Öutfjcrtum über, ©ijur aber ging mit 
größter Energie ans $öcrf, um in feinem 93i£tum bie Deformation fo grünblid) 
als möglid) burd}jufüt)ren, ftarb jeboer; fd)on 1548. 3öu Strafon, ber biSfjer 
äiemlid) ruf)ig geblieben mar, f)ielt je^t bie «orgäuge im ©übtanbe unb ben 
$Bifd)ofSmed)fel in ©fälrjott für einen geeigneten Wittag, um ben fatt>olifdjen 
(Glauben in biefem SiStum mieber ^eräufteden unb auglcid) audj ba« bänifdu? 
3od) überhaupt abjufdjütteln. $)ie £utf>eraner mähten l)ier nad) ®i$urS 
Xobe 9tfarteittn (SinarSfon, bie ftarfjotifen ben 2lbt ©iguröur be§ filofterS 
PnHöibatr jum 93ifd»of Don ©fälljott. 3J?arteinn unb ©iguröur blähen fief) 
jur «eftätigung ber 2Bal)l buraj ben König nad) ftoöentiagen unb befteüten 
jeber für fid) einen «iötumSüermefer mä^renb ifyrer ^Ibmefenljeit oom Sanbe, 



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— 47 — 

<Sigur5ur bcn $iföof 3<5n Slrafon, aKarteinn ben ©eiftlichen Ami ttrnördfon, 
bem er al« Öfonomen einen anberen ©etftlidjen, ben tüchtigen 3ön Sjantafon 
unb aufeerbem jur Unterftüfcung beä (enteren feinen ©ruber $ietur, fomie 
feinen ©djmager $aöi ©uömunbäfon betgab. 3ön Slrafon roollte fia) fdjon 
je|t be3 füblänbifdjen SBifdwfSft&eS mit SQSaffengemalt bemächtigen, tiefe e3 
iebod} roegen ber breifachen Übermalt feiner ©egner %6n Sjarnofon unb 
2)aöi ©uömunbäfon nicht jum Kampfe fommen. Sßon ben beiben gemähten 
öifdjöfen erhielt natürlich SWarteinn bie foniglidje Seftätigung ; jugleich aber 
tourbe 3<5n Slrafon in bie Stdjt erflärt. beiläufig um biefe 3eit (1548) 
erhielt jeboch Sön Slrafon ein ©reoe beS $apfte3 $aul III., morin feiner 
©taubenäftärfe unb (Sntfdnebenljeit afle Slnerfennung gejoHt tourbe. (£§ foflte 
gleichfam ber 2lbfd)ieb3grufe be§ $apfttum3 an ba3 bi§ bahin fatrjotifche 
3$Ianb fein. SBon freubiger Ütütjrung übermannt, oerfünbete ber SBifdjof 
feierlich : „3$ miß lieber fterben, als bem Zapfte untreu toerben!" SKit 
berftärftem @ifer ging er nun an bie StuÖfü^rung feiner $läne unb liefe 
junädjft burd> feine <5öf|ne 9lri unb 93jörn ben lutf>erifchen iöifchof Sflarteinn 
unb beffen geroefenen Sßermefer Ami 2lrnör§fon gefangen nehmen unb ju 
$rilar in ®ema^rfam bringen. @r blieb aucf> furchtlos, at§ im ftrühjahte 1550 
Saurentiuä SDtule alä Statthalter nad) 3&lanb {am mit bem 93efef)f beS 
$önig§, ifjn ju beruften. 36n Slrafon begab fidj öielmehr jefct mit feinen 
beiben <3öf)nen unb einer bebeutenben Streitmacht nach bem 9tltf)ing unb 
gewann tjier bie Dberfjanb über bie bäniferjen Beamten unb ihren 
Stnfmng. Xaburcfj gelangte er auch in ben Söefifc beä füblänbifcrjen 
Söi3tum§, fo bafe er nun beibe SiStümer in ber £>anb hatte unb 
fur^e $eit fyinbutä) mirftief) ber Slüeinherrfcher über 3§lanb mar. 
3m ©efühle feiner SWacfjt molltc ber SBifchof junädjft feinen ärgften ^fcinb 
•2>aÖi ©uftmunbäfon maferegeln unb jog mit feinen Söhnen unb geringer 
• 9Kamrfchaft gegen biefen au$, mürbe aber in einem ©efedjte ju ©auöafett 
öon $aöi gefchlagen unb famt feinen Söhnen gefangen genommen. S)aöi 
oerftänbigte fogleidj ben Stcüöcrtreter beS Statthalters, ben bänifchen (Schreiber 
Sriftian, öon biefem ißorfalle, unb bie öornefjmften ©egner be§ Öifajofä 
berieten nun lange, ma3 mit ben (befangenen ju gefa^ehen habe. 3J?an trollte 
fie biö jum nö^ften 3XItt)inge in ©emahrfam halten unb oon biefem aburteilen 
laffen ; allein auf ben 9tat ^6n Sjarnafonä bef thlofe man, fie ohne geridhtliajen 
^ßrogefe aud bem ßcben $u fa^affen. daraufhin mürben fie am 7. Sftooember 
ju ©fälholt enthauptet. — 3ft aua^ Son Slrafon nid^t oon einem abenteucrifchen, 
ja räuberifd>en Qa^t unb anberen Sehlem freijufpreajen, fo erfa^eint er tu 
feinem ©laubenSeifer unb in feiner Sßaterlanbätiebe boa^ al^ eine fnmpathifd)e 
|)elbengeftalt unb bie bebeutcnbfte ^erfönliajfeit in ber ©efdhid^te ^Slanb§ 



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— 48 — 

nadj ber rufjmreidjen 3eit feiner ftaattiajen Freiheit. $a§ iätänbifdje SSotf 
f)at iljm benn aud) bis auf ben heutigen £ag ein öereljrungSüolIeS Slnbenfen 
bewahrt, unb bie öornefjmften ©efdjledjter &lanb$ feljen eS noaj als eine 
@ljre an, $u ben üftadjfommen biefe« alten ©falben unb ©ifdwfS $u jäljlen. 
Sludj tritt nod) Ijeute bei ftrd&Iidjen. ^eftlidjfeiten ber tut^ertfe^e 53ifajof SälanbS 
in einem foftbaren, golbgeftitften Söhntet auf, ber ein ®efd>enf be$ s .ßaöfte8 
an ben legten fatf>otifdjen ©ifdwf 33lanb3 gemefen fein foll *) 

$a3$rama beginnt mit ber Ergreifung beS au3 ber #aft 51t #ötar 
entwichenen fotljerifdjen 93ifdjof§ SWarteinn, ber nun wieber bah,in aurüdgebradjt 
wirb. 3m $aufe %6n StrafonS ternen mir aunäajft einige SRitgtteber ber 
bifdjöflidjen Familie fennen, fo: #elga, be3 83ifd)of$ tüajtige „ftrau", bie 
bem gefangenen ÜKarteinn wegen feiner Srömmigfeit unb SBürbe bie forgfamfte 
Sefjanbhwg juteil werben täfct, förunn, eine £od)ter be§ SöifajofS, öon ber 
friegerifa^en ©innelart iljreS 33ater£ unb erbitterte Seinbin 2ftarteinn§ unb 
feiner bänifdjen wie iSlänbifajen Slnljänger; ferner einen ©of>n be§ 93ifdjof3, 
ben früheren „©efefceSmann", Slri, ber immer unb überaß baS ©efefc befolgt 
wiffen will unb bafyer nid)t mit allen Unternehmungen feinet SBaterS 
einöerftanben ift. @r befommt beSfjatb aud) biffige Vorwürfe öon feiner 
©a^Wefter 511 fjören, bie iljn aufjerbem berljöljnt, inbem fie ifym, wäljrenb er 
ermübet für einige 3lugenbtirfe eingefdjfammert ift, einen meiblid^en ®oöföu$ 
auffegt unb ben ©djlüffetbunb ber £>au3fran in bie $>anb legt. „S5etn blutiger 
©öott bebeutet unfer 5lfler 931ut!" ruft er hierüber entrüftet feiner ©djwefter 
ju. Stber öon nun an will er feinem Sßater im Seben unb im Xobe treu 
jur ©eite^ fteljen. Söalb fommt ber Söifdjof fetbft in üoflem Ornate, mit 
3nfut unb Stab 00m ©otteSbienfte aus ber 3)omfird)e, umgeben öon feinen 
©öljnen Slri unb bem famöfeShtftigen ^riefter 93jörn fowie einigen 
Häuptlingen beS 9corblanbe3. %m ©efprädje mit biefen rühmt fid) %6n, bafj 
er nun ganj 3#lanb befjerrfdje, unb betont, bafj nod) fein Sfölänber j U 
Höherem berufen worben fei; bodj fte^e er jefct am ©djeibewege unb wiffe 
nicht, was bie gufunft bringen werbe, ba er ja üom König in 5ld)t erflärt 
würbe. ©r fei jebod) feft entfajloffen, bie alten ßtottcä* unb fianbeSredjte 
gegen „bie britten Stechte", weldje bie 3)änen einführen wollten, 51t oerteibigen. 

*) 93gl. ü6er $6n 2(rafon befonberö: »Biskupa sögurc, II. ©b. (ftopenf). 1878), 
©. 315—596, roo fid) aud) bic erhaltenen ©ebidjte biefeS SBifdjof« abgebrudt finben; 
ferner: l^ön ©gilöfon^ »Biskupa-annälar« in »Safn til sögu Islands og l'slenzkra 
bökmenta aö fornu og ntfu«, I. 53b. (Äopenb. 1856), ©. 29—117. %it befte 
JBcarbeitung ber ßebenSgefdudjte 3fön s ilrafon§ gab %6n (Sfpölin in feinen >tslands 
ärba;kur« (Äopenb- 1821—1855) 3. unb 4. £eU. ftürjere aber gute Sebcnsbilber fc^rieben 
ryx. ^ainmerich in »Folkekalender for Danmark 1863« (©. 66— 78) unb (L ^ofenberg 
in »Nordisk Tidsskrift« (Kopenb- 1876) 2. 33b. @. 68—125. 



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— 49 — 

@r motte barum mit 400 äRann jum Stttfjing gießen unb forbere feine 
Getreuen auf, iljm luebei ©efolgfa)aft ju leiften. Sitte jubeln ü)m ju unb 
öerfored>en il)m Xreue unb Unterftüfcung, audj 2lri, ber jebo$ mit attem 
9ted)brude baoor marnt, ben ©oben ber alten ßanbeSgefefce $u öertaffen. 
3u bem ©etage, ba8 ber ©ifdjof injroifdjen oeranftatten lieft, mirb aud> 
SDtorteinn beigeben unb bei btefer Gelegenheit mit allerlei #of>n unb 
Demütigung bebaut. $6n Slrafon erflärt, bafe fiaj in ihnen beiben ber 
alte unb ber neue ©taube, bie ©ifdjofSgematt bie ÄönigSgemalt, 
ba3 alte unb ba3 neue Sslanb gegenüberftehen. 2Rarteinn aber finbet ben 
Unterfajieb jtoifdjen ihnen in ber #errfd)futf>t be8 @inen unb $emut 
be£ 3(nberen. 2Rit einem muntern Sieblein auf ben beoorftehenben fltitt jum 
Stillung fajlieftt ber erfte Slft. — 3>er ^to et te 3«t führt un3 bie ©reigniffe 
am Sllthing oor. $er bänifdje ©tatthalter 2Jhile mit feinem ©tettbertreter, 
bem ©Treiber Ktiftian, unb angefehene ©übtänber, tote ber an ©teile 
2lri3 com König jum „GefefceSmann" für ben ©üben unb Horben 33tanb§ 
befteflte Drmur ©turlufon, ber ©yflumann 3)aÖi GuÖmunbäfon, Sßjetur 
@inar8fon, $)aöi3 Sreunb un t> ^ n «öjarnafon, ber geiftli<$e ©tettoertreter be3 
gefangenen 5Bifd)of8, fomie nodj anbere ©^flumänner unb ^Bauern finben fidj 
auf bem £f)ingpta§e ein, um ba# 3lltt)ing ju fonftituieren. 3)ie meiften 
©üblänber blieben jebod) fern, fo bafj nidjt genug SRannfc^aft oorljanben 
ift, um bie anrücfenbe Übermalt %6n StrafonS abjumehren. Die beiben 
Dänen müten unb oertangen SBerftärfung ; bie füblänbifajen ÜKitglieber ber 
Sßerfammlung finb unentfdjloffen unb fleintaut, inSbefonbere audj ber „GefefceS« 
mann" Drmur. Die 39ifdjof§f öffne öjörn unb Slri treiben benn audj, nachbem 
Ormur in feiger 3urd)t fein 9lmt als „Gefefceämann" niebergetegt, bie 
JBerfammlung auSeinanber, worauf %6n Slrafon fetbft erfdjeint unb oon ben 
Storblänbern jum Sorfifcenben be$ SlltlnngS ermäljlt mirb. Der ©ifdjof 
eröffnet bie SSer^anblungen mit einer jünbenben Slnforad&e unb überträgt 
fobann bie Leitung be$ 32>ing£ feinem ©ofme 5lri, meiner ber immerhin audh 
oon einigen ©üblänbern befugten SSerfammtung borfdjtägt, bafe alle Sfölänber 
ftd) jufammenfa^liefeen unb einanber eiblidj öertofliajten mögen, bie SSertei* 
bigung it)rcr fianbeäredjte auf bie' einzige Grunbtage beä „ alten Softes" ju 
ftetten, ben ba3 Sanb feiner 3"* m ^ b? m normegifa^en Könige gefdjloffen 
^abe, jur Beratung ber ©treitigfeiten bezüglich be£ Glaubend unb ber 
Kird>enre$te aber eine Generatfünobe für baS gan5e ßanb einzuberufen, 
©eoor ieboc^ Slri feine SRebe beenben fann, eilt ber ©ifa^of in meinem ganger, 
einen golbroten ^etm auf bem Raupte unb baS ©dhmert fa^mingenb r)erbei 
unb öerfunbet ber Serfammlung, bafj bie bänifa^e Partei ben Xfungfrieben 
gebrochen §abt unb ben 2$ingplafe su befajiefeen beginne. S^un ftürjen bie 

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— 50 — 

Sforbtänber fort $um Kampfe unb im Särm ber ©c&üffe unb ©eförei ber 
ftämtfer fölteftt ber juieite 2lft. - 35er britte 21 ft fpiett ju ©fätyolt, 
too 3<5n Söjarnafon nod& als SBermögenSbernmtter beS 99i«rutnS baS ßommanbo 
füfjrt unb bie füblänbifdjen 2Jcad&tf)aber mit SluSnafjme 9HuleS, ber nadf) ber 
«Rieberrage auf ber §lltf)tngftätte baS Sanb oerlaffen unb ben ©Treiber 
Ärifttan ju feinem SBogte eingefefct ^atte, toerfammelt finb, um über bie 23er* 
teibigung beS ÖifcfiofSfifceS gegen ben mit feinen 400 HRannen anrütfenben 
3<5n Wrafon ju beraten. Xiefer fenbet ein ©djreiben, roorin er anfünbigt, 
bafj er unb fein ©of)n SSjörn, ber jum SBerroefer beS fübtanbiftfen SöiStumS 
erroäf)lt morben fei, in ©fätyolt SSifitatton abmatten roerben unb Seber, ber 
ifjnen babei ein &inberniS in ben 2Beg lege, mit bem ®ird(jenbanne belegt 
merben fofl. HRan läfet üjm fjöljnifdj fagen, bafj er nur fommen möge, mufe 
jebod) jugteidj feljen, wie bie jtoölf borneljmften @eiftli<f>en ber ©omfiraje 
5U iljm übergeben, ber bereite bie Söefeftigungen t>on ©fälfjolt befefct fjat. 
3ön SBjarnafon erhält hierauf audj einen Sörief öon SWarteinn, ber fid) als 
(befangener im (befolge beS SBtfa^ofS befinbet unb in biefem ©djreiben ein* 
bringlidt) bittet, nid>t ju fcf)iefjen unb ©fältjolt otjne Stampf $u übergeben, 
ba Sön 2lrafon befajloffen t)ätte, üjn in bie erfte 3ieif)e ber ©türmenben ju 
fteHen unb allen ©Hüffen auSjufefcen. %6n trafen tritt alSbalb felbft, 
begleitet tum feinem (befolge, unter bie SBerfammelten, läfjt alle UluS* 
gänge befefeen unb erftärt bie ©egner als (befangene. 3ön Söjarnafon 
übergibt angefidjtS ber überlegenen SBaffengetoalt unb auf bringenbeS 
Blexen ÜKarteinS bie ©djtüffet. giftige (befbräcfje roerben geführt, namentlidj 
aroifdjen bem bänifdjen SSogte unb Strafon, ber im gereiften Über= 
eifer ben *8efel)l erteilt, bie in ber £omfird)e beigefefete Seiche beS 
früheren tutljerifd&en 93ifdjofS (bijur ausgraben unb im <$riebf)ofe bei* 
jufefcen. Über baS SooS ber (befangenen unb bie Drbnung ber Angelegen* 
Reiten beS ©fälfjotter SBiStumS läfjt er aber bie üornefmtften (beiftlicfjen 
ber SJomfirdje entfajeiben, bie nun feine anberen finb als bie ermähnten 
Überläufer. 211S Ergebnis iljrer ^Beratung nürb ein SJofument ausgefertigt, 
toorin — bis -jur enbgültigen @ntfcf)eibung burdj baS nädf)fte Mitling — 
bie geiftlia^e Sßerroaltung beS 5öiStf|umS %6n Slrafon unb beffen ©ofjn ©iörn 
übertragen, 5ön SBjarnajon aber fein $tmt als SßcrmögenSüerroalter gelaffen 
unb ÜKarteinn in Sreifjeit gefegt tt)irb. S^riftian roetgert fidj jebodj, biefeS 
©ofument mit feiner Unterfc^rift ju t)erfel)en unb eilt unbef)inbert baöon. 
9lu^ bie übrigen ©efangenen bürfen frei ben SöifcfjofSfjof uerlaffen — felbft 
2)aöi, bem nur bie SSebingung geftellt wirb, fidt) fpäter an einem beftimmten 
Xage bei fia) ju £aufe üor bem ©if^of feiner feinbfeligen ^anbtungen njegen 
ju üerantmorten unb jit feinem alten ©lauben jurücfjufe^ren. hierauf ftimmt 



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— 51 — 

%6n Slrofon einen ©iegeSgefang an, mit bem biefer 5(ft f d)tief$t. — SBtertcr 
Stfr. $6tt Strafon ift mit feinen ©öljnen nad) $6\ax jurücfgefefyrt unb trifft 
Vorbereitungen, um ben (Srjfetnb $)aöi nodfj oor bem für feine Verantwortung 
feftgefefcten Xermine ju überrumpeln unb unfcr)äblid^ ju matten, jumat 
©erüdjte flirren, ba§ $aöi felbft SRannfdfjaft fammle um gegen ben SBifd^of 
auSjujietjen unb ityn gefangen ju nehmen, $elga jeigt fid) feljr beforgt über 
ben StuSgang biefeS neuen Unternehmens unb bemüht fid) Oergeblid), ben 
nod) immer fampftuftigen Vifdfwf baoon abjuf)alten. $6n Strafon fpridfjt 
jebod) neuerbingS mit blinber Vegeifterung Don feiner „Verufung", bie ü)n 
unmiberfteljtid) madje, unb in biefem SBaljne jieljt er nun aus, obgleich iljm 
bieSmat nur wenig 9Rannfd)aft jur Verfügung fteljt. 3n ber Sfadje ju 
©auöafefl finben mir %6n Strafon wieber. (£r fteljt mit ben (£f)ort)emb be* 
ffetbct unb mit ber 3nfut auf bem Raupte oor bem Sütar, nimmt ein 
SRarienbilb in bie |>anb, fingt baS „O sanetissima" unb bittet bie fjeifige 
©otteSmutter um iljren Veiftanb. hierauf erfajetnen feine beiben ©öljne, um 
ifm über bie Vorgänge braufjen ju unterrid)ten. $te ÜKetbungen lauten 
fd)timm genug. 9Zad) fur$em Kampfe ftünnt $)aöi bie föirdje unb befiehlt, 
ben Vifd)of gefangen ju nehmen. Sßeil biefer jebod) bie Snfut trägt, wagt 
eS niemanb §anb an ir)n gu legen. X>a Ijebt $aöi mit feinem ©peer 
bie Snful Dorn Raupte beS VifdjofS unb „nun ift %6n Mrafon befiegt", Wie 
£>aöi triumpbierenb ausruft. — X)er fünfte 9lft beginnt mit einer Ve* 
ratung ber Öeinbe %6n 2IrafonS in ©fälfjolt über bie Vorfefyrungen, bie 
bejügtid) ber ©efangenen p treffen feien. Sftad) ben ©efefcen beS SanbeS 
bürfen fie nur burdj baS Stttljing gerietet werben, baS ftd) jebodfr erft im 
nädjften ©ommer mieber oerfammett. X)af)er Ijanbelt eS fid) junädjft barum, 
wer bie (befangenen bis bafjin in ©ewaljrfam galten fod. „S5aS Veit unb 
bie @rbe", wirft 3ön Vjarnafon furj unb bumpf Ijin. Xrofc beS v 4$rotefteS 
einiger üKitglieber ber Verfammlung gegen eine fötale ©efefceSüerlefcung 
befielt ber bänifd)c Vogt firiftian it)re $inrid)tung auf feine Verantwortung. 
2)oa) wirb %6n 2trafon oor ber Verfünbung beS Urteilet bie aWÖgtidjfeit 
geboten, feine ^rei^eit ju erlangen, wenn er fdjwört, fid) bem $önig unb 
beffen ®ird)enorbonan$ ju unterwerfen, fowie aud) an feinen ^einben nid)t 
SRadje ju nefraten. @r aber meist biefe Vebingungen fdjroff jurücf unb ftefyt 
nun, roo^t enttäufdjt über biefe Verufung, jebod) ergeben in ©otteS SSJitten, 
bem Xobe entgegen, ^(ud) %xi oerjidjtet auf eine Vegnabigung unb mtQ lieber mit 
bem Vater fterben ; Vjörn hingegen wirb eine Vegnabigung gar nid)t angeboten. 
2Äutig fdjrettet 3ön 2lrafon jum Slidjtblodfe, wäf)renb über ber $etia im ^inter- 
grunbe ein blutigroter 2id)tfd)ein fiajtbar wirb, ber fd)timmcS Unheil anfünbigt, 
unb aus ber 2)omftrd^e bie büfteren fttänge beS „Dies irae" erftingen. 

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- 52 - 

£a8 ftvama hält fich, töte man fieljt, ziemlich genau, ja btetletdjt 
aflju fflaoifch, an bie Ijiftortfäett Quellen. $iefe gefduchtliche Xreue 
gemährte mohl bem dichter ben ©orteil, bafj ihm bie regelrechte bramatifdje 
©ntroidlung feinet ©toffeS fchon burd> ben Verlauf ber Dom Reiben felbft 
t)erbetgefür)rtcn ©reigniffe gegebe« mar; fie fmt jebod) im oorliegenben gaße 
ben 9cadjteil, bofe fie bem gelben feinen ebenbürtigen perfönlichen ©egner 
gegenüber ftetten fann; benn bie oon %6n Slrafon fo energifd) befämpften 
®emalten : bie &önig$macf)t unb ber neue ßeitgeift maren bamals auf 3§lanb 
burch fdjtoächliche ober unmürbige Sßerfonen oertreten. §itx fyätte ber 
^ic^ter gut baran getan, oon ber erlaubten poetifdien Freiheit felbft« 
fchöpferifcher ©eftaltung (gebrauch ju madt)en. @£ ift ihm ja auch gelungen, 
auS mandt) anberen fdjtoanfenben ©eftalten, unflaren (Situationen unb bürftigen 
Angaben in feinen gerichtlichen OueQen ausgeprägtere Xtjpen unb 
bewegte ©jenen ju formen, unb mehrere gan$ frei erfunbene epifobifdje 
Sßerfonen, roie ein tanbftreidjenber Slofterbruber unb bie (nach bem üötufter 
©hafefpeareS) blofj jur Erweiterung beS s .ßublifum$ auftretenben Settel - 
toeiber jähfen $u ben beften Figuren be£ $rama3. SEBad bie (Shörafteriftif 
ber |>auptperfonen betrifft, fo finb biefe — mit Ausnahme Sön MrafonS 
felbft — im ©anjen etmaS ju bürftig gefennjeidmet ; bod) t>at ber ^idjter 
bafür in £>elga unb Pörunn ganj prächtige ^rauengeftalten gefdjaffen ; aud) 
ber fonft fo unfömpatf)ifche bänifdt)e Polterer Äriftian ift ein gut gelungener 
XnpuS feiner 51rt. $u ben SSorjügen biefeä $rama$ jählen manche 
fetjr mirfungSüofle ©jenen fotoie ber meift fernige, oft mudjtige ober 
fdmeibige Dialog, ber nur nach ben üerfduebenen ^ßerfonen auch in ber 
SfuSbrutfSmeife hätte fdjärfer bifferenjiert merben füllen, ^n baS fonft — 
bis auf bie ©d)Iuf$üerfe — in s #rofa getriebene ©tütf ift eine Stnjabl 
hübfeher ©ebidfte eingeflößten, baruntcr mehrere oon %6n Hrafon 
felbft, toie j. 93. ba£ t)übfdt}e -äftarienlieb : „ÜWaria, meine 3ungfTau!" 
(Maria, meyjan ska;ra!; ogl. Biskupa sögur, II. 83b., ©. 581 — 582). 
Unangenehm berührt jebod) ber banale ©chlufjgefang be$ erften SlfteS, ber 
afljufeljr an einen Dperntejt erinnert. QJefchmadloS finben mir eS ferner, 
ben Söifdjof im ooQen Ornat mit ©tab unb Snful an einem Xrinfgelage 
teilnehmen ju laffen, toie bieö ebenfalls im erften Slfte geflieht. — 3d) 
tonftatiere l)ier noch (mit *8eju9 auf eine oon 3(5n OlafSfon in feiner 
Beitfchrift „INtyja Öldin", III. 93b., ©. 236—237, au8gefprod)ene SSer» 
mutung) bafj Matthias ^odmmäfonS „Jön Arason" ööflig unabhängig oon 
bem oben ermähnten gleichnamigen Xrama ftriftofer SanfonS gebietet 
ift, mie eine uon mir angefteüte, fehr intereffante SBergleidjung ber 
beiben ©tüde ergeben t)at. 2lud) baS oon 9KatthtaS SochumSfon fo 



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— 53 — 



meisterhaft nadjgebtchtete unb fcfum aus feiner erftcn ©ebichtfammtung (Ljöömaeli, 
fftettfiaötl, 1884, @. 79—81) befannte, jefct roieber bem erftcn Sanbe ber 
neuen Ausgabe feiner ©ebichte (Ljöömaeli, 1. ©anb, ©enöisfjöröur 1902, 
@. 76—77) einverleibte «bföiebSlieb 3ön SlrafonS in 3anfon3 jartem 
poetifcf>en Drama hat in bem iätänbifdjen, mehr ber ©efdjichte entfprecfjenben 
©rüde feine ©erfoenbung gefunben. 

Slnerfennenbe (Srtuähnung oerbient noch bie bisher lefetc bramatifche 
^ic^tung ÜJiatttjtaö 3ochumSfon«, »Aldamöt« b. h-Die33egegnungber 
Safjrhunberte, „ein©cf}aufpiel mit ©ebbten unb Ghören'' (föeöfjatrif, 1901), 
bie oug bem im Xitel bezeichneten Stnlafje entftanben ift unb baS ftimmnngS* 
reiche (SreigniS in einer ebenfo poetifdjen roie nnriungsoollen Slüegorie fsenifch 
$ur Darftellung bringt. Die SSerfe biefeS mieberhott unter großem SBetfaß 
aufgeführten geftfpieleS finb überaus mohHautenb, üon erhabenem ©ebanfen* 
fdjnntng getragen, unb erinnern fteflenmeife an Dichtungen ber „(Sbba". 

III. 

3n neuefter Qeit fcheint $enrif 3Men einen gctüiffcn (Sinflufc auf 
i^länbifche Dramatifer auszuüben. Die SEßerfe biefeS Dichters finb auf 3&Ianb 
ben höher gebilbeten fieuten roohl befannt unb einige baüon mürben auch Bereite 
in§ SSlänbifche überfefct, fo »Hermamdene paa Helgeland«, b. h- ^ e 
Hermannen auf ^elgelanb („Die norbifche Heerfahrt", iSlänbifch »Vikingarnir 
ä Hälogalandi«) üon (Sggert Ö. Söriem unb Snbriöi SinarSfon (gebrucft 
erfchienen 1892), »Brand« (itfänbifd) »Brandur«) öon äRatthiaS SodmmSfon 
(1898), »Peer Gynt« (iSlänbifch »Petur Gautur«) üon (Sinar SenebiftSfon 
(1901). »Herma?ndene paa Helgeland« finb auch in 9teüfjaüt? 1892 
unb 1903 aufgeführt morbcn unb fyabtn ou f ba£ ^ubtifum einen tiefen 
©inbrucf gemacht, befonberS auch, weil bie Sprache in ber Überfejjung noch 
tiiel fräftiger unb roirfungSöotler Hingt aU im Originale.*) Die iälänbifchen 
Dramatifer fchcinen fich junächft bie hiftorifchen ©tücfe Sbfens, u. $m. bie 
©aga*Dramen »Hermaendene paa Helgeland« (nach ber Völsunga saga unb 
üerfduebenen iSlänbijchen f$amilien=@aga3 befanntlid) ben grofeen Stoff ber 
©rünhilb^Dragöbie bel)anbelnb) unb »Kongsemnerne« (b. f>- ®w Dhron* 
anmärter, „Die S'ronprätcnbenten" ; im engen Slnfdjluffe an bie hiftorifche 
Häkonar saga gamla Hakonarsonar beS iSlänbifcrjcn ©falben ©turla 
Pöröarfon gebiajtet) jum SSorbilbe genommen ju fyaben, bie ja aflerbingS 

*) 2luch ber islänbifche üiterarhiftoriter Dr. 3<3n PorfelSfon bemerft (in 
Andvari, XXIII. töanb, ©. 22, 91nmerfung), er ftnbe, bafe »Hermasndene paa 
Helgeland« in ber — ungeroohnlid) guten — i§länbifd)en Überfefcung oiel alter- 
tümlicher erfdjeine al§ im 9torrocgiichen bei $bfen. ÜJlandje haben aUerbing« biefe 
Überfe(jung ju altertümelnb befunben unb oieUeidu mit 9ted)t. 



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— 54 — 



ber einljeimifdjen ©eifteärid&tung oiel ncujer liegen atä bie raffinierten 
©efeafcrjaftsbramen biefeS fcicfjteiä- mit itjrcr bem 3&länber fernerer 
berftänbtic&en ^ftodwlogie. ©rfajeint nun ba« „fnftoriföe" Xrama fcfwn an 
unb für fid), inSbefonbere ober, wenn es in einer meit aurücttiegenben 3eit 
mit unferen «Sitten, Slnfdjauungen unb ©mpfinbungen miberfpredjenben 
$erf)ältniffen fptelt, als eine $id)tung3gattung, bie nid)t nur bei ftrengen 
$iftorifern prinzipielle öebenfen Ijtnftc&ttid) iljrer 3uläffigteit ertoecft unb jeben* 
falte an ben $icf>ter, ber nict>t nur maljr fein, fonbern aud) eine bestimmte 
tragifdje SEBirfung Ijerborbringen fofl, bie fdjmierigften pfö<$ologifc&en 21n* 
forberungen fteflt, jo ift bie Eramatifierung ial&nbifdjer ©agaftoffe ein befonberS 
gefctyrliajeS beginnen. $enn bie telänbifc^en ©agaS, bie luer in öetradjt fommen, 
finb f o treffliche 2Weiftermerfe, bafe jebe — fei e$ nun bramatifcfce ober epifdje — 
Um* ober 9>fa<r)bid)tung ber barin beljanbetten ©toffe weit hinter ifjren alten 
SSorbübern jurütfftefjen, für bie Sslänber jebod), bie if>re ©agaS fo genau 
fennen, mirfungSloS bleiben mufc, toenn fic niajt ebenfalls aus einer SReifter* 
Ijanb f>eroorgegangen ift, bie e$ jugleidj oerftanbcn Ijat, eine ©rüde bom 
Altertum jur tajeit $u fajlagen. Deljlenfd>tägerg fentimentate Dramen au3 
ber norbifajen $elbenjeit finb in biefer ^infiajt naajgerabe in SSerruf geraten, 
©ein telänbifct)e$ ©aga*$rama „®jartan unb ©ubrun" nadj ber Laxdajlasaga 
märe bei einer 2luffuf)rung auf 3$lanb »ooljl immer „ ausgepfiffen " morben. 
©elbft SbfenS oben genannte ©aga*$ramen bieten in 93ejug auf ®raft unb 
Stimmung hinter ben ©aga§ jurücf, bie i^nen jugrunbe liegen. 

2Bäf)renb nun aber bie in ben fogenannten ©efdjledjtSfagaä übertieferte 
^erfonalgefdjiajte menigftenä eine SüUe oon bramatifdjen ©toffen befifct, ift 
bie fpätere, meljr politifaje ©efdjidjte 3&fanb£ im Stttgemeinen arm an 
bramatifajen ©reigniffen. ©etbft bie oieloerfdjlungenc ©efajiajte ber bemegteften 
3«t, in ber fiaj ber Untergang beä ^"iftaateö oorbereitet unb ooH* 
jiefjt (1200 — 1264), mirb menig oon Ijöljeren Sntereffen getragen. 3nbem 
mir nun istänbifd>e Poeten gerabe au£ biefer Qtxtyix'w'bt ©toffe 
roätjten fefjen, tounbern mir un3 einerfettS über ifjren ÜUcanget an ©efüfyl für 
baä ®ramatifcbe, anberfeit« über ifjren fettfamen ©efdjmatf, tljrem SSotfe unb 
ber 5EBclt bie fajmäf}Iid)fte Partie ber iälänbifäjen @cfd)id)te lebenbig oor 
Slugen ju führen. 2)enn bie ©efdjidfte jener 3eit — bie in ber Sturlunga 
saga betmnbelt ift — bilbet eine ununterbrochene flteilje oon kämpfen jmifa^en 
ben mädjtigften ©efct)(ecr)tem um bie 33orfjerrfd)aft im Sanbe, begleitet oon 
SÄorb, Xobfdjlag, SSortbruaj, ©leid>giltigfeit gegen bie ©efefce, Xreulofigfeit 
unb Sanbesoerrat. 

3>a3 erftc ©efdudjtäbrama au8 ber genannten s 4$eriobe fdjrieb ber fefjr 
begabte unb t)oct)gebifbete $aftor ßggertö. 93riem (Örtm). 2)er Jpelb biefeö 



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fünfaftigen, umfangreichen $rama« ift ©ijurr PoröatbSfon (geboren im 
SBinter 1208/9), bie menig ftimpathifche #auptperfon jener Seit, meldje bie 
Untermerfung 3*lanb3 unter bie normegifche ÄönigSmacht am meiften geförbert 
unb fdjliefetich auch — ofme einen ©c^roertftrcic^ — bemerfftelligt trat- 
tiefer ©ijurr mar ein SRitglieb be« ^oc^ange^enen ©efchtechteS ber £aufb;elir, 
ba3 feinen ©tammftfc auf bem £ofe #aufabalr in ber 9tät)c be§ berühmten 
©etjftrS im fübtid&en Sslanb hatte. @r legte frühzeitig eine feltene fReifc beS 
©eifteS an ben Sag, inbem er f<r)on im Slttcr oon 12 Sauren am Slltfungi 
eine ©ache führte. SRit 15 Sauren heiratete er eine Xochter be§ berühmten 
iglänbiföen ©efdjichtafchreiberS unb $id&ter§ ©norri ©turlufon, trennte fia) 
oon ihr jeboch nach acht Saferen unb mürbe $um geinbe biefeä bamal« 
mäcf>tigften ©efchledjtea (ber „©turlungen"). Obgleich felber ein mächtiger 
Häuptling, trat er boch, mie e3 fefjon fein ©chmiegeröater ©norri unb 
mand> anbere Häuptlinge getan, in ben Sienftoerbanb be8 normegifchen 
Königs #äfon #äfonarfon unb marb um beffen ©unft unb Unterftüfoung 
in feinem ehrgeizigen Streben nach Erreichung ber DberherTfchaft auf 3§lanb. 
(Sr oerfprach bem Könige bafür, 3$lanb auf frieblichem SBege unter beffen 
Sotmäfeigfeit ju bringen, ©anj baäfelbe taten aber auch Die ©turfungen, 
unb fo fam e§ ju einem langanbauernben SSettbetoerb jmifchen beiben Parteien, 
ber auf $Slanb ju blutigen kämpfen unb gräulichen äJtorbtaten führte, ©ijurr 
mürbe oon ©turla ©igfmatSfon gefangen genommen unb mufcte biefem anmafeenben 
Häuptling breite unb ©efwrfam fchmören. @r hielt jebod) ben ©chmur nicht, 
fonbern lieferte (1238) bem ©turla im Vereine mit ftolbeinn 9lrnöräfon, 
genannt „®olbeinn ber junge", bem Häuptling ber ©fagftrÖinger im Horben 
SslanbS, $u ÖrlrjgSftaÖir ein ©efecht, in bem ©turla famt feinem alten 
Sßater fiel, morauf ©ijurr noch &rci ©ruber be§ ©turla gefangennehmen 
unb hinrichten liefe. 3m Safjre 1241 überfiel unb tötete er feinen ehemaligen 
©chmiegeröater ©norri auf ©eheife be3 normegifchen ftönigS, gegen ben jener 
mortbrüdjig gemorben mar. ©r fajien nun mirflich bie Oberherrjehaft auf 
33lanb gemonnen ju haben, als ihm in PörÖr ftafali (b. h- Rachel), einem 
©ruber beä ©turla ©ighoatäfon unb ©ünftling be3 normegifchen ftönigS, 
neuerbingä ein gefährlicher Nebenbuhler erftanb, mit bem er balb in 
©treitigfeiten öermicfclt mürbe. £a befchloffen ©eibe, bie Schlichtung ihres 
3mifte3 bem Könige ju übertragen, ju bem fie fich im ©ommer 1246 
begaben. Diefer entfehieb enblich im 3uli 1247, am Sage nach feiner 
Krönung buref) ben päpfttichen Segalen, jugunften PörÖä. $a förör jeboa) 
auch ie&t mieber mie fdmn früher mehr auf bie ©noeiterung feines eigenen 
ÜHachtgebieteS als auf bie ihm jur ©ebingung gemachte görberung ber 
föniglichen ^ntereffen bebadjt mar, mürbe er nach einigen fahren nach 



— 56 — 

Sßortoegen jurütfberufen. ÜWunmeljr fom an ©ijurr bic SReilje, in bie $eimat 
ju gef>en, um be3 SönigS $tbfid)ten auf ^Slanb SU Oerwirflidjen. @r geriet 
aber balb in Streitigfetten mit ben $tnr)ängern be$ PörÖr, unb obgteid) er 
fid) mit einem Xeile biefer Partei fd)on auSgeföfjnt tjatte, würbe er 1253 
bod) auf feinem #ofe gtugum^rr überfallen. $a bie geinbe feiner nidjt 
fjabtwft werben tonnten, jünbeten fie ben #of an. $ie Zweite) grau 
unb brei ßinber ©ijurS famen in ben glommen um, wcüjrenb er felbft nur 
wie burd) ein SBunber entfam. 9iad)bem er an ben ättorbbrennern $ad)e 
genommen unb fieben oon u)nen getötet fjatte, fet>rte er 1254 nad) Norwegen 
$urücf. £er Sönig brang nun aber mit aller @ntfd)iebenljeit auf bie enbltdje 
Unterwerfung 33tanb3 unb fanbte ©ijurr neuerbingS nad) ber 3ufet, nad)* 
bem er if)m im ©ommer 1258 ben Xitel eine« 3art3 unb bie größten 
«Waajtbefugniffe über 3$Ianb oerliefjen Ijatte. 3n bie £eimat äurürfgefetjrt, 
entfaltete nun ©ijurr ben größten s #runf unb umgab fid) mit einem förmlidjen 
$offtaate. ©r unterwarf fid) aud) einige ber angefe^enften ÜRänner, bie ifjm 
fetbft unb bem Sönig Xreue fajtoören mufeten; er tiefe aud) einen unbot* 
mäfcigen (Segner l)inrid)ten, betrieb jebod) im Übrigen bie Unterwerfung ber 
3nfet für ben ®önig wieber fo läffig unb jweibeutig, bafj biefer einen 
energifdjeren Ütfann nad) S^tanb fanbte, um bem treutofen ©piete ©ijurä 
ein (Snbe ju bereiten. 9hmme6r fügte fid) enbtid) aud) ber %axt unb bewirfte 
5unäd)ft (1262) bie Unterwerfung ber Sßorbfänber unb ber SKe^rja^I ber 
©übtänber unb im 3ar>re 1264 and) bie beS übrigen SeiteS oon 3$lanb. 
Aufrieben mit bem ©iege, ben er perfönlid) über feine ©egner errungen, 
legte ©ijurr freiwillig fdwn im Safire 12( > 7 feine SartSWürbe nteber, um in 
ein oon feinem Sßater geftifteteä Sfofter ju treten. <Sr ftarb jebod) nod) früher, 
am 12. Sänner 1268, nur neununbfünfjtg %a\)xt alt, aber mübe üon ben 
kämpfen unb 5ftifjgefd)iden feines 2eben§. 

$03 Srama »GizurrPorvaldsson«, bem bie Sturlunga unb bie 
Häkonar saga gamla jugrunbe liegen, erfd)ien erft nad) be3 SSerfafferS 
Sobc (9. 90?är5 1893) in ber oon grau Sorffulbur Porfteinäböttir §olm 
herausgegebenen 3af)re#fd)rift »Draupnir« (3af|rg. 1895—1899). Dbgletd) 
nun barin bie ganje 2cbenSgefd)id)te feinet gelben, ja bie ganje ©efd)id)te 
ber „td)retftid)en" ©turlungenjeit aufgerollt wirb, bleibt bie $anblung bod) 
auf brei, überbieS in feinem inneren bramatifdjen 3"f<"u>ncnl}ange ftct)enbe 
©pifoben befd)ränft. $iefe finb: erftenS bie $u Ungunften ©ijurS auSfaflenbe 
©ntfd)eibung be£ Königs oon Norwegen über beffen oorerwä^nte ©treitigfeiten 
mit feinem telänbifdjen SRioalcn PörÖr aus bem ©efd)led)te ber ©turtungen, 
bie mit ben oorauSgefjenbcn ©tunben ber jweifetnben Erwartung fid) über bie brei 
erften Wte erftreeft (am 30. $uli 1247); jWeitenS ber beginn ber aunäd)ft 



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57 — 

erfolglos bteibenben Verfolgung ber 9Korbbrenner, meldje ©ijurS $of 
ftluguntfrr in ©ranb gefteeft Ratten, am 22. Dftobcr 1253 (4. 2lft), unb 
enbtid^ brittenS bie lefcte SebenSftunbe unb ber Xob ©ijurS am 12. Jänner 1268 
(5. mt). (Sgl. bie Ijier überflüffig erfdjeinenbe ausführliche Snfmltäangabe beS 
Dramas bei #üd)ler, ©ramatif, ©. 43—46.) ©S fehlt bem, mie man fieht, 
gonj unbramatifchen ^robufte faft jebe toirftiche £anblung. SlHeS, maS toichtig 
ift, boüjie^t fid) in ben Bmifchenaften. 9£ur 9*cbeftüffc ergiefcen fia) — feiner 
uferlos — über ben 93oben ber hiftorifchen Satfacben bahin, oon benen felbft 
bie aflerbebeutungSoottften ©reigniffe blofj gefprächStoeife ermähnt ober in ber 
gorm eineä ®eifter* unb XeufelSfpufS oorgeführt werben, ©ogar baS folgen* 
fdjtoerfte (SreigniS im Seben ©ijurS unb in ber ©eföidjte SSlanbS: bie 91uS* 
lieferung ber ^nfet an ben normegifajen Sönig, melcfje in bie jtoifchen bem 
oierten unb fünften Sitte gelegene Beit fällt, wirb im fünften Sitte nur gang 
nebenbei ermähnt unb als befannt öorauSgefefct. 3Ran mufe fet)r genau mit 
ber @efd»d)te SslanbS ju jener Qtit oertraut fein, um ftd^ in ber oermirrenben 
Spenge ber fpielenben ^erfonen (54), fomie aud) jener s ßerfonen unb ©reigniffe, 
bie nur ermähnt merben, jurecht $u finben. Sßon einer ©barafteriftif ber 
£auptperfonen fann überhaupt nid>t gefprodjen »erben. $te befte Srigur ift 
noch ein Hofnarr beS nortoegifchen Königs. 

SSiel gefajicfter unb mirfungSbotter finbet fieb ein ©toff aus berfelben 
OefdnchtSperiobe ^SlanbS in einem $rama 3«briöi (SinarSfonS, bem 
fünfaftigen, im Satjre 1899 ju 9teQfjao(f erfduenenen ©dwufpiel »Sverö 
og bagall«, b. h- ©djmert unb Srummftab, befjanbelt. Söeüor mir 
unS mit ber neueften bramattfajen ^robuftion 3nbriöi ©inarSfonS eingehenoer 
befchäftigen, feien ^ier noch einige $aten über ben $idjter felbft eingefajoben. 

3nbriÖi (SinarSfon ift jefct 52 Qafyxe alt. @r fam im ©ommer 1872 nad) 
Kopenhagen, ftubierte ^ier bie ©taatStoiffenfdjaften unb mar ber erfte Sslänber, 
ber baS ©taatSeramen aus biefer EiSjtplin, u. jto. mit bem beften ©rfolge 
ablegte. ÜHaa) 9?entjabif jurütfgefchrt, mürbe er juerft ©chreiber beim 
„ßanboogte" (b. i. bem oberften ginanjbeamten SstanbS), bann (1880) 
SReüifor im 2anbeSred)nungSamte. liefen ^Soften befleibet er noch jefct. 
Sieben feinem Hauptberufe befdjäftigte er fid) feit 1879 befonberS eifrig 
unb erfolgreich mit iSlänbifchcr ©tatiftif, ja er Ijat biefem Btocige ber 
©taatStoiffenfd&aften auf 3slanb erft bie richtige miffenfdwftliche f$orm gegeben 
unb bementfpredjenb bie periobifd>en ftatiftifajen Berichte (»Landshagsstyrslur 
fyrir Island«) oerfafjt. @r fdjrieb ferner einige politifd^e unb nationalötonomifa^e 
Strtifel.*) SBä^renb feines Slufent^altcS in ft'openfjagen lernte 3nbriöi bie 

*) S3fll. Sunnanfari, X. (^epfjaDif, 1902), ®. 73—74. 




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— 58 — 



i 



älteren ©tütfe 3bfen3 fennen, nadjbem er fdjon früher aufeer griedufdjen unb 
römifdjen Dramen oon ©opljofTeS, ©uripibe«, $lautu3 unb XerentiuS bie 
tlaffifc^en 93üfmenbidjtungen ©f)afefpeare«, ©oetljeS unb ©djitlerS ftubiert 
f>atte. $ier änberten fidj feine literarifc^en Slnfdjauungen, er mürbe tReatift. 
(£r benüfcte audj biefe Seit, um [eine ©tobten über baS Söefen unb bie 
Xedjnif be3 Eramaä ju oertiefen. 3ebod) fd)rieb er erft 1882 lieber 
ein neue« ©tücf, »Systkinin i FremstadaU ($ie ©efdjmifter im tfremftibalur), 
ju bem er bie 3bee ber griedjifdjen ©age oon ber ©olatea entnahm. %aä 
bod) toieber ganj romantifdje $rama mürbe 1894 einige 2Me in 9tei}fiaot'f 
aufgeführt, mobei e3 eine geteilte 9Tufnatjme fanb, moljl meil e$, tok ein 
telänbifdjer Sfritifer bemerfte, „als regclredjteä iSlänbifd) * ootf «tümtidje« 
©djaufpiet meber «oget nod) gifcJ) ift". 

2Ba3 nun „©djmert unb Strummftab" betrifft, fo ift biefe* fcrama 
Iwuptfädjlidj auf ein furje«, jnft nidjt feljr fpannenbeä Kapitel ber Sturlunga 
(Islendinga saga, 146. ftapitet, Ogt. I. 99anb, ©. 382—384 ber Orjorber 
2lu£gabe) aufgebaut, ba3 fidj faft auSfdjliefjlidj um Pörölfr SBjarnafon, einen 
müften ©efellen, aber beliebten ©efolgSmann be$ mächtigen StorblanbS* 
Häuptlings ftolbeinn „be3 jungen" (ogl. oben ©. 55), bejie^ung«meife um 
beffen (Srmorbung unb bie ben 2ttötbern oom Häuptling auferlegte ©üfme brefjt. 
S)er Eidjter Ijat jebodj biefen mageren ©toff mit großer fünftlerifd)er 
Öretfjeit unb gefdndter SBermerrung ber bamaligen (Sreigniffe fomie fonftiger 
fdjeinbar untoefentlidjer, an anberen ©teilen ber ©aga berührter ÜRotioe im 
©eifte jener Bett beljanbelt unb nadj feinem Vermögen bramatifco, gemattet.*) 

$er Snfjalt be3 $rama$ ift folgenber: Solbeinn „ber junge", (geb. 1210, 
geft. 1 245), ber auf bem #ofe ^lugumyrr rooljnt, ift fdnoer erfranf t unb füljlt 
fidj bem Xobe nalje. $)arum toiü er feinen Detter Vranbr, Häuptling auf 
SReoniftaÖr, unb beffen ©ippe fomie feinen bem Vranbr ergebenen ©djtoager 
Srobbi PorleifSfon bei fid) feljen, um fidj mit ifmen megen ber iljm oon feinem 
©egner PörÖr föadjel brofjenben Kriegsgefahr ju beraten unb Söeftimmungeu 
über bie Verteilung feine« SanbgebieteS 511 treffen. 9Jiit biefer ©otfdjaft an 
Söranbr toirb Pörölfr betraut, ber als oerroegener $ämpe bei $olbeinn unb 

*) (S§ ift mir bafcr nidjt redjt oerftänblid), roenn Äüdjler im Sßonoorte ju 
feiner beutfdjen Überlegung be3 ©tücfeS (©. XIII — XIV) f djreibt: „$er Umftanb, baß 
er bie ©rmorbung X&orolf VjarnafonS aus bem gefdjtd)tlid) überlieferten 3^re 1241 
in ba$ ^afjr 1244 oerlegt, bilbet faft bie einjige bid)terifdje 3reu)ett, bie fia^ ^nbriöi 
(£inar$ion geftattet ^at . . . 2llle übrigen SBer^ältniffe unb Vorgänge ^at er fo 
bargeftellt, roie fic üd) nad) ber gefa)id)tlid)en Überlieferung im ^rübja^re 1241 
oeriuelten, unb man tann iuo^I behaupten, bafe er ber ^iftoriföjen Überlieferung in 
Willem, n>a§ in feinem $>raina gefa^ie^t unb gefprod)en roirb, mit fo großer ©enauigleit 
gefolgt ift, bafc fein 35rama in biefer fcinfidjt al« eine üJtufterbtdjtung gelten tann." 



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beffen ftoljer unb ^errfc^füc^tiger ftrau §elga, mit bct iljn ^cimtit^c Siebe 
oerbinbet *) fc^r beliebt, megen feiner 9J?orbluft unb ©eteibigungen jebod) 
fonft allgemein oerlja&t ift. Stuf SRetmiftaÖr empört biefe Wbfenbung um fo 
meljr, als Pörölfr bie ©rmorbung be$ ©aterS unb eines ©rubere ber Störunn, 
ber 5rau be3 ©ranbr, oerfdjutbet Ijat unb aud) jefct ben ©ranbr, einen 
friedfertigen SKenfajen, buref) ben ©ormurf ber üfcig^eit ferner beleibigt. 
©Ieicf)tt)ofj( begibt fia) biefer mit ©robbt unb jelm anberen Seuten nadj 
Slugumyrr. ®olbeinn, bem über 5lnftiften $elga8 ein finnoermirrenber Xranf 
gereicht morben mar, mirb auf ©dnlben in bie ©tube getragen, begleitet 
oon 536tölfr, bem ©ifdjof be8 ÜftorblanbeS, ber iljm foeben bie ©eidjte 
abgenommen ^at. Stolbeinn erflärt, ba8 Sanb oerlaffen unb fein ganjeä 
SDcadjtgebiet bem PörÖr Sachet abtreten ju moUen als ©üt)ne bafür, bajs 
biefer burdj u)n in bem Kampfe oon ÖrtygSftaöir feinen ©ater unb fünf 
©rüber Oertoren b)at, unb um bem ©olfe enblidj ^rieben ju fdjaffen. $amit 
mären natürlich ©ranbr unb ©robbi um ihre (Srbanfprüdje betrogen, unb 
fie proteftieren bafjer mit fötaler @ntfa)iebenf)eit, bafj ftolbeinn eine anbere 
©ntfajeibung trifft, bie aber 3enc noa) nicht befriebigt, meit infolge 
Einbringend £elga3 auf ihren in ©emufjtlofigfeit faüenben 3Rann auch 
Pörölfr mit einem ßanbftrich bebaut mirb. $oct) müffen fid) ©ranbr 
unb ©robbi angefichte oon 60 bemaffneten Männern, bie £>elga bereit 
hielt, biefer (Sntfdjeibung fügen, unb ©ranbr mirb gejroungen, mit Pörölfr 
emigen ^rieben ju fcf)lief$en. ©ranbr fefjrt mit feinen Seuten nach !paufe 
jurücf, ebenfo Pörölfr mit jroei ©egleitern. tiefem erfcheint untertoegS in 
einer $i>hle Oöinn in einer ©ermummung (als 3$rngrimr) unb oerfünbet 
iljm, bafj er megen fetner ©ajanbtaten ben Sag nicht mehr überleben merbe. 
<5r mirb auch mirfltaj aläbalb auf ©etretben ©robbte oon ©ranbr unb beffen 
©enoffen überfallen unb enthauptet. ®leicf> barauf erfcheint bei berfelben #ör)te 
£>elga unb mirb fo ßeugin ber ©luttat. $elgi ©faftafon aber, ein ÜRanne 
be3 ©ranbr, melier bie Einrichtung Pör6lf3 oodjog, roifajt fein noch Mut» 
triefenbeS ©chmert an &elga3 ©Fleier ab.**) 9Qßit oerberbenfünbenbem Säbeln 



*) ©gl. Sturlunga, VII., Äap. 122 (6. 347-48) unb ftap. 146 (@. 384). 

**) tiefer 3ug ift Her Sturlunga VII., Äap. 185 (II. ©b., ©. 38) entnommen, 
roo erjagt mirb, bafj SISbjörn fein Sajioert, mit bem er ÜJtagni ben ftopf abgehauen, 
an ben ftletbern be§ herbeigetommenen SBeibeS beS ®etöteten, ©igbi'3, oom ©lute 
reinigte, ©efannter ift eine gleiche ©jene au« ber Laxdada saga, Kap. 55, jroifchen 
ipelgt iparöbetnäfon unb ©uörün Ofoffsbottir ; ogl. „ftjartan unb ©ubrün (Laxdacla 
saga, ftap. 28—29.) 2lu§ bem 2Utiölänb. jum erftett 9Wale in« $eutfd)e übertragen 
Don %x. ipeinr. o. öent" (im 3entral»0rgan f. b. ^ntcreffen be8 9tealfd)ulroefeng, 
XXIV. 3at)rg. 18%) @. 477. 



Digi 



— 60 — 



I 



tierlögt ba3 $toeifad) fo ferner gefränfte SBctb bcn ©dmuptafc be$ ÜWorbeS 
unb nimmt bic ßetaje be3 ©etöteten mit fid) nad> $aufe. $ie üRdrber jebodj 
taffen ftd) ft^teunigft tiom 93ifd>of SBötötfr ju £ötar öom Sanne befreien, 
in ben fie burdj iljre Untat oerfaflen waren. ?tber mäljrenb fte fid) noaj 
in ber $omfirdje befinben, erfdjeint fjier aud) fcfwn ßolbeinn — ein paar 
Xage nur, nadjbem er totfranf gemefen [!] — an ber ©pifce üon fjunbert HRann, 
um SRadje für bie (Srmorbung Pörölfr« ju nehmen. SBrobbi eilt fog(eid) öon 
bannen, um fo tiiet äRannfdwft jufammen ju bringen, bafe er Äolbeinn mit 
Übermalt angreifen unb bie SBefeftigungen öon #6tar befeften fönne. 
$1(3 Äolbeinn erfährt, bafj bie SRörber bereite bie Wbfotution ermatten Ijaben 
unb ©ötölfr eine friebfidje Beilegung be3 (Streitfalles befürwortet, betrautet 
er ben Sifdjof als feinen Öetnb unb nimmt if)n im öoflen Ornate öom Stltar 
weg gefangen. 5)a läßt nun SBötolfr ben „©otteSfrieben" über bae ßanb 
läuten, ber jur Solge Iwt, bafj jebe wäljrenb beffen $)auer tierübte <5d)anbtat 
breifad) gefüfjnt werben mufj. 3)aburd) ift nun aud) ©robbi, ber jefct fd)on — 
nad) etwa einer falben ©tunbe [!] — mit 200 Scannen angerücft fommt, 
bie 2Röglid)feit genommen, Solbeinn anzugreifen unb $u befiegen. Salb barauf 
befugt |>elga i^re SKuljme ^[örunn, unb bie befteljcnbe Abneigung $wifdjen 
ben beiben grauen fteigert fid) ju offener fteinbfdwft, ba £>etga erflärt, if)r 
Üftann twbe ujr als €>üf)ne für bie ©rmorbung Pörölfs baS Seben ©ranbS 
tierfprod)en, unb fie wolle eS aud) fjaben, wenn nidt)t ein Slnberer ftdf) für 
it)n opfere. 93ranbr, ber mit 93robbt |>tflar befefct fjält, miß nodj mef)r 
9Jtonnfd)aft jufammenbringen, um STolbeinn mit Ubermadjt entgegentreten 
51t fdntten. ©ein Aufgebot bleibt jebod) erfolglos, ba niemanb gegen ftolbeinn 
ju fämpfen toagt, unb ba Sranbr überbieS erfährt, bafj Sölbeüm geheime 
<$änge fenne, bie inS innere beS SöifajofSljofeS führen, finbet er feinen anberen 
Ausweg, als fid) nod) oor Ablauf beS ©otteSfriebenS freiwillig in ftolbeinS 
©eroalt ju begeben. DteS gefd&iefyt. ^örunn aber begleitet in ÜJJänncrfleibern 
unerfannt iljren SKann, ber fid) mit feinen Slnljängem nad) SlugumVrr begibt. 
$ier werben bie Seute tion 9flet)mftaÖr gleid) überaus fdjledjt aufgenommen 
unb befjanbeft. $elgi wirb auf einen Sin! ber £>auSfrau of)ne SBeitereS 
niebergemadjt. 'Siefe roifl aber noa^ it)r anbere^ Dpfer ^aben, unb als nun 
Sörunn ibr Seben für SBranbr barbietet, ift ^elga graufam genug, aud) 
biefeS annehmen $u motten, unb felbft Solbeinn finbet bagegen nidfjtä 
einjumenben. 55a fajicft fio) ber S3ifa^of, ber b,ier noeb, ai$ befangener weilt, 
an, über £>elga unb ^olbctnn ben 93annflud) auöjufp rechen, faflä fie nidjt 
einen fneblid^en SSergteidö mit SBranbr unb beffen öeuten fdjliefeen. $8or bem 
Sanne nun meiajt ftolbeinn, mciajt baS ©ajtoert oor bem ftrummftab jurürf, 
unb ber Sergleidj fommt jju Stanbe. 



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— 61 — 

Da« Stüä* enthält mancherlei Sorjüge unb Schönheiten. *Bor allem 
fcheint mir bie Stimmung be« ßeitalter« äiemlidj gut getroffen ju fein. 
<£« »irrt in 93e$ug auf bie $anblung unb ben Dialog faft mie eine 
bramatifierte (Saga. Much läfjt fieh bem fangen eine geroiffe ©rofougigfeir 
nicht abfprechen. $aupt* unb ftebenperfonen finb jumeift trefflich gejeiefmer 
unb erinnern 3. %. an tjiftorifdje ©eftalten 3bfenS. ©inline ©jenen finb 
oon paefenber SBirfung. ©009 jeigt eS fic§ auch t)ier nrieber, ba§ ber Dichter 
mehr Sinn für ba« DhMtralifche al« für ba« Dramatifche befifet. Der 
Hauptfehler be« Drama« befielt barin, bafc bie fernere Sdjulb nicht bie 
entfprechenbe Sühne erhält. Semer gebricht e« bem ©tücfe an @int>eitlid}feit 
ber ^panWung. @« taufen jroei ftauptfäben nebeneinanber ; benn toäljrenb 
einerfeit« Pörölf« ffirmotbung unb beren ©filme al« ba« eigentliche fyaupU 
motio be« Drama« erfcheint, toil! ber Dichter bodj — toie ber Xitel be£ 
Stüde« belunbet — ba« $auprgeh)icht auf ba« Problem be« ©egenfafceS 
jtoifchen Sdnoert unb firummftab legen, beffen Söfung überbie« in menig 
befriebigenber SEBeifc erfolgt. ©« ift bodj faum oerftänblich, baß $olbeinn — 
überhaupt ein feltfamer ©hrift — , ber fct)on ben Vorgänger be« SBifdjof« 
Söötölfr auf« Sd>Iimmfte befjanbelt fyatte unb auch oor biefem felbft fo 
geringen fRcfpeft befunbet, bafe er ihn bloß Joegen feiner friebenuermittelnben 
Xätigfeit gefangen nimmt, plö|lid> oor bem ©annftuche jurüefroeicht. Diefe 
Sdfung be« ßonflifte« tommt ganj unertoartet, ift im ©harafter Solbein« nicht 
motioiert, baher unbramatifch unb fchtoädjt bie SBirfung be« ganzen ©tücfe« 
bebeutenb ab; furj, bie Schwächen überwiegen bie SÖorjüge fo fefjr, bafj 
„ScfrtDert unb &rummftab", fjenifch betrachtet, jroar immerhin als ba« bisher 
befte islänbifche Drama, jeboajnoeh feine«toeg« al« ein mirftiche« „ÜDceiftertoerf" 
bezeichnet roerben fann. Da« Drama ift auf 3«fanb nicht aufgeführt, aber 
bereit« in« Deutfche unb Dänifche*) übertragen toorben. Die beutfcfjc 

*) 2Iuf ©runb ber im %at)tt 1901 erfduenenen b ä n i f d) e n Überfettung btefe« 
Drama« oon §enrit Uffing unb ber ihr oorauSgefcbictten Einleitung oon §olger 
SBiehe oeröffentlichte Dr. ^einrieb $ubor in ber Beilage jut (SDlündmer) „Slttge* 
meinen 3eitung", 1901, ©. 196—197, einen turjen 2trrifel über „9teut«länbifcbe 
bramatifd)e Siteratur", in bem fid) mancherlei Unrid)tigfeiten (j. 33. „Draufjenlieger" 
= Seeräuber) ftnben unb ber um ein 3abr früher erfchienenen beutfehen Überfe&ung 
be« Drama« mit feinem 9Borte gebad)t ift. Dr. ^ubor fchrieb übrigen« auch Slrtitel 
über „9ieu<=i«länbiiche Sgrit" nach Olaf hänfen« bänifchem Söüdjletn »Ny-Islandsk 
Lyrik. Overssettelser og Studier« (Kopenhagen, 1901) ohne barin $u ermahnen, bafc 
fdjon feit 1897 ein oiel reichhaltigere« 2Betf über benfelben ©egenftanb in beutfdjer 
Sprache („SSlänbifd)« Dichter ber Weujeit in Sharatteriftifen unb überfefcten groben 
ihrer Dichtung", öeipjig, ©. §. SWeoer) oorlag. 6« ift bie« jebenfall« eine merf* 
roürbige 2Rethobe, ba« beutfehe ^ublitum mit einer fremblänbifchen Öiteratur 
befannt ju machen. 



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— 62 — 

tiberfefcung („©dnoert unb ftrurnrnftab", «erlitt, 1900) bat äüdjter 
beforgt.*) 

3n jüngftcr 3ett hat übrigen* 3nbriöt (SinarSfon bcn «erfuch gemalt, 
3bfen* ©puren auch auf bem ©ebiete be§ mobernen ©efeltfchaft*bramaS $u 
folgen. 2Bir erfef>en bie* au* feinem neueften ©djaufpiet (in 4 Sitten): »Skipiö 
sekkur« b. b. Sa* ©djif f finf t (Söeffaftaötr, 1902), ba* einen ©toff au* ben 
höheren bürgerlichen ©efellfchaft*freifen 9fteufiaoff* in ber ©egenwart behanbelt. 

Sie Hauptrolle in biefem ©tücfe fpielt ©igrt'öur, bie grau be* ftaftor* 
eine* bänifdjen #anblung*haufeS namen* So^nfen. ©igriöur ^atte biefen 
SDcann öor jtoanjig fahren geheiratet, obgleich ihr £er$ einem anbern gehörte. 
Sie @he rourbe bafjer auch unglüeflich, jumal fid) S^nfen al* ein ganj 
pflichtoergeffener Sttenfd) unb überbie* als ein arger ©ättfer, SSerfajmenber 
unb ©dmtbenmacher erhrieS, ber bie anjef)nliche 9Hitgift ber ftrau an ©etb 
unb ©runbbefifc oergeubete. Sie Slbneigung gegen if>ren 9Rann fcheint bei 
©igrtöur auch bie Siebe ju ihrem eigenen Sinbe, ber jefct im heiratsfähigen 
Hilter ftet)enben «runf}ilbur, beeinträchtigt ju haben, «ei ©eginn be* ©tücfe* 
fteht 3ohnf e " öor bem ^ufammenbruche j e j ner ntaterieflen (£rjften5. ©inar, 
ber Buchhalter beSfelben #anblung*hau)eS, ftärt ihn über bie Unhaltbarfeit 
feiner Sage auf, inbem er ihm feinen ©chulbenftanb bem ©efchäfte gegenüber 
oorhält. Slber trofc aller ©rmahnungen, eine anbere 2eben*meife ju führen 
unb bie ihm anüertrauten ^ntereffen niajt ju oernachläffigen, begibt fich 
Sohnfen auf einen ^QgbauSflug, ber ihn acht Sage lang oom $>aufe fern 
hatten fofl. @inar oerftänbigt nun auch bic 5rau Solmfen* bon bem 

*) Sie beutfcfye Überfefcung ift im @an,$en rooblgelungen. 3" oerbeffern roären 
unpaffenbe «ejeiebnungen rote „^ürft" für einen iSlänbifdjen Häuptling; „Meid)" 
(fogav „großes Stetd)") für ben «ejirf ober ba§ auS mehreren «ejirfen beftebenbe 
9Jtad)tgebiet eines Häuptlings (roofür iSlänbifch aüerbingS auch bie «ejeiebnung 
»riki« gebraucht rourbe); „freer" für eine SJlannfdjaft oon 100— 200 äJiann, 
„©trafeen" für ©ebirgSroege, bann ©pradjunrtebtigfeiten rote „©iänägel" ({o jroeimal 
auf ©. 88) für ©ifennägel, „ba fifet bu" für ftBeft bu, u. bgl. mehr, @anj ungehörig 
ift auch bie moberne oulgäre SRebenSart: „Sa hört boch MeS auf" (©nfdjiebfel beS 
ÜberfefcerS). ^rrefübrcnb ift ber 2tuSbrud ©. 21 unten, roo Stolbeinn ber junge fagt: 
„3hr rotfet ja, bafe Porö Äafali burd) meine ^anb feinen «ater unb fünf «rüber 
oerloren bat"; eS muß — aud) bem Original entfpredjenb — bei&en: „burd? mich/' 
(nämlid) in bem ©efed)te $u ÖrtpgSftaöir ; benn nicht ftolbetnn fonbern ©ijurr hat 
bei ber Üötung ©turlaS felbft !£>anb angelegt, unb ©ijurr roar eS auch, ber gleid) 
nad) bem Kampfe brei anbere «rüber PorÖS hinrichten liefe; ogl. bie Sturlunga saga, 
Orforber SluSgabe, I. «anb, VII. Seil, 143. tfap., ©. 377—379). Unoerftäublich blieb 
Süd)ler ber 9iame « l a n b a (eines ^lußeS, ber in ben frünaijöröur im «Rorboiertel 
3§lanbS münbet, ogl. mein „QlSlanb" ©. 180-181); fonft hätte er ©. 24 nicht 
überfe&en fönnen: „PorÖ fommt . . . niemals roieber lebenb roeiter nad) SBeften 
als «lanba", ftatt: niemals lebenb roeftlicb über bie «lanba jurüd (f. aud) ©. 27). 



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— 63 — 

brof>enben ©djitffale unb erteilt ifjr ben Sftat, fia) oon iljrem Spanne fcfjeiben 
au taffcn. $0$ babon Will ©igriöur nid)tS wiffen. $a gibt fidj if)r (Sinar 
als ü>ren Stiefbruber ju erfennen unb bietet if)r für ade 3ufunft feinen 
©cfiuk unb feine Unterftüfcung an. ©igriÖur jeigt fidj naaj afl biefen Stuf* 
flärungen wenig bewegt, unb eS wirb weiter ju bem ©alle gerüftet, ben 
Sodjter unb SWutter an bemfelben Xage befugen wollen. SBalb barauf er* 
fdjeint im £aufe ber SSere^rcr 23rr;nl»tbS, ein fianbtbat ber 2Rebijin namens 
färiftjdn, ber im ^Begriff ftefjt, nadj ßooenfyagen ju reifen, um bort feine 
©tubien ju öoflenben. $aS $aar oertobt fia) mäf>renb biefeS 3ufammenfeinS 
unb erhält auaj bie Einwilligung ber SKutter, nadfbem biefe ben Bräutigam 
in bie bezweifelte Sage, in weldje bie Familie geraten ift, eingeweiht unb 
ton ifym baS 93erfpredjen ermatten f)at, bafe fie föäter in feinem $aufe Stuf* 
nafjme finben werbe. 9?un fteflt fid) audj ber einfüge S8cret)rer ©igrtöS, 
$jdlmar, ein, welker injmifdjen ein reifer ©utsbefifoer im Sßorbbiertel 
SiSlanbS geworben ift. @r f)atte ficf> bamals bon ©igrtöur abgemenbet, 
weil er eS nidjt wagte, fie, als feine Same, mit ber Pflege feiner franfen 
Butter ju betrauen. 9tun aber wirb alsbalb ber oor fo langer 3^it ab* 
geriffenc Saben ifjreS SßerljältniffeS im ©efpräd)e wieber angefoonnen. — Um 
bem ^Bräutpaare einen ungezwungenen SBerfetjr auf bem iöatte $u ermöglichen, 
werben einige ®tatfd)bafen ber ©tobt eingraben unb bon ber ftattgefunbenen 
Verlobung oerftänbigt. ÜBäljrenb biefe ©efettfdjaft nodj beifammenfifct, er* 
fdjeint jebod) plöfclia) unb augenfdjeinltd) in ftar! betrunfenem 3uftanbe 
Soljnfen, ber jurücffeljrtc, weil baS ^Sferb, baS mit jmölf Sfafajen 2Bf)iSfü 
unb Sognac betaben war, geftür$t ift unb babei alte ftlafajen jugrunbe 
gegangen finb. @r oerlangt jwötf anbere Slafajen, beteibigt bie an* 
Wefenbe ©efettfdjaft bura? fein rabiates SBeneljmen, unb als er bon einer ber 
eingelabenen tarnen erfährt, bafj f)ier bie SSerlobung feiner Xodjter gefeiert 
worben fei, gerät er in folaje Sur, bafe er fiaj in rot)efter SBeife an feiner 
ftrau oergreift. — $er @djaupla$ beS ^Weiten SlfteS ift ein SBorjimmer 
$um geöffneten 93aflfaate. (Sigrtöur unb palmar, SBrbnljitbur unb föriftjdn 
beteiligen fid> eifrig am Xanje. Studt) ^oljnfen ift jugegen unb trifft mit 
ftriftjdn gufammen, bon bem er erft erfährt, bafe biefer felbft ber Verlobte 
*Brmif)ilbS fei, womit er nun gan$ einberftanben ift. ©leid) barauf fomntt 
(Sinar. (£r füljrt bem immer nodj forglofen 3of)nfen neuerlidj ben traurigen 
©tanb beS ©efajäfteS oor Slugen unb empfiehlt ifjm als legten SRettungS* 
berfua), einen auf bem Salle anwefenben Öreunb ju Überreben, bafj er iljm 
ben ©a^ulbbctrag üorftreefe; er felbft wolle für jmei drittel beS SBetrageS 
gutftefjen. ^o^nfen fua)t nun ben ^reunb junäd^ft berrunlen 5U machen, 
bamit er gefügiger werbe. $ieS gelingt i^m aua); allein im legten Hugen* 



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I 



— 64 — 

blicfe Rettert bie <§a$e an bem SBiberftanbe ber grau bef ftreunbef, worauf 
3fohnfen baoon eilt, um fich auf feilten unterbrochenen Sagbaufflug ju be= 
geben, Snatoifchen war burdj einen ©tubenten ein Xrinffprudj auf bie 
Sternen aufgebracht worben, ber eine t)öd)ft ungalante ©pifce gegen bie 
heutigen Räbchen enthielt, bie ba um jeben $retS einen föing auf bem 
Singer h^en wollen . . . $>iefe Xaftlofigfeit i)at eine allgemeine 58er» 
ftimmung bei ben Xanten jufolge, infbefonbere aber auch bei ©rttnhilbur, 
bie mit füttern ^Ibfc^icb oon Strien ben ©all oerläfct. £er flanbibat ift 
barüber ganj niebergefchmettert. %m Sorjimmer, baf fiaj für einen 2lugen= 
blief geteert f»at, treffen nun ©igrtöur unb palmar jufammen unb führen 
ein ©efpräd}, in bem ©igrtöur it)re traurige fiage offenbart unb bem 
drängen £jälmarf, iljr ferneres ßeben an feiner Seite ju oerbringen, nicht 
mehr benfetben SSiberftanb entgegenfefct wie früher. $a burch ben er* 
wähnten Xrinifprud) ben meiften SBaflgäften bie Suft am Xanje oergangen 
ift, befchtiefeen einige junge Herren, eine Söootfahrt auf bem ÜJteere ju unter* 
nehmen, an ber fich auch Äfiftjdn mit auffaflenbem (Sifer beteiligen will. — 
$er britteSlft ipielt wieber in ber SBohnung SoIjnfenS unb jwar noch in 
berfetben Stacht, palmar fommt auf ©efuch $u ©igriöur. £)af ©efprädj 
ber Reiben breht fich — währenb fich braufeen ein ftarfer ©türm erhebt — 
wieber um bie unglürflidje @t) e ©igriöf, bann um bie jauberifche Stacht, 
bie baf 3J?eer ftetf über bie grau aufgeübt habe, um bie alte gegenfeitige 
Siebe, bie in Reiben noch immer fortlebe, unb enbet mit ber Bufage 
©igrtöf, üRann unb Xochter ju oerlaffen unb mit -fjjälmar ju leben. Xa 
erfcheint (Jinar mit ber SchredenSnachrtcht, bafj baS 93oot, in bem bie jungen 
Seute ihre (Spazierfahrt unternommen, im Unwetter gefentert unb Stiftjdn 
ertrunfen fei. — 3m oierten 21fte, ber ein paar Xage nach ° cr ®ataftrophe 
fpielt, erfahren mir junächft, bafj 93runhilbur in ihrem ©djmerje über ben 
SBerluft beS Bräutigams felbft bem Xobe nahe war, fich i e &* a & er oufeer 
(Gefahr befinbe. ^ofjnfen, ben auf feinem 91uffluge bie Sunbe oon bem 
UnglücfffaUe erreicht hatte, finbet fich wieber juhaufe ein unb erfährt oon 
©inar, bafj oom Befifcer bef |>anbelfhaufef ein Brief eingelangt fei, in 
bem 3£ohnfen$ Qrntlaffung auf ben $ienften ber Sirma angeorbnet werbe, 
faflf er nicht binnen 14 Xagen bie ganje ©dmlb an baf &auf beglichen 
habe. ®a (Sinarf Bemühungen, ein Arrangement juftanbe ju bringen, 
erfolglos blieben, will fich 3foh n f on erfdnefjen, waf jeboch @inar Oer» 
hinbert. ©leiaj barauf fommt $jälmar, um fich öo* feiner noch f ur biefelbe 
s JZacht beftimmten Abreife ju oergemiffern, bafj ©igrtöur auch wirtlich mit 
ihm fahren wolle. 9Kit SHürffid^t auf bie oeränberte Sage, in bie Brtint)ilbur 
burch ben Xob ihres Bräutigamf geraten ift, gibt er junächft SigriÖur ü)r 



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— 65 — 

SBort $urütf, bamit e£ iljr freiftelje, bei ifjrer Xodjter ju bleiben, bie nun 
um bie Hoffnung auf ein eigenes Sjeim betrogen fei. ©igrtöur fdjtoanft, 
neigt aber mefjr ifjrem fdjon gefaxten (Sntfdjluffe jit. $odj null fie borerft 
nod) 93rbnf)ilbur fefjen. Sinbet $>jätmar bann itjren ©attel auf ber Söanf 
bor bem Jpaufe, fo folgt fie üjm auf ba3 <5djiff, menn ntdjt, fo bleibt fie 
bei iljrem SÜinbe unb foö fürberljin jebe SSerbinbung jttnfdjen üjnen abge= 
fdjnitten fein. SBäf)renb nun ©igriöur nadj bem Abgang $iälmar3 atiein 
mit fid) fämbft, fommt SBrtonlutbur, bie offenbar ba$ ©efbrädj ber Reiben 
gebort ober belaufet Ijatte, fetbft ju iljrer 2ttutter. $iefe fbriajt ftd) auaj 
offen ber Xodjter gegenüber au§, bie bei ber Beurteilung ber ganjen 
©abläge in moralifd>er unb rein menfdjtidjer $infid)t, bann in 93ejug auf 
ifjre eigene 3"funft ebenfo grofje 2eben3ftugt)eit mie ©ntfajiebenfjeit 
befunbet. $a bie SKutter bie moratifdjen öebenfen geringfdjäfct, toitt nun 
SBrbnlntbur fetbft, bafj fie bem 3uge ifjreS £erjenS folge unb mit palmar 
fatjre; ja fie berfudjt e§, bie 3J?utter baju ju jmingen. $er 9Wut unb bie 
Energie iljrer Xodjter bewirten jebod}, bafj nun audj fie baS „ftnfenbe ©duff" 
niajt berlaffen, fonbern bei ifjrer Xoajter bleiben unb an beren Seite ber 
Bufunft entgegen gelten toia, jumat @inar fie neucrbingä feinet brübertidjen 
<Sdmfce3 unb fetner auSgiebigften Unterftüfeung berfid>ert. $odj begleitet fte 
ifjren Serjiajt auf ben ©eliebten immerhin mit ben SBorten an ifjre Xo^ter : 
„$u Ijaft niajtS bamit gemonnen, bafj idj bleibe. Sofjnfen Ijat bie SBaljr* 
fdjeinlidjfeit bertoren, ein SBeib ju befommen, ba3 beffer für ityn Ware aU 
id|. gür midj gibt e3 fein ®lütf mef)r auf biefer (£rbe ! . . . £ie @efeUfd>aft 
freitief}, bie fjat fidjertiaj 9lfle§ gewonnen, n>a§ mir brei berloren Ijaben. (Sie 
fann fid) nun bie #änbe reiben." SKit bemfetbcn ©ajiffe, baä «Sigriöur mit 
palmar entführen fottte, fttyrt nun aber Sotjnfen nad) Stmerifa ab, naajbem 
er bon SBeib unb Sinb furjen 2lbfd>ieb genommen unb ©igrtbur bringenb 
geraten, fid) nur fobalb als möglid) bon if)m Reiben ju taffen; aud) er 
tnerbe bie ©Reibung bon i^r betreiben, fomie er in Stmerifa angefommen fei. 

$iefe§ 2)rama ^at in einer älteren Raffung unb unter bem Xitet: 
„flfrau ©igriöur" im SKanuffripte fajon ^üajler borgetegen unb ift bon u)m 
jiemtiaj ungünftig beurteilt morben (bgl. 3)ramatif <S. 59—62). ^)er Xiajter 
t)at fcitfjer mo^l einiget umgeänbert, in ädern SBefentliajen jeboc^ ftimmt 
®n<i)Ux$ Inhaltsangabe t, on w ^rau ©igrtöur" bollfommen mit ber &anblung 
in »Skipiö sekkur« überein. 5lua) ia^ fann mid) mit bem (Stüde niajt red>t 
befreunben. @S ift ju mitb unb o^ne e^araftere. ©elbft bie £aubtberfon, 
grau ©igriöur, ift ein fo berfajmommener unb fa^mä^tic^er ©Ijarafter, ja 
eigenttiaj fo ^arafterloS, bafj mir un3 über i^r in mannigfadjer ^infia^t 
feltfameS Benehmen tooljl tounbern, aber bafür ni^t intereffieren, gefc^roeige 

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1 



— 66 — 

benn für ifyr ©djidfat erwärmen fönnen. Sitte ftrau, bie jwanjig Stohre 
lang an bcr ©eite eines folgen SWenfchen, tüte eS ^obnfen ift, (eben ttnb 
beffen Sßflichtüergeffenheit, SBerjchwenbung nnb Xrunffudjt feinen £amm fefcen 
tonnte, barf bei betn jum Xeile bod> üon ü)r felbft mitoerfdjulbeten 
3ufammenbntche bcr materiellen ©tilgen ihrer gemeinfamen (Sjiftenj auch 
nidjt einmal baran benfen, bcn Wann unb baS einzige Äinb im Stier) 51t laffen, 
felbft Wenn it)re Zuneigung 51t palmar auf einer leibenfdjaftlichen 
Siebe begrünbet teure, was bodj augenfcfcjeinlich niemals ber $aU mar. Sie 
banbelt nad) langem ©cbwanfen fd)liefelich boer) forreft, aber nur weil fie 
fich oor tr)rer Xodjter fdjämt, unb fo enbet baS ©tüd eigentlich — man 
oerjeihe ben tritoialen SluSbrud — mit einem föafcenjammer ber SJcoral. Sludj 
bie übrigen in ben SSorbergrunb ber £>anblung tretenben s J3erjonen laffen 
und jiemlicf) für)I. 2lls einziger einigermaßen fijmpatbifcher ©harafter erscheint 
(Sinar, übrigens ber fdwblonenhafte ©iebermann. ^ohnfen ift einfach ein 
Ungeheuer, beffen Abfahrt nact) Stmerifa wie eine ^Befreiung wirft unb bem 
SJrama wenigftenS nad) biefer SRidjtung tjin einen befriebigenben unb jugleid) 
marfanten Slbfdjlufj gibt. $)enn bejüglid) ©igrtöS wirft fiel) nun, ba bie 
93aljn für fie frei, öon felbft bie ftrage auf: was wirb fie tun? hierauf 
bleibt jeboct) ber $)ict)ter bie Antwort fdutlbig. ©oüte baber ber £>auptjwed 
biefeS $>ramaS nicht barin ju fueben ju fein, bie berberblichen Solgen ber 
Xrunfiudjt bor Slugen ju führen, ba ja ber SSerf affer ®oob*Xemplar ift? . . . 
2113 iSlänbif djeS ®efeüfchaftsbrama erfüllt baS ©tüd nicht bie berechtigten 
©rwartungen in biefer $inficht; eS finben fid> barin fo wenige für baS 
iSlänbifdje SßolfSleben charafteriftijche Büge, bafj ba« ©tüd ebenfo gut in 
einer fleineren |>anbelSftabt in ©fanbinaoien, SJeutfchlanb, (Srcglanb u. f. w. 
fpielen fönnte. bittet) bie weibliche &auptperfon fann nichts weniger benn als 
XtjpuS islänbifdjer %xauen getten, wenngleich bem $idjter babei beftimmte $er= 
fönlichfeiten feiner Umgebung oor Stugen gefdjWebt f)abtn mögen. 

„3)aS ©du'ff finft" erinnert nicht nur an 3bfenS „Sßora" unb „$ie grau 
00m Stteere", wie fd)on Äüajlcr gefunben, fonbem jum Xeile auch an 
SjörnfonS „@in Safliffement". %m Übrigen freilich, b. h- in Söejng o«f 
bie bramatifche $edjnif, f)at baS ©tüd mit ben ©efeflfehaftsbramen biefer 
beiben norwegifeben SJceifter leiber wenig gemeinfam. 35er dichter jeigt 
fich bisweilen noch recht unbeholfen unb berfdjwenberiich in ber ©jenen« 
führung unb im Dialog; er berläfjt fich aüju fetjr auf ben Stotftift beS 
ÜtegiffeurS. Unb bann biefe Häufung bon Unwahrfcr)einlichfeiten in Söejug 
auf 3eit, Drt unb Umftänbe ber |>anblungen unb ©efpräche, bie jum Xeile 
fchon aus ber obigen Inhaltsangabe erfid>tlid} finb! Slber wer wirb auch 
oon einem islänbifchen $)ramatifer fchon bie tcd)nifdc)e ©irtuofitnt eines 



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— 67 — 

Qbfen verlangen? -Wicht ju entfdmlbigen ift hingegen ber öon ber iSlänbtid)en 
Äritif genigte üücanget an Sorgfalt im fprachlicrjen 9tuSbrucf. — $aS ©tücf 
würbe im Februar 1 903 in Bterjfjabif aufgeführt unb ^at ben bortigen 3eitungS* 
berichten jufotge einen großen äu§eren ©rfolg erhielt, ^nbriöi GHnarSfon 
hat immerhin auet) in biefem ©tücfe ben SöeweiS einer befonberen ^Begabung 
für baS Ttjeatxaiifäe in ber bramatifdjen Dichtung erbracht, unb wir 
fönnen ihn ju bem ÜKute, bafc er fid) aud) an baS moberne ©efeüfchafts* 
ftütf heranwagte, nur begtücfwünfchen. $)aS islänbifdje $>rama ift nunmehr 
auf bem beften SBege, fid) neben ben übrigen 2)id)tungSarten, bie auf bem fernen 
germaniidjen ©ilanbe gepflegt werben, ju bauernber ©eltung $u bringen. — 
@in Fragment aus einem nod) untioflenbeten ©d)aufpiele ^nbriöi 
(SinarSfonS erfd)ien 1901 in ber 3eitfd)rift »Sunnanfari«, IX., ©. 62 — 64 
unb 68 — 70. @S h Qnoc ft Don oem $ Doe ©ouern. $)ie §auptperfon 
beS ©tücfeS, beffen ©toff ber islänbifchen ^Bolfsfage üon ber „93auerntod)ter in 
#afrafeflStunga" (ügl. baS foIflortftifd)e ©ammeiwerf >Huldc, I., ©. 62—69) 
entnommen ift, ift $elga, bie aud) in bem Segmente eine föofle fpiett. 

IV. 

2Bir werfen jum ©d)Iuffe noch einen furjen SBltcf auf bie weitere 
©ntwitffang beS islänbifdjen Xheaterwefen«. Sttach bem Xobe ©iguröur 
©uÖmunbSfonS( 1874) Waren bie 9tet)f jautfer ©pielgefellfchaften eine Zeitlang ohne 
Führer. $od) fanben fie balb einen uerftänbigen Snftruftor in bem SBolfSfchuI* 
leerer $elgi ftelgejen, ber als fo!d)er öon 1874 — 1881 wirtte. 2In beffen 
©teile trat ^itbrtöi ©inarSfon (bis 1886), worauf in biefer Xätigfeit ber 
jefcige ©^flumann unb SIbgeorbnete ©uölaugur OuömunbSfon (bis 1889), 
bann wieber Snbriöi SinarSfon (bis 1897), enblid) ber WooeHift ©inar 
^jörteifSfon (bis 1901) folgten. Sefcterer war, wie mir ^nbriöi SinarSfon 
fdjreibt, als Snftruftor unübertroffen unb feinen ^Bemühungen ift aud) bie 
©rbauung beS neuen XheaterS in SReöfjam'f houptfäd)ltd) ju oerbanfen. 

©inen bebeutenben ftortfd)ritt im Xheatermefen SRebfjaötfS bilbete bie 
Errichtung ftehenber Sühnen. Söährenb bie 2ateinfd)ü(er bis 1887 im 
©d)laff aale, bann bis 1893 im Xurnfaale beS ©djuIgebäubeS — einmal 
aud) im geftfaale, wo bis 1881 bie üßerhanblungen beS SllthingS ftatt* 
gefunben fyaben — ihre SBorftettungen auf einer eigens ju biefem ,3wecfe 
aufgefd)Iagcnen fBütjne mit erhöhtem ©retterboben unb ^uliffen öeranftalteten, 
fpietten aud) bie ©d)aufatelgefeflfd)aften nod) lange auf improüificrtcr Sühne, 
unb jwar aunäd)ft nod) im ©afthaufe beS „alten StlubS" (f. oben), baS 
bis 1866 ftanb, bann, als bie $äumüd)feiten bort in jeber £infid)t als 
unzulänglich befunben würben, in bem auS biefem ©runbe fd)on früher 
(1853), u. $w. bicht baneben erbauten &6tet unb UnterhaltungSlofale, „ber 

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- 68 - 

neue $lub", fpäter w ©f anbinatota" genannt (mit großem 'Baak unb 
Jöeftibulc) . &ier fanben j. 93. auch fcfmn bie 1854 oon 3ön ©uömunbäfon 
oeranftalteten Sluffüljrungen Don Dberffouä »Pak« foroie btc erften 9luf= 
füf>rungen öon 2Kattf)ta8 ^ocfmmSfonä „$>ranßenlicgern" (Februar 1862) 
ftatt. ©päter tourbe „©fanbinabia" jeitroeilig a(» ©pital benü|t, toaä aber 
nid^t berhinberte, baß man bort noch ab unb 311 im großen ©aale tankte 
unb Äomöbie fpielte. Stadhbem ba3 ©ebäube fobann eine 3^itfang als 
£anMung$f)au§ gebient ^atte, mürbe e§ als „£>ötel Sfteofiabif" mieber feiner 
urfprünglichen Söeftimmung jugeführt. $\im testen 2Jiale mürbe in ber „©fan* 
binabia" im 3fah re 1882 gefpielt. Sefct ift biefeS £au§ Eigentum unb 
Saferne ber Heilsarmee unb mirb be&halb »herkastali« (b. h- föaftell ber 
$lrmee) genannt.*) ©päter mürbe ab unb 31t auch im unteren Baak be~ 
großen, um 1860 oon $mei (Snglänbern ju faufmännifchen 3roecfen erbauten 
unb „©taSgoro" benannten ©ebäubeS gefpielt (1886—1888), ba3 im 
Slpril 1903 abgebrannt ift.**) StlS bann bie ©oobs£emplar3 (Xemperenjter) 
für ihre Vorträge ein großes, faft nur aus einem einzigen ©aale beftehenbeS 
£au3 mit einer 93üf>ne erbauten, fanben auch t)ier häufig (jum erften 
3ftale 1888) tfjeatratifdje Jöorfteflungen ftatt. @rft furjlich mürbe jeboa) 
bie SBühne befeitigt unb nur ein $eil be£ ^ßobiumS blieb flehen. 3m 
3afjre 1893 erhielt SReurjabif enblich ein eigenes fleineS X^eater, baS ber 
tüchtige Kaufmann SS. D. SBreiöfiörÖ in feinen großen ©ebäubefompler, 
einbauen tiefe ober bielmehr felbft baute,***) unb feit 1897 befifct bie ©tabt 
fogar ein befonbereS ©djaufpielhauS (leikhüs), baS ber SReüfjabif er £anb= 
merfer*9Serein aufführen ließ — beSlwlb auch Iönaöarmannahüs (abgefürjt im 
SBotfSmunbe Iönö) b. i. $anbroerlerhau£ genannt. $)od) merben in bem 
prächtigen ^^eaterfaale and) 83ät(e unb anbere Unterhaltungen abgehalten, 
unb im ©ebäube felbft ift bereit bie |>au3lmftung3fchulc untergebracht.!) 

*) 2Jgl.überbtefeS©ebäube5}enebirt©rönbal in Eimreiöin, IV.,©. 94-95. 

**) Sgl. ©rönbal, a. a. 0., ©. 111—112. - tfücblerS Behauptung, baß bie 
oon ihm, rote mir oben ©. 17, Slnmerfung * gefehen, nicht ganj richtig gefchilberten 
SBerhältniffe ber erften Hälfte be« neunjehnten ^ahrhunbertä „in gleicher Söeife noch 
über brei ^ahrjehnte ber jroeiten §älftc be8 ftahrhunbertS beftetjen" 
blieben, „roenn man tnjroifchen au$ ftuliffen unb anberS ähnliches Betroert erhalten 
hatte" ($>ramatif, ©. 67), ift baher roieber nicht jutreffenb. ftüdjler berichtet bann 
weiter : „$n SReatjamf unb in ben übrigen ftaufftäöten beS fianbeS . . . fönnte man fich, 
um mit ber im SJolfe roachfenben Teilnahme roohl befferen 9taum für bie 3ufü>auer 
ju geroinnen, in ber ftolgejeit roenigftenS hin unb roieber ber geräumigen Sager» unb 
s Jkctbäu|er ber Äaufleute bebtenen." SSgt. oben ©. 20. 

***) SBgl. »enebift ©rönbal, a. a. 0. f ©. 105. 
t) »gl. Senebift ©rönbal, a. a. D., ©. 85-86. 



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— 69 — 

tftenfjaütf Ijat baljer je|t 5 tt> e i fteljenbe Söüljnen.*) 3)ie größere 
baüon ift bie beS ^anbroerferljaufeS, unb t>tcr mirb auch regetmäfjig jeben 
SBinter, jeboch in ber Siegel nur an Sonntagen, gefpielt, mäljrenb auf ber 
anberen Söüljne jefct fetten met)r SSorfteHungen ftattfinbeni $)ie 93üt)nen* 
Öffnung biefeS an bte ©djaufpielergefeUfdjaft oerntteteten X^eaterS miftt 20, 
bte — übrigens üiel ju geringe — Xiefe ebenfalls 20 unb bie $öf)e 
(einfchtiefjlich ©djnürboben) 22 bänifdje Sufj. 3)er ,8ufchauerTaum ift 
24 3ufe h ot h unb fafet bis 350 $erfonen. ®er ©aal ^at bie Sigur 
eines SRedjtecfeS unb ift innen mit s .ßappe betleibet, junt gtofjen Nachteile 
für bie 2lfuftif. $ie SluSftattung ber ©üljne unb beS SlubitoriumS ift 
jiemtid) printitib. @S werben junteift nod) bie alten föuliffen unb s .ßraftitabeln 
oertoenbet, benn bie SInfdiaffurig neuer SRequiftten mürbe bie ©öietgefeflfdjaft 
in ©Bulben fiurgen. $ludr) finb feine f eparaten ©arberoberäume für bie 
einjelnen «Spieler oor^anben. ©aS Drdjefter roirb burd) ein Ätaüier erfe|t. 
5)ie Si|e befielen aus ^ol^bänten mit Stucfenlehne, u. f. ro. 3)iefS X^eater 
roirb benn auch bei ber überaus rafdjen ©eoölferungSjuna^me ber $auptftabt 
balb nitfft met)r genügen. 

2BaS nun bie 2lusroat)l ber bisher in ülebfiaüif aufgeführten 
Stüde betrifft, fo finb tuett mehr auSlänbifdje als eint>eimifdje gefpielt 
toorben. ©ine 2>urcf|fid)t ber Frjettir frä fslandi Don 1871 — 1890 unb 
ber SRenfjaütfer 3citungen Pjööölfur, fsafold, Fjallkonan oon 1882 (refp. 
1883 unb 1886) an ergab bezüglich ber auSlänbifd&en in »tyijatff aufgeführten 
Stüde für bie breifeigiährige Beitperiobe oon 1871—1901 beiläufig baS 
folgenbe föefultat: mehr als brei oiertet ber auf geführten Stücfe 
toarenauStänbifcf) e**) unb bie weitaus größte ^tnjal)! baüon 2 u ft f p i e I e, 



*) ßüd)ler fd)reibt (5)ramatif, 6. 68) nid)t gam genau: „©in geroiffer 
ftortfdjritt trat aber boa) ein, als man ©nbe ber ad)tjiger 3fahre bem in JHetjfjaof! 
errtdjteten ©00b * Xemplar = ftaufe zugleich eine 93üfme in ähnlicher ©eftalt anbaute, 
roie man fte hin unb roteber roobl in ben ©alen unferer fletnen Stäbte ftnbet, unb 
biefem ÜJiufter folgenb, hoben feitbem aufjer 9tepfjaoff, baS jefct felbft noch jroei 
ähnliche ©ühnen mit geräumigen ©Ölen befi&t, aud) Atureori, ^fafiöröur, ©e*ÖiS- 
ftöröur unb 93opnafjörÖur ihre Später erhalten." Slfurepri bejt&t roie Oieutjaof! ein 
eigenes ©d)aufptelhauS. (Sgl unten ©. 72—73.) 

**) 2lud) «enebift ©rönbal bemertt in »Eimreiöin«, VI., ®. 195—196, bafe 
beinahe alle ©tücte Überfettungen feien. 2)er »Skuggasveinn« beS STtotthfaS 3fod)umSfon 
fei faft baS einzige (i§länbifd)e) ©d)aufpiel, baS ftd) auf bem ^Repertoire erhalten habe 
unb nod) immer ba unb bort gefptelt roerbe; aud) bie »Hellismenn« beS ^nbriöt 
©tnarSfon gelangen nod) ab unb ju jur Aufführung. 3>tefe ©tücte feien nun aber 
febon fo abgebrofdjen, bafe bie Üeute feine rechte öuft mehr haben, fie anjufehen. 
®te Überfeftungen ber mobernen ©tücte bejeichnet ©rönbal als jum teile fehr fchlecht, 



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— 70 — 



©d)n)änfe unb hoffen. Am ^äufigften mürben natürlich b ä n i f dj e (Stüde 
gefpiett, u. 5m. Suftfpiele oon Dolberg, 3- 2- Biberg, £>oftrup (bcffen 
„Abenteuer auf bcr ^uferetfe" befonberä beliebt mar), Ooerffou, (£rif 
93ögf| u. A. Sßährenb Dolberg im %ofyxe 1892 jum legten 9Wale gefptelt 
mürbe, erfreuen fidj bie übrigen tfier genannten älteren ©ramatifer — 
neben einigen unbebeutenben mobernen — felbft Ijeute nod) einer grofeen 
^Beliebtheit. 3fo ber neueften 3ctt fanb auch ©b r - DtuffenS auä bem ©nbe 
be3 18. ^a^r^unberts ftammenbe Äontöbie „$ie golbene $)ofe" Dielen 99eifaÜ. 
Sßon normegifchen ©tüden gelangten ©jörnfonS einattigeS ©djaufpiet 
„Bttrifchen ben ©chlorten" (feit 1882), Sltcg. S. ftieHanbS ,,©r. 9Kajeftät 
SSogt" (1886) unb 3bfen£ „Worbifaje Heerfahrt" (1892 unb 1903, ogt. oben) 
jur Aufführung, ftür franjöfifdje 'Stüde ^aben bie 3#löttbcr — m $ 
3nbnöi ©narSfon — nur geringes SöerftänbniS ; bod) mürben immerhin 
nidjt weniger als fünf Suftfpiele oon SÖioliere (unter benen »Les fourberies 
de Scapin«, weit am öfteften aufgeführt, auch am beften gefallen hoben bürfte), 
bann ie ein ©tüd oon 6. Sabine, 91. 9t. 2e Sage, @. ©cribe unb ©cribe 
mit Farnes aufgeführt. Poliere fdjeint jebod) gleich Dolberg abgetan ju fein, 
ba er feit 1892 nid)t mehr gefpielt mürbe. Aud) einige englifebe Farcen 
gelangten jur Aufführung, bie jebod) bem iSlänbifchen ©efdjmade roenig 
jufagten. hingegen fajeinen bie 3$tänber an ber mobernen beutfajen 
$ramatif großen ©efaüen ju finben ; benn eä erhielten 2'ArrongeS 
„aRein Seopolb" (1898), ©übermannt „$ie ©b«" lf«t 1900) unb 
„$ie Jpeimat" (1902), fomieftulbaS „Verlorenes ^arabieS" (1901—1902) 
einen glänjenben Erfolg.*) 



immer aber uniSlänbifd}, rocil bie Stoffe biefer ©tüde mit bem i3länbifd)en 93oU8tum 
nit^t oerroanbt feien. $iefe§ Urteil gilt jebodj nicht für bie Überfettungen oon §bfen$ 
>Herma;ndene paa Helgeland« unb bie übrigen Hterarifcben Übertragungen 
oon Dramen QbfenS unb <5fyaUipeate$ oon 3Jiattb«aS ^odmmSfon, @inar 
©enebiftSfon, ©tetngr. JborfteinSfon unb (Sirffur SJtagnugfon (f. ©. 44 u. 53). 

*) feüdjler febreibt bezüglich ber auSlänbifdjen Sbeaterftüde nidjt in AQem 
jutreffenb (Sramatif, ©. 74): „©3 ift oielleidjt au# nicht oon Nachteil, bafe man 
. . . foiuohl in JHcptiaoit rote in ben anberen mit kühnen auSgeftatteten fcanbelS* 
pläfcen heute nicht mehr nur [?] eine AuSroabl ber einheimifchen Dramen jur 
5)arfteUung bringt, fonbem ftch febon eine ganje Diethe oon iSlänbifcben Übertragungen 
auSlänbifdjer, namentlich bäntfeher Dramen gefchaffen hat, bie man hin unb toieber [?] 
jur Aufführung gelangen läfet. freilich frnb eS faft immer nur Suftfpiele — 
5. 35. bänifebe Äomöbien oon Dolberg, Öhlenfchläger [?], fcoftrup, §eiberg u. A. f 
moberne franjöftfcbe, englifche u. a. hoffen — bie man jur $arfteuung bringt, 
roährenb man fid) an ba$ Sd)aufpiel unb Srauerfpiel noch nicht recht beranroagte." 
S3on Ceblenfcbläger ift auf $3lanb roohl geroife fein ©tüd aufgeführt roorben. 



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— 71 — 

Am tiebften fefjen bic Sslönber natürlich ihre eigenen Aromen, in 
benen ihnen ihre heimatlichen SBcr^ältniffc, S8olf#töpen unb ©jenerien borgeführt 
roerben. 3)ie meiften ßeute fyaben oon ber SBelt ju toenig gefehen, um an 
ben bramatifchen Konfliften unb Slierroicflungen, bie fid£> in einem ihnen fremben 
Kulturleben ergeben föunen, ©efehmaef ju finben ober it)nen auch nur ba§ 
notmenbige SBerftänbniß entgegen ju bringen, ßuftige ©tücfe „jum ßadjen" 
gefallen natürlich auch ocr SWehrjahl be§ iälänbifchen Sßubtifumfc am beften, 
unb bie ©dfaufpieler müffen biejem Umftanbe ^Rechnung tragen, menn fie 
nicht materiellen ©chaben erleiben motten. — ®ie fremben ©tücfe mürben 
früher in bänifcher ©prache, bejiehungSmcife Überlegung gefpielt (ba ja 
bie Kenntnis biefer ©prache bei ben ^Slänbern foft allgemein ift), oon 
1854 — 1876 jeboch häufiger unb feither nur mehr in islänbifcher Über= 
fefcmtg. 3« ber ßateinfdjule mürben auch b\t fremben ©tücfe immer in 
iSlänbifdjer ©prache aufgeführt. 

Außer in 9tetjf jabtf finben noch in ° en anberen größeren Kau f= 
ft übten SslanbS bramatifche Aufführungen ftatt, ja eS gibt jefct batb 
feinen ^anbetsplafc mehr, mo nicht ab unb $u Komöbie gefpielt mirb. 
Auch bie ßanbbeöölferung jeigt eine große Vorliebe für tljcatralifche Stuf* 
führungen unb oeranftaltet folche gern ju gemiffen feftlichen 3«ten, j. 33. 
am erften ©ommertage, ber auf Sföfanb mit allerlei ßuftbarfeiten gefeiert 
mirb (ogt. oben ©. 26). ©o lefen mir j. 33. im 3. Jahrgänge (1895/6) 
beS „Stefnir", einer Seitung für baS Sßorboiertel 33lanb3, ©. 10, baß meit 
unb breit in ben fianbbejirfen 3>3fanbS ben Beuten feine Unterhaltung lieber 
fei als bie Aufführung oon ©dmufpielen; nur müßten biefe iSlänbifd) nnb ben* 
öebürfntffen unb Kräften biefer ßeute angepaßt fein. Säuern fchreiben, mie mir 
gefehen haben, i)k unb ba fogar felbft ©tücfe unb treten als ©djaufpieler auf, 
bismeilen mit überrafchenbem ©rfolg*), fo baß man alfo mit §ug unb Siecht 

*) 3fn „Stefnir", 3. $ahrg., 6. 23, roirb j. 93. berichtet, baß %6maS 36naSfonS 
„Yfirdömari" (ogl. oben ©. 41) im 3frühi a h* J u ©aurbser unb Afureori oon 
^Bauern aufgeführt rourbe, unb jroar mit vorzüglichem (Erfolge in ber StarfteQung, 
obgleich fte früher nie gefpielt hatten; ja e$ h«fet, eS fei ungerotj}, ob überhaupt 
in Afureori jemals fo gut gefpielt roorben fei. — @S mu& übrigens bemerft roerben, baß 
ber93auer („böndi") auf 3 § lanb oft ein gebilbeter ÜJlann fein fann, 
ber baS ©omnaftum in 9teofjaolf ober eine ber beiben Wealfchulen befucht hat Aber 
eS gibt auch fiele 53auern, Knechte u. f. ro., bie feine ©äjule befudjt, fonbern ft<h 
burch ©elbftunterridjt eine oft erftaunliche ÜJtenge oon Kenntniffen unb literarifchen 
ftertigfeiten angeeignet haben. (93gL hierüber meine „^Slänbtfchen Sttdjter ber 9teu* 
jeit", ©. 31-33.) 2)er iSlcinbifche „S36nbt" entfpriebt überhaupt nicht ganj bem 
beutfehen „93auer", fonbern mehr bem norroegifchen „ObetSbonbe" ober bäntfehen 
„Sanbmanb" unb roäre baher toobl auch im beutfd>en am beften als fianbmann ober 
ßanbroirt ju bezeichnen. 



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— 72 — 



auch oon einer iSlänbifdjen Sauernfomöbie fprcajen fann. Scamentlich 
im 9^ orböier tel 3$lanb8 5eigte fich lange fdjon ein lebhafte* 3;ntereffe 
für X^eoterborfteHungen unb J)ier mieber oornehmlich in ber ©hjafiaröar* 
©?fla, gang befonber* ober in ber fteHenmeifc red^t bicht beüötferten 
ßanbfdmft ($t)iafjüröur, bie fich oom @nbe beS gleichnamigen $jorb§ 
fübmärtS 511 beiben ©eiten beS SlüfechenS ©ojafiaröarä erftreeft. Der 
|>auptort biefer öanbfchaft unb jugleich be* ganjen 9torboiertel3 l^Slanbä ^ 
bie am @nbe be8 ftjorb* gelegene ®aufftabt 9lfuret)ri, welche im Dftober 
1902 1489 ©eelen jählte. £>ier, mo naturgemäß eine gemiffe geiftige 
SRegfamfeit ^errje^t, fonb benn auch ba3 ©chaufpieltoefen bie meifte Pflege in 
bem genannten 2anbe3oiertel. %n Slfureori begann man Snbe 1860 bie 
ersten bramatifdjen SßorfteUungen ju geben. Die SBeranftalter biefer SBor* 
ftellungen maren ljier Dänen, nämlich ber Saufmann (£f)r. Senfen unb ber 
gaftor 33. ©teinefe; auch ber islänbifche Slrjt 3ön (5. ftinfen befunbete bafür ein 
lebhafte* ^ntereffe. Senfen mar früher ©djaufpieler in Dänemarf unb fpielte 
nid^t nur felbft öortrefflicr), fonbern mar auch ein oorgüglicher 3nftruftor für 
bie Dilettanten Mfureori*. 2Kan mietete bamal* ju biefen SBeranftaltungen 
ein paffenbe* £>au*, mie anbertoärt* im ßanbe gewöhnlich ein ^Sacftjau*, in 
bem bie 93üt)ne mit SÜ'uliffen auf gef plagen unb ©ifce für bie ßufchauer 
hergeftellt mürben. Die erfte Sßorftedung fanb am 28. Dejember 1860 ftatt. 
9tfan fpielte anfangt jumeift bänifdje ©tücfe in bämfd)er ©prache. Doch 
gelangten balb auch bie bamal* fcfjon gebrückten, älteren tetänbifchen Dramen 
jur Aufführung, fo „Hrölfur" (im 3- 1862) unb „Narfi" (1862 unb 1863) 
oon ©iguröur $jetur*fon, „Bönorösförin" oon ÜKagnü* ©rimSfon (1863), 
femer ein ungebruefte* ©tücf, „Burfells biöillinn" b. h- ber freier Oon 
(bem $ofe) 93urfefl (1863), oon bem fcfmn oben genannten ©oeinbjörn 
Jpaßgrimafon nach ber betreffenben (Spijobe in 36n Dt). D^orobbfen§ 9looette 
„Piltur og stülka" b. f). Jüngling unb äftäbdjen, bearbeitet.*) ©obann trat 
in biefen Aufführungen eine mehrjährige $aufe ein. Um bie fpätere (Sntmicflung 
be* Dheatermefen^ in Slfureori ermarb fich ganj befonber* ber ftonful 
©. SB. |>aofteen (ein 3*länber) JBerbienfte, ber auch häufig unb mit beftem Srfolge 
al* ©ajaufpieler auftrat unb einer ber ftauptbegrünber ber „©chaufpielgejettfchaft 
ju Afuretiri" mar, bie im 3fahre 1871 oon bürgern ber ©tabt gebilbet 
mürbe, |>aofteen fungierte felbft fünfunbjmanjig 3fah rc lang als Obmann 
ber ©efeUfchaft, unb feinen Anftrengungen mar e* mieber houptfächlich ju 
oerbanfen, bafj biefe im Sahre 1896 ein eigene*, menn auch f c ^ r befcheibene* 
Xheater erbauen laffen fonnte, baö nach Neujahr 1897 eröffnet mürbe. Da§ 

*) 93gl. @. 57—91 ber buraj mich beforgten beutfehen Überfeßung biefer 
9tooeUe in 9leclamg Unioerfalbibliotbet «Ro. 22ü«, 2227. 



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.frauS („leikhös") fteljt an bcin fehr hoch gelegenen SBege, her Slfurenri mit 
bem benachbarten #anbelsplafce Obbeuri oerbtnbet, unb ift ein ziemlich 
geräumiger $oljbau, jebodt) Weber hübfdt) noch in §inficht auf feinen 3metf 
glüeflich gebaut unb eingerichtet. 3Me Sütjnenabteilung ift etmaS erhötjt; ber 
3ufd)auerraum fafjt ungefähr 200 ^etfonen. @3 merben t)ier nur mehr i$= 
länbifc^e Originalbramen ober islänbifche Überfefcungen f rember ©tude aufgeführt. 

5)ie (irhfiröinger fpietten auch oon 3"* ju 3cit auf ben im Xale ber 
©hiafiarbarä gelegenen £>öfen Öngulftaöir, ©r unb (hier fefunt feit ©eginn ber 
60er 3at}*e be£ 1 9 . 3ahrf)unbert£) unb © a u r b je r, ferner ju SJiöÖruöellir*) 
im £örgärbalur (ebenfalls in ber @njafiaröar*©yfla), mo öon ben ©djülern ber bort 
befinblidjen (1902 abgebrannten) SRealfchule roicberbolt fiomöbie gefpielt mürbe. 

Sludj im übrigen Sßorblanbe ftnben nicht feiten theatralifche SSorfteöungeu 
ftatt, fo ju 93 1 ö n b u ö $ in ber £mnaüatn3=©yf la unb ju ©auÖärfröfur 
fomie ju Steöniftaöur in ber ©fagafiaröar*©yfla. SBon anberen Orten, 
mo mehr ober meniger oft ®omöbie gefpielt mürbe, feien tytx noch genannt 
u. $m. im SBeftamte: <Btrjffi§r)61mur, Ifafjöröur (©oob Xemplar*£>auS) unb 
Pingenri im 3)?rafjöröur; im ©übamte: ©törölfsfmoll, ©tjrarbaffi, 
^afnarfjöröur (mit ftönbiger 93üt)ne im ©oob*Xemplar=£aufe, mo auch juroeilen 
bie fltealfchüler oon „glcnSborg" Xhcateroorftettungen öeranftalten, nachbem fie 
früher in einem ^aeftjaufe be$ Kaufmannes unb bramatifchen Richters Porfteinn 
(Sgiläfon gefpielt Rotten) ; im Oftamte: ©enöiSfjöröur unb G£ffifiöröur. 

2Ba£ bie iSlänbifche ©djaufpielf unft betrifft, — mobei h^r 
nur auf bie SSerhältniffe in Stehfjaotf föücfficht genommen merben foll, — fo 
fann ich m Slllgemeinen nur toieberholen, maS ich hierüber fchon anbernortS 
(ogl. „Sühne unb SBelt") auf ©runb fchriftlicher äWitteilungen Snbriöi 
©inarSfonS, beS beften SennerS ber Steufjaoifer Xfieaterüerhältniffe, bemerft 
habe. 93eruf3fchaufpielcr, alfo einen eigenen ©dwufpielerftanb, fyat e$ 
auf 33lanb nie gegeben unb gibt eS auch f) eu * c n0( h nicht. 5)ie ^Slänber 
haben jmar befanntlich eine gro|e Vorliebe für geiftige Unterhaltungen, unb 
nichts jieljt fie, namentlich an ben langen üBinterabenben, fo fet)r an mie 
baS Theater, b. h- roenn bem Sßublifum etroaS geboten mirb, baS eS oerfteht; 
allein in einer ©tabt mie Stetifjaotf, bie im 3ahre 1801 300, im ^afjre 1850 
1150, im 3af)re 1880 3500 unb im SBinter 1902/03 runb 7500 ©inmohner 
jählte, fonnte unb fann bei ädern ^ntereffe beS hier befonbcrS zahlreichen gebilbeten 

*) §ier rourbe 1890 ein ÜJiärdjenftücf „Ölnbogabarniö ' (b. h- 2>a$ $tfd)enbröbel) 
eine Bearbeitung (in $Srofa) ber englifchen Operette „Cinderella" oon Farmer unb 
5>.©.fieigh burth 3rau ©uörün&jaltaltn, ©emaljlin be$ 3>iref torS ber 3tealfd)ule 
$6n 91. fcjaltalin, aufgeführt, baö 1891—92 auch in Steofiaoif in ©jene ging. (S3on 
Seüdjler nicht erroätjnt.) 



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— 74 — 

■ 

s 4$ubtif umS bod) feine materielle ©runblage für bie ©riftenj oon 93erufSfd)aufpieIern 
gefdmffen roerben. Die S8e$at)Iung ber Spieler ift t)icr öict geringer als anberroärts 
baS abenbtidje ©pielfjonorar, nämlich 3 bis 10 fronen für ben Stbenb. (3nt 
3af)re 1861 erhielt jeber «Spieler für jelm 9tbenbe im ganjen 3 fronen 
71 Öre). Die (SiintrittSpreife finb eben auch, ben Stenfjaoifer SBerhältniffen 
entfprectjenb, fet)r gering unb betragen im £>anbmerferf)aufe 1 ®rone für 
einen oorberen, 75 Öre für einen Hinteren Sifeplajj, 65 Öre für einen 
8tet)plafc unb 50 Öre für eine fönberfarte. Die ©chaufpielgefeflfchaft erhält 
root)l in ber festeren Qtxt eine jährliche ©uboention oon 300 Jeronen auS 
ber ßanbeSfaffe unb 150 fronen auS ber ftommunatfaffe ; allein biefe 
Unterftüfcung ift ööüig unzulänglich im SBerhältntS ju ben gefteigerten 
91nforberungen, bie fomohl an bie feenifche SluSftattung mie an bie Seiftungen 
ber ©pieler gefteüt ioerben. (SHne ©jiftenjmögliajfeit märe SöerufSfcfjaufptelern 
nur bann geboten, tuenn bie 9?et)fjaotfer Gruppe menigftenS roär)renb beS 
Sommert auch in ben übrigen oerhältniSmäfjig größeren Orten ber Sufel 
mie 9lfurenri, ffafjöröur u. f. m. fpieten fönnte. DteS ift jeboch unmöglich, 
fo lange bie föüftenbampfer, mie je$t, nur ade brei SBodjen oon 0iet)f jaoif 
abgeben unb bie (Entfernungen jroifchen ben einzelnen größeren Süftenorten 
in 5 bi§ 6 Dagen jurüdlegen. <5o finb eS benn nur Dilettanten, u. jm. 
aufter ben ©Gütern beS ©tymnafmmS unb ben ©tubenten ber theologifchen 
unb ber mebiäinifdjen Schule*), bie oon 3e\t $u $eit SSorfteöungen geben, jumeift 
sperren unb Damen ber bürgerlichen ©efeflfdjaft, melche bie ©chaufpielfunft als 
s Jcebenertoerb ober auS ßiebfyaberei betreiben unb erft beS SlbenbS nach ooüenbetem 
Dagetoerf ihren bramatifct)en Stubien unb Übungen obliegen fönnen. Die 
menigften SRitglieber biefer jefct ju einer Schau fpielcrgefeüfchaft bereinigten 
Truppe hoben auet) je mirflid) muftergtltige Darbietungen, etma in Kopenhagen, 
gefeiten, unb eS fehlt it)nen batjer an fänftleriföen S3orbiIbern.**) Dennoch 
mürbe eS ungerecht fein, bie fieroorragenberen äRitglieber biefer ©efeflfehaft 
nur als Dilettanten im ljerabfefcenben Sinne beS SöorteS ju beseidmen. (£s 
finb feit 6 bis 10 fahren immer biefelben ^ßerfonen, bie jufammen fpieten, 
unb manage oon it)nen, bie mit guter Sluffaffung begabt finb unb oieUeicfft 
mehr als jroanjig 9toflen befjerrfchen, haben baburd) eine Routine erlangt, 
bie fic aitct) $u grofeen Stufgaben ermutigt unb bereits ju gan^ bebentenben 
Seifrungen befähigte. Übrigens finb bie 3#fänber für bie bramatifche Sunft t 

*) Den Stubierenben ber Ideologie unb ber ÜWebijin ift je&t oerboten, ft'omöbie 
w fpielen, aujjer roenn baS SRemerträ'gniS für roohltätige 3mecfe u. bgl. befttmmt ift. 

**) öS fei f)ter jeboct) bemerft, bafc öftere ©chaufpteler au« Kopenhagen 
nad) 3«Ianb tarnen unb hier mit grofeem üBeifaü tleine bänifdje «Stüde tn bäntfeher 
Sprache aufführten. 



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- 75 - 

nicht roeniger öeranlagt al8 onbcre gebilbete Sßotfcr, unb e3 ift fomit im 
$inblirfe auf bie ^ortfc^rittc in ber neueften 3*it bie Hoffnung berechtigt, 
bafj bie ©chaufpieleret auf 3$fa no in ni^t ferner 3ett ftd) ju einer 
rotr!ticr)cn u. jtt). nationalen ©dwufpiel r u n ft entroicfetn toerbe. 

nachtrage und Berichtigungen. 

©. 5, Beile 6 oon unten, lieS: ©ngeUtoft ftatt ßngelftoft. 

3u »Speröill« (©. 7) roäre noch )u bemerfen, bajj — roorauf auch fd)on ftüdjler 
aufmerffam machte — bie >J$erfonennamen 91 u et er e unb (Snra Umfebrungen ber 
i§Iänbifd)en Vornamen (Srefur unb Strne fmb unb bafj $6n 33orgfiröingur, ber 
93efi&er einer 2lbfd)rift biefeS „3>rama3", um bie 93ebeutung be8 SitelroorteS befragt, 
fid) äußerte, er roiffe hierüber nicht« SInbereS ju fagen, als bafj speröill eine 9Burft 
bebeute unb ber SUerfaffer btefe« 2Bort möglicherroetfe als einen ihm befannten 
©dnmpfnamen gebraucht fyabt, Da speröill ein SJtaffulinum fei unb gut als frohn- 
roort paffe, obgleich er e£ als folcbeS nidjt leune. tiefer ÜDteinung fd)lofj fiel) 
aud) 3Rattt)la§ 9(od)um3fon an. ißrioatbojent 2)r. Sluguft ©ebljarbt in (Erlangen 
teilte mir mit, bafe in «Nürnberg eine 21rt SBurft, nämlid) eine fette 5Mutrourft, 
„#fterling" heifee, roeil fic geroö^nlidt) in »intestinum rectum« gefüllt roirb. 3d) 
meine, baß aud) speröill, namentlich al« ©djimpfroort, ntd)t beffer oerbeutfdjt roerben 
tönne al3 burd) „Sf t erlin g". 

©. 9, 3eile 23, lieä: 19. Dftober. — 2lu§jüge auS ©oeinn ^ßälSfonS 
Jagebudje erfdnenen gebrudt in ben »Skrivter af Naturhistorie-Selskab«, 2. unb 
3. ©anb (Kopenhagen, 1792—1793). 3)ie angeführte ^otij com 19. Oftober ift in 
biegen SluSjügen nidjt enthalten. 

©. 9, 3eile 25, forme ©. 11, Beile 28, foU e3 ftatt „Knaben" richtiger 
©djüler beiden, ba bie Sateinfchüler oft fd)on red)t gereifte Jünglinge roaren. 

©. 27. Über Magnus ©rimSfon oergleidje aud) Ölafur $aoi'ö8fon in 
»Sunnanfari«, V. är, ©. 57 — 59. 

©. 28, 3rile 5. OJtan bejroeifelte auf ^lanb bie 9ftd)tigfeit meiner ^ier 
gemalten Angabe, bafj nämlich „3>er 2Beber mit bem Serftanbe oon aroölf 
Königen" aud) aufgeführt roorben fei. Küdjler ermähnt ebenfalls nid)« oon einer 
3tuffüt)rung beS ©tüdeS. ©8 ift aber bod), unb jroar fogar nod) im ^aty* 1895, 
in ber erften fcälfte be8 9Härj, ju 3lfurepri (oiermal) gefpielt roorben unb hat red)t 
gut gefallen. (S3gl. bie in 9tturenri erfd)ienene 3«itung »Stefnir« uom 27. SDlärj 1895, 
©. 23). 2)er ^auptbearbeiter beS ©tüdeS, ipelgi ^önSfon, roar (nad) SPtatthlaS 
3od)umSfon) früher Kaufmann in Mfuregri, bann (nad) ©teingn'mur 2;t)otftein«fon 
unb «enebift ©rönbal) qSroturift ober Slffiftent im &anbel§baufe ©mith ju SRenfjaoif 
unb oon 1857 ober 1858 an 99auer ober fianbroirt ju ©farfsftaötr in ber 5>ala= 
©tjfla. (Sr fott Später nad) 9lmerifa auägeroanbert unb um 1870 geftorben fein. 

©eite 54, 3- 21—22. 2Ba§ tytx über 3>bfenS jtemlid) oberfläd)lid)e alt* 
norbifche 5)ramen bemerft ift, bie übrigens, rote fdjon angebeutet, teineäroegS 
^ramatifierungen fpejieU \6 1 ä n b i f d) e r ftamilienfagaä (fogenannter Islendingasögur) 
fonbern nid)t burd)roeg8 gelungene SJerfchmeljungen oon allerlei 3ügen unb (Sharaftern 
au§ oerfchiebenen ©aga§ fmb (fo ift j. *-ö. bie §elbin JöjörbtS in ber „^lorbifchen 
Heerfahrt" ein oerunglüdter 6baraltermifchmafch oon ©rpnbilbr ©uölaböttir unb 



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©uörun ©iüfabörhr au§ ber Vöbunga saga, ©uörün ÖfoffrSböttir. au8 ber Laxda;la 
sa^a unb fyillgerör Sangpofe au§ ber Njäls saga) — baSfelbe gilt aud) oon 
33jörnftjerne 93jörnion8 (norroefltfdje) Saga-Stoffe befcmbelnben ©djaufwelen, 
oon bcncn baS Heine ober präd)tiae unb rohrfungSoone 3)wrma »Meilern Stagene« 
($n einer ^ßaufe jroifdjen ben ©d)lad)ten) fdjon 1882 unb bann öfter auf Sßlanb 
aufgeführt würbe unb gleich ben übrigen (»Halte Hulda«, »Sigurd Slembe« u. f. n>.) 
aud) nid)t olme tiefere ©inroirfung auf iSlänbifdje 2>id)ter geblieben fein mag. 
Obgleich nämlid) 53jörnfon, ber mit fo glän$enbem (Srfolge ben alten ©agaftil in feine 
üBauernnooellen übertrug, fidj aud) bemühte, im ©egenfa&e ju bem roetegen 
WomantiSmuS DeglenfdjlägerS unb £egner§, ben ©eift ber 3eit unb bie üJlenfcpen 
fo roieberjugeben, roie fte in ben ©agaS lebten, tonnte er fid) bod) f elber niept oon 
einer geroiffen SRomantit frei galten. — (Sin iSlänbifdjeS 6aga-2)rama, ba§ ben 
Stoff ber GIsla saga Sürasonar (ogl. „® i 3 I i, ber@eäd)tete. ©ine altgermamfdje 
©efdjidjte oon fcelbentrofe unb ©attentreue. 3)er altnorbifdjen Cuelle nadjerjäglt 
oon 2>r. gerb. Äpull", SGBien) beganbelt, oerfajjte eine englifdje ÜRife, namen« 
©eatrice §elen 93 a r m b g („Gtsli Snrsson : A drama ballads and poems of the old 
Norse days and some iranslations;' 2Beftminfter, 1900). 2)a biefeS oon bem Drforber 
s J3rofeffor 5- $orf ^oroett mit 3fbfen§ älteren Dramen oerglid)ene (! ?) ©tüd oon 
äRattgfaS ^odpumSfon fürjlid) in§ 38Iänbifd)e überfe|t toorben ift („Gisli Sürsson. 
Sjönleikur; tinnig nokkur kvccbi" , Jlturegri, 1902), möge e8 nadjträgltd) aud) gier 
genannt fein. 

3eile 70, 3. 4. S3on Dolberg ift bod) erft fürjlid) (Slpril 1903) in9ta)fjaüit 
roieber ein ©tüd (Henrik og Pernille) jur 2luffüf)rung gelangt, unb jroar burd? bie 
„©pielgefeüfdjaft ber 33ud)brurfet" im Söreiöfjörö-Ipeater. 




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